Ein Zeuge Jehovas

Priestererlebnis von Matteo Pino, Italien

Rom, (ZENIT.org) | 648 klicks

Vor Jahren lebte ich mit zwei Kapuzinerpatres in Priolo bei Syrakus. Wir widmeten uns gänzlich dem Apostolat für die Arbeiter des neuen Industriegebietes, das zwischen Priolo und Agusta entstanden war. Wenn ich auf das Heulen der 12-Uhr-Sirene wartete, hielt ich mich oft auf dem Platz vor der Firma Sincar auf und unterhielt mich mit dem Wachmann, der die Fahrräder beaufsichtigte. Er hieß Valeriano und war ein überzeugter Anhänger der Zeugen Jehovas. Er trug stets eine kleine Bibel in den Händen, las darin mit seinem einzigen gesunden Auge und markierte aufmerksam Textstellen. Wir diskutierten oft und lange, wobei wir manchmal auch noch am Abend im Freizeitclub von Sincar unser Gespräch fortsetzten.

Eines Tages sagte ich ihm: „Ihr Zeugen Jehovas glaubt nicht, dass wir eine Seele haben und dass nach unserem Tod ein Gericht stattfinden wird. Erklär mir dann mal, warum Jesus zum guten Räuber sagte: ‚Heute wirst du bei mir im Paradiese sein‘!“

Er antwortete mir: „Darauf kann ich Ihnen nicht antworten. Ich werde mich bei meinem Lehrer informieren und dann werde ich es Ihnen sagen.“

In der folgenden Woche wartete ich gespannt auf seine Antwort, und natürlich habe ich es nicht versäumt, ihn und alle, denen ich begegnete, dem Herrn im Gebet anzuvertrauen. Bei unserem nächsten Treffen verkündete mir Valeriano:

„Nur ihr Katholiken sagt, dass es heißt: ‚Du wirst bei mir im Paradiese sein‘. In Wirklichkeit aber steht im Evangelium: ‚In Wahrheit sage ich dir: Heute noch wirst du bei mir im Scheol sein!‘“ Da lächelte ich, weil ich wusste, dass er keine überzeugende Antwort, sondern nur eine Ausrede gefunden hatte, mit der er sich aus der Affäre ziehen wollte. Irgendwie hatte ich dabei das Gefühl, dass auch Valeriano nicht ganz glücklich mit seiner Erklärung war…

Nach seiner Pensionierung kehrte mein Freund in seine Heimat, nach Sardinien, zurück und schickte mir ab und zu eine Postkarte. Dann wurde ich Pfarrer der Kirche Madre di Augusta, und eines Tages bekam ich Besuch von zwei Unbekannten, die mir sagten: „Wir kommen aus Sardinien und bringen Ihnen Grüße von Valeriano.“

 „Oh, das freut mich aber sehr! Ich erinnere mich noch gut an ihn. Er ist ein Zeuge Jehovas!“, rief ich aus.

„Aber wir sehen ihn doch immer in unserer Pfarrei…!“, erwiderten die Gäste.

Über diese Nachricht habe ich mich sehr gefreut und danke Gott unendlich dafür, dass meine Mühen nicht vergebens waren.