Eine Chance für die armen Kinder Brasiliens - Adoption auf Distanz

Schattenseite der Fußball-WM

Rom, (ZENIT.org) Osvaldo Rinaldi | 556 klicks

Wenn die Siegermannschaft mit  Schlusspfiff gekürt wird, kann ein neues Spiel für viele Familien beginnen: das Abenteuer der Adoption oder Unterstützung auf Distanz.

Im Rahmen dieser Fußballweltmeisterschaft befand sich Brasilien nicht nur aufgrund der sportlichen Ereignisse, sondern auch wegen der  Lebensbedingungen eines Landes, das von großen Ungleichgewichten geprägt ist -  bitterer Armut und großem Reichtum, Wohlstand und Elend - im Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit.

Obwohl Brasilien alles dafür getan hat, die organisatorischen Anstrengungen für die Vorbereitung und die bestmögliche Leitung dieser Veranstaltung in den Vordergrund zu rücken, war eine hinter dem Ganz der leuchtenden Fußballfelder verborgene Grundstimmung der Armut, der Ausgrenzung und des Elends allerseits spürbar.

Am meisten im Hintergrund standen wohl die Kinder. Auf der Straße lebende junge Menschen sind in Ländern wie Brasilien ein weit verbreitetes Phänomen. Einerseits vollzieht sich in einigen Gebieten der Großstädte eine beträchtlicher Wirtschaftsaufschwung. Andererseits unterliegt die Entwicklung in den Randgebieten der Großstädte und auf dem Land einer erheblichen Verzögerung.

Die in diesen Randgebieten lebenden Kinder sind von Verlassenheit und Gleichgültigkeit betroffen. Die Würde dieser Kinder wird von einer verschleierten und lautlosen Vernachlässigung verletzt. Diese beraubt sie den Grundrechten des Menschen: der Möglichkeit, die Schule zu besuchen, des Zuganges zu Krankenhäusern, der elterlichen Begleitung für ein gesundes und harmonisches menschliches Wachstum. Viele humanitäre Initiativen haben dazu beigetragen, den Kindern dieses Landes Unterstützung zukommen zu lassen, doch es gibt noch viel zu tun. Die größte Versuchung für Brasilien und viele andere aufstrebende Länder besteht darin, die Tür der Hilfe von ausländischen Ländern zu schließen; mit dem Ziel, die eigene Größe hervorzuheben und die großen Gebiete der immer noch präsenten Armut zu vergessen.

Angesichts dieser Zustände könnte Adoption dort, wo eine lokale Lösung oder die Unterstützung auf Distanz nicht möglich ist, eine geeignete Antwort auf die Unruhe und die spirituelle Verstörung, die der Kontext dieser Sportveranstaltung in unseren Herzen hinterlassen hat, darstellen. Viele Gefühle sind während der Fußballspiele hochgekommen, aber wenige Reflexionen über die Tragödien dieses Landes wurden angestellt. Gerade deshalb haben die Kommunikationsmittel die Verpflichtung, Licht auf die vielen von den Kindern und jugendlichen auf der Straße erlebten Schattenseiten zu werfen. Die Adoption ist eine Antwort auf die Problematik. Sie bietet diesen Kindern nicht nur wirtschaftliche Befreiung, sondern gibt ihnen vor allem die aufgrund von Ausgrenzung und Verlassen verlorene Würde zurück. Das Wesen der Adoption lässt sich folgendermaßen beschreiben: Wiederherstellung der Identität, wo die Würde verzerrt oder zerstört wurde. Identität entsteht immer aus der Zugehörigkeit, die wiederum der Teilnahme an der Liebe der Eltern zu den Kindern entspringt, wodurch die vitalen Bindungen des Vertrauens und des Verständnisses entstehen, die die Basis der Familienbeziehungen bilden.

Adoptiveltern sind dazu aufgerufen, die Verletzungen eines Lebens zu heilen, das Entbehrungen, Vernachlässigung und Erziehungsmängel erfahren hat und ihren Kindern ein neues Leben zu vermitteln. Die vordergründige Mission der Adoptiveltern ist das erzieherische Element für menschliche und geistliche Reife ihrer Kinder. Adoptierte Kinder sind sich selbst überlassene Kinder oder Jugendliche, die daher keine Erziehung und keine Disziplinierung erhalten haben. Ein Adoptivelternteil muss sich dafür einsetzen, dass jene erzieherischen Grundsätze, die für das Leben ihrer Kinder unentbehrlich sind, eingepflanzt werden. Vor der Aussaat wird es jedoch nötig sein, aus den Herzen ihrer Kinder die Wurzeln des Misstrauens und der Skepsis zu entfernen, mit denen sie ihre ersten Lebensjahre verbracht haben.

Allen Adoptivkindern wird durch das Verlassensein und die Ausgrenzung eine Wunde zugefügt, die sie nicht nur von ihren biologischen Eltern, sondern vor allem vom Vertrauen und von der Hoffnung im Leben trennt. Adoptiveltern sind dazu aufgerufen, das gesamte Leben lang mit ihren Kindern darum zu kämpfen, dass die Sehnsucht nach der Vergangenheit nicht den Wunsch nach der Zukunft überschattet.

Kurz vor dem Ende dieser Weltmeisterschaft in Brasilien besteht die Hoffnung, dass nach der Auslöschung der Scheinwerfer auf die Fußballspiele die Lichter auf viele Situationen des Elends und des Verlassenwerdens der Kinder Brasiliens und in aller Welt sichtbar bleiben.

Wenn der Name der Siegermannschaft feststehen wird, wird das wirkliche Spiel auf dem Feld der Solidarität ausgetragen werden, um sich dieser Minderjährigen, die sich Tag für Tag den Herausforderungen des Lebens stellen, anzunehmen. Die wahre Zufriedenheit wird nicht darin bestehen, einen Goldpokal zu erheben, sondern die Würde dieser Kinder anzuheben, damit sie die wahren Protagonisten der Zukunft werden.

Wenn die Siegermannschaft mit dem abschließenden Pfeifton gekürt wird, wird eine neue Weltmeisterschaft von vielen Familien gespielt werden können, die dank ihrer Kinderliebe ein großartiges Abenteuer der Großzügigkeit namens Unterstützung auf Distanz oder Adoption beginnen können.