Eine christliche Antwort auf den „Erziehungsnotstand“

Interview mit Msgr. Lorenzo Leuzzi, Leiter der Universitätsseelsorge der Diözese Rom

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ROM, 11. März 2008 (ZENIT.org).- Benedikt XVI. hat in seinem Schreiben an die Diözese Rom (21. Januar 2008) die Gläubigen und die ganze Gesellschaft dazu eingeladen, über den „Erziehungsnotstand“ nachzudenken.



Im Gespräch mit ZENIT ging Msgr. Lorenzo Leuzzi, Leiter des Amtes für Universitätsseelsorge der Diözese Rom und Sekretär der bischöflichen Kommission für die Universitäten innerhalb des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen, auf den Brief des Papstes ein.

Leuzzi hob hervor, dass eine Erneuerung im Erziehungswesen nicht auf soziologischer oder phänomenologischer Ebene zustande kommen könne, sondern nur auf der Grundlage des „Verständnisses der Wurzeln des Christentums“. Angesichts der zunehmenden Schwierigkeit, den heranwachsenden Generationen die Grundwerte des Daseins zu vermitteln, sei es Aufgabe der Christen, die Erfahrungen des Glaubens klar darzulegen und den jungen Menschen dabei zu helfen, mit Christus eine persönliche Beziehung einzugehen; eine Beziehung, die von Dauer sei.

Man dürfe sich nicht allzu sehr von der Begeisterung über eine „religiöse Renaissance“ mitreißen lassen, betonte der Seelsorger. Es handle sich dabei vor allem um ein soziologisches Phänomen, das in einer metaphysischen Dimension zu interpretieren, entschlüsseln und begreifen sei. Ein realistischer Blick auf den Glauben sei notwendig. Damit meinte Leuzzi das Wissen darum, dass das Evangelium nicht in das Reich der Märchenwelt gehört, sondern in die Welt der geschichtlichen Wirklichkeit.

Die Schwierigkeit bei der Antwort auf die neuen erzieherischen Herausforderungen bestehe oftmals darin, dass die Begegnung mit Christus ihrer historischen Dimension beraubt und auf eine rein mystische und humanistische Dimension reduziert werde. Das Ergebnis sei eine bloß formelle soziokulturelle Zugehörigkeit zum Glauben.

Um dem Erziehungsnotstand entgegenzutreten, ist es nach Worten von Msgr. Leuzzi unerlässlich, über die Weitergabe des Glaubens nachzudenken, „der die Quelle und das Spezifische der Einsatzes für die Erziehung seitens der Christen ist“.

Erziehung bedeute, den Menschen dazu zu befähigen, die tiefe Wahrheit über sich selbst zu entdecken und anzunehmen. Der Mensch müsse sich als das einzige Geschöpf erkennen, dem die Möglichkeit gegeben ist, „ontologisch“ besser zu werden und sich zu vervollkommnen –durch die Teilnahme am Aufbau der Gesellschaft.

Leuzzi betonte, dass sich der Christ die Wahrheit über den Menschen zu Eigen machen müsse; spiritualistischen Tendenzen oder Formen rein soziologischer Solidarität gelte es, aus dem Weg zu gehen.

Gerade die jungen Menschen seien nicht bereit, zweifelhafte christliche Erziehungsprojekte gutzuheißen, bekräftigte der Priester. Sie erwarteten sich viel mehr: die Wahrheit vom Geheimnis Gottes und der historischen Situation des Menschen.

Erziehung heißt für Leuzzi, den jungen Generationen zu helfen, Protagonisten der Geschichte zu sein.

[Das Interview führte Antonio Gaspari]