„Eindrucksvolles Zeugnis menschlicher und christlicher Größe"

Österreichische Bischöfe über den Papstbrief zur Frage der Aufhebung der Exkommunikation

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WIEN, 13. März 2009 (ZENIT.org).- In einer heute veröffentlichten Erkärung würdigen die österreichischen Bischöfe, die gestern, Donnerstag, in Innsbruck ihre diesjährige Frühjahrs-Vollversammlung beendeten, den Brief von Papst Benedikt XVI. zu den aktuellen Ereignissen rund um die Aufhebung der Exkommunikation der lefebvrianischen Bischöfe als „eindrucksvolles Zeugnis menschlicher und christlicher Größe".

Sie verweisen auf wichtige Passagen der Papstbotschaft und erklären abschließend: „Die liebevollen, klaren und mutigen Worte des Papstes stärken uns Bischöfe im Dienst für Einheit und Liebe in der Kirche."

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Während der Frühjahrskonferenz der österreichischen Bischöfe traf der Brief des Heiligen Vaters zu den aktuellen Ereignissen rund um die Aufhebung der Exkommunikation der lefebvrianischen Bischöfe ein. Da das Schreiben an alle Bischöfe gerichtet ist, wurde es in unserer Versammlung verlesen: Es hat uns Bischöfe tief bewegt. Dieser Brief ist ein eindrucksvolles Zeugnis menschlicher und christlicher Größe. Wir empfehlen allen die direkte Lektüre. Es mag hilfreich sein, auf einige Aspekte ausdrücklich hinzuweisen:

Uns beeindruckt zuallererst die Offenheit und Sensibilität, mit der der Heilige Vater sowohl seine wahren Absichten als auch die vermeidbaren "Pannen" und schließlich die entstandenen Missverständnisse, Verhärtungen und sogar Feindseligkeiten benennt. Diese Haltung ist uns Vorbild im Umgang mit schwierigen Situationen. Es wird nichts schöngeredet und gleichzeitig werden die tragenden Absichten seines Handelns sichtbar.

Dieser Brief gibt tiefen Einblick in die wahren Motive, die Papst Benedikt XVI. bewogen haben, die Exkommunikation aufzuheben. Es ging um einen "leisen Gestus der Barmherzigkeit" um "die vier Bischöfe zur Rückkehr einzuladen". Es war "eine für mich nicht vorhersehbare Panne", dass diese Geste "von dem Fall Williamson überlagert wurde", sagt der Papst und fügt: "Ich lerne daraus..."

Alle, die in "sprungbereiter Feindseligkeit" glaubten, dem Papst antijüdische Absichten unterstellen zu können, wird dieser Brief nachdenklich machen. Uns hat sein persönliches Zeugnis berührt, dass manche jüdische Freunde "geholfen haben, das Missverständnis schnell aus der Welt zu schaffen und die Atmosphäre der Freundschaft und des Vertrauens wieder herzustellen".

Klar und unmissverständlich hält der Heilige Vater gegenüber der "Pius-Bruderschaft" fest, dass sie "keine kanonische Stellung in der Kirche hat...solange die doktrinellen Fragen nicht geklärt sind". Die vier Bischöfe üben "keine Ämter rechtmäßig in der Kirche aus".

Ganz offen stellt Papst Benedikt XVI. die Frage nach dem Sinn der Maßnahme: "War das wirklich eine Priorität? Gibt es nicht sehr viel Wichtigeres?" Als Antwort darauf formuliert der Papst erneut die "allererste Priorität" seines Pontifikats: "Gott gegenwärtig zu machen in dieser Welt und den Menschen den Zugang zu Gott zu öffnen". Sein Leitwort ist und bleibt ja: "Deus caritas est" – Gott ist Liebe: "Wer Gott als Liebe bis ans Ende verkündigt, muss das Zeugnis der Liebe geben". War es von daher gesehen "wirklich verkehrt", auf eine Gemeinschaft zuzugehen, die in Gefahr ist, sich "in Einseitigkeiten hinein" zu fixieren? Dieses Zugehen des Papstes ist das Wagnis der Liebe.

Uns hat besonders beeindruckt, was der Papst in diesem Kontext über den Umgang mit Gruppen in der Gesellschaft gesagt hat, die von Radikalisierungen bedroht sind: "Muss nicht auch die zivile Gesellschaft versuchen, Radikalisierungen zuvorzukommen, ihre möglichen Träger – wenn irgend möglich – zurückbinden in die großen gestaltenden Kräfte des gesellschaftlichen Lebens, um Abkapselungen und all ihre Folgen zu vermeiden?" Wir hören in dieser Mahnung den Auftrag, gesellschaftlichen Ausgrenzungen und ihren Gefahren entgegenzuwirken.

Papst Benedikt XVI. macht sich keine Illusionen über Einseitigkeiten der "Pius-Bruderschaft", wenn er sagt: "Wir haben seit langem und wieder beim gegebenen Anlass viele Misstöne von Vertretern dieser Gemeinschaft gehört". Wir Bischöfe sehen es als vorbildlich, dass der Heilige Vater dennoch auf eine "Öffnung der Herzen" vertraut: "Sollte die Großkirche nicht auch großmütig sein können im Wissen um den langen Atem, den sie hat?"

Dieser lange Atem heißt Vertrauen. Vertrauen auf Christus, aus dem das gegenseitige Vertrauen wächst: zwischen Rom, dem Zentrum der Weltkirche, und den Ortskirchen. Vertrauen auch zwischen den Vertretern unterschiedlicher Auffassungen über den Weg der Kirche.

Papst Benedikt XVI. erinnert an "die erste Priorität für den Petrus-Nachfolger": "Du aber stärke deine Brüder" (Lk 22,32). Die liebevollen, klaren und mutigen Worte des Papstes stärken uns Bischöfe im Dienst für Einheit und Liebe in der Kirche.

[Von der Österreichischen Bischofskonferenz veröffentlichtes Original]