Ein unmittelbarer Ausdruck des Satans

Papst Franziskus verurteilt das Übel der Verleumdung

Vatikanstadt, (ZENIT.org) Salvatore Cernuzio | 993 klicks

Die Worte von Papst Franziskus am 15. April 2013 während der Messe in der Kapelle des päpstlichen Gästehauses verbreiteten eine andere Stimmung als gewöhnlich. Jeder Satz dieses Papstes gleicht sonst einem süßen Lockruf, doch in der Predigt vom gestrigen Montagvormittag – unter den Teilnehmern an der Feier befand das Personal des vatikanischen Telefondienstes und des vatikanischen Internetbüros – war der entschiedene Ton des Heiligen Vaters in Sätzen wie: „Die Verleumdung ist ein unmittelbarer Ausdruck des Satans“ unüberhörbar.

Der Papst betonte, dass es keine beschönigenden Ausdrücke zur Abschwächung jenes Übels gebe, das durch diese Sünde hervorgerufen werde. Dieses Übel habe im Laufe der Kirchengeschichte zum Martyrium unzähliger Gläubiger geführt und fordere nach wie vor Opfer. Papst Franziskus stellte dieses Thema in das Zentrum seiner gesamten Ansprache und lud alle dazu ein, für jene Menschen zu beten, die infolge von Verleumdung, die laut Franziskus „schwerer wiegt als eine Sünde“, falsch beschuldigt, verfolgt oder getötet werden.

Unter Bezugnahme auf die Lesung aus der Apostelgeschichte der Tagesliturgie erinnerte der Papst an Stephanus, den ersten Märtyrer. Laut der Apostelgeschichte war Stephanus er einer der von den Jüngern ernannten Diakone. Aufgrund seines Glaubens und seinem lebendigen Zeugnis des Evangeliums wurde er vor den Hohen Rat geführt. Dort, vor den höchsten Autoritäten, erfuhr er eine Verleumdung durch „falsche Zeugen“, die ihn zu Unrecht beschuldigten. Dazu bemerkte Franziskus: „Der ordentliche Kampf zwischen guten Menschen war nicht in Ordnung.“ Die Ankläger hätten „den Weg des anrüchigen Kampfes, die Verleumdung“, bevorzugt.

Das Urteil des Papstes ist lapidar: „Wir sind alle Sünder, alle. Wir haben Sünden, doch die Verleumdung ist anders. Sie ist sicherlich eine Sünde, aber anders. Die Verleumdung enthält den Willen, das Werk Gottes zu zerstören. Sie entspringt einem sehr großen Übel, dem Hass. Der Urheber des Hasses ist Satan.“ „Die Verleumdung zerstört das Werk Gottes in den Menschen, in den Seelen. Sie bedient sich er Lüge, um sich fortzupflanzen“, bekräftigte Papst Franziskus. Er ergänzte: „Daran dürfen wir keinen Zweifel habe: Wo die Verleumdung ist, da ist auch Satan, genau er.“

Christen reagierten auf das Böse jedoch mit Gutem. So habe Stephanus laut dem Heiligen Vater den Anklägern nicht mit barer Münze zurückgezahlt. Franziskus führte aus: „Er wählt zu seiner Rettung nicht diesen Weg, sondern wendet seinen Blick dem Herrn zu und befolgt das Gesetz.“ Dies habe ihm Gelassenheit geschenkt.

Anschließend wies der Papst darauf hin, dass die Zeit der Märtyrer noch nicht zu Ende sei. Das für Christus vergossene Blut des Stephanus sei über den Hohen Rat hinausgeströmt und habe eine glorreiche Spur in der gesamten Kirchen- und Menschheitsgeschichte hinterlassen.

Es gebe nach wie vor viele Beispiele beispielhaften Mutes für ein Zeugnis des Evangeliums. Dem Papst zufolge habe die Kirche heute sogar mehr Märtyrer als in den ersten Jahrhunderten ihrer Existenz.

Dies erläuterte der Papst mit folgenden Worten: „In der Kirche gibt es zahlreiche Männer und Frauen, die Verfolgung erleiden und zum Zeichen des Christus-Hasses, zum Zeichen des Glaubens-Hasses, getötet werden: Der eine wird getötet, weil er den Katechismus lehrt, der andere, weil er das Kreuz trägt … Heute erleiden diese Menschen in vielen Ländern Verleumdung, Verfolgung. Sie sind unsere Brüder und Schwestern. Sie leiden in dieser Zeit des Martyriums.“

In einer Zeit „in der die Märtyrer zahlreicher sind als in den ersten Jahrhunderten“, die gekennzeichnet ist durch „geistliche Turbulenzen“, existiere laut dem Heiligen Vater dennoch ein „sicherer Ort“. Dieser befinde sich „unter dem Mantel der Gottesmutter.“

Sie sei die „fürsorgliche Mutter der Kirche. In dieser Zeit der Märtyrer ist sie sozusagen die ‚protagonista della protezione‘ (Protagonistin des Schutzes) – wenn man das auf Italienisch so sagen kann“. Vor diesem Hintergrund richtete der Papst folgenden Aufruf an die versammelten Gläubigen: „Beten wir zur Gottesmutter, auf dass sie uns schütze. Sagen wir im Glauben: ‚O Mutter, die Kirche steht unter deinem Schutz. Sorge für sie‘“.