Ein Vorreiter für die Rechte behinderter und kranker Menschen

Priester und Ordensgründer Jacob Friedrich Bussereau (1863-1919)

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 320 klicks

„Nicht Menschenklugheit, nicht Willensenergie, nicht Genie und nicht Geld, sondern die Liebe, die echte, wahre und tätige Gottes- und Nächstenliebe, das ist das Element, durch das das traurige Angesicht der Erde erneuert werden soll“, lautete der Leitgedanke Jacob Friedrich Bussereaus, eines Pioniers auf dem Gebiet der Behindertenfürsorge und -pflege. 

Jacob Friedrich Bussereau wurde am 2. Februar 1863 in Hambach bei Neustadt an der Weinstraße geboren. Nach dem Abitur studierte er in München Theologie. 1885 trat er in Speyer dem Priesterseminar bei. Bereits ein Jahr später, am 22. August 1886, empfing Bussereau die Priesterweihe. Danach war er als Kaplan in Herxheim tätig. Während dieser Zeit reifte in ihm immer mehr der Wunsch, eine karitative Anstalt für Kranke und Behinderte zu gründen. Bussereau war besonders sensibel für diese Problematik, da er selbst eine kranke Schwester hatte. In Herxheim blieb er bis zum Jahr 1889, dann wechselte er nach Germersheim. 1890 übernahm er die Pfarrei in Münster am Lech bei Augsburg. Hier knüpfte er Kontakte zu der Behinderten-Anstalt Ursberg, deren Spiritual er 1895 wurde. Doch Bussereau begnügte sich nicht mit dieser Tätigkeit, sondern wollte endlich seinen Plan in die Tat umsetzen, eine vergleichbare Institution in Herxheim zu gründen. Er wandte sich deshalb an den Bischof, der ihm am 14. Januar 1896 seine Zustimmung zu dem Projekt erteilte. Der Geistliche erwarb daraufhin ein Haus, das er mit einem Anbau erweitern ließ und das heute noch das Mutterhaus der Kongregation der Schwestern vom Heiligen Paulus ist, und gründete das Sankt-Paulus-Stift. Mitgründerin der Kongregation und erste Vorsteherin der Gemeinschaft war Anna Maria Dudenhöfer, die er bereits bei seinem ersten Aufenthalt in Herxheim kennengelernt hatte. 1905 folgte die Gründung des männlichen Zweigs.

Schon bald entstanden weitere Einrichtungen, mit denen die Lebenssituation behinderter Menschen erheblich verbessert werden sollte: 1897 in Neuötting und 1899 in Bad Bergzabern. In letztgenannter Institution war Bussereau ab 1919 als Spiritual tätig. Sein Wirken war jedoch durch eine schwere Herzerkrankung beeinträchtigt, der er schließlich am 2. Juli desselben Jahres erlag. Er wurde auf dem Friedhof des Sankt Paulus-Stiftes in Herxheim beigesetzt.

Bussereau machte zeitlebens mit seiner Arbeit auf das Elend und die Hilflosigkeit behinderter Menschen aufmerksam und leistete mit seinen Einrichtungen einen erheblichen Beitrag zur Verbesserung der Lebenssituation der Menschen, die zu den „Leidensten und Ärmsten der Menschheit“ zählten. Kranke und Behinderte fanden eine liebevolle Aufnahme und Pflege, „eine Zufluchtsstätte für die ganze Lebenszeit nach christlichen Grundsätzen“.

Bis heute leben die Ideale und Werte des Gründers Jacob Friedrich Bussereau in der Jacob Friedrich Bussereau Stiftung weiter, die sich für Menschen mit Behinderung und alte Menschen einsetzt. Qualität, Kompetenz, Menschlichkeit und christlicher Glaube sind bis heute für die Arbeit mit den Bewohnern bestimmend, deren Mitsprache und Beteiligung willkommen und erwünscht sind – ganz im Sinne des Leitmotivs von Jacob Friedrich Bussereau: „Omnibus omnia“ – „Allen alles werden“ (1 Kor 9,22).