Eine Frau unter den neuen Mitgliedern des Päpstlichen Rates zur Neuevangelisierung

Maria Voce, Präsidentin der Fokolar-Bewegung

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VATIKANSTADT, 12. Dezember 2011 (ZENIT.org). – Unter den 15 neuen Mitgliedern des Päpstlichen Rates zur Neuevangelisierung, die Papst Benedikt XVI. in der letzten Woche berufen hatte (ZENIT berichtete), ist als einzige Frau Maria Voce, die Präsidentin der Fokolar-Bewegung. Diese Nachricht vom 7. Dezember fiel auf den Tag, an dem die Fokolar-Bewegung die Geburtsstunde der Bewegung vor 68 Jahren in Trient feierte, dem Tag des Gelübdes zum geweihten Leben der Gründerin Chiara Lubich (1920-2008).

„Die Nachricht freut und ehrt mich durch das Vertrauen, das der Papst und der Päpstliche Rat mir darin entgegenbringen. Die Ernennung verpflichtet mich für mein ganzes Leben und das aller, die mir in der Fokolar-Bewegung verbunden sind, die schon Evangelisierten und die, die noch evangelisiert werden."  So äußerte sich Maria Voce beim Empfang der Nachricht. Weiter sagte sie: „Ich bin mir bewusst, dass viele niemals die Möglichkeit bekommen, das Evangelium zu lesen, wenn es unser Leben nicht kreuzt."

Am 20. Oktober dieses Jahres erläuterte Maria Voce in einer Erklärung als Antwort auf die Ankündigung eines Jahres des Glaubens durch den Papst, die Lebensaufgabe der Bewegung sei, „zu den Wurzeln des Anfangs der Bewegung zurückzukehren, zuerst uns selbst wieder zu evangelisieren und danach das Evangelium zu den uns umgebenden Menschen hinauszutragen, mit seiner ganzen Kraft zur Umgestaltung."

Maria Voce wurde 1937 im süditalienischen Ajello Calabro geboren. Seit 1964 lebt sie - nach den evangelischen Räten – in einer Fokolargemeinschaft: zunächst in Sizilien und dann im Zentrum der Bewegung in Grottaferrata bei Rom. Sie war 20 Jahre lang als Lehrerin tätig. Nach dem Studium von Theologie und Kirchenrecht und anschließender Promotion war Maria Voce zuletzt insbesondere an der Aktualisierung des Allgemeinen Statuts der Bewegung beteiligt. In dieser Funktion hat sie eng mit der im März verstorbenen Gründerin Chiara Lubich zusammengearbeitet. Sie gehört zum interdisziplinären Studienzentrum der Bewegung und hat in den letzten Jahren am Aufbau des internationalen Juristennetzwerks „Gemeinschaft und Recht“ mitgewirkt.

Von 1978 bis 1988 war Maria Voce von Istanbul aus mitverantwortlich für die Bewegung in der Türkei, wo sie unter anderem enge Kontakte zum Ökumenischen Patriarchat, aber auch zu allen anderen in Istanbul vertretenen christlichen Kirchen pflegte. Darüber hinaus konnte sie dort wichtige Erfahrungen im interreligiösen Dialog, besonders mit muslimischen Freunden der Bewegung, sammeln.

Derzeit ist die Fokolar-Bewegung in 182 Ländern verbreitet. Sie unterhält Zentren in 89 Ländern, davon 29 in Europa, 25 in Afrika, 19 in Amerika, 13 in Asien und 3 in Ozeanien. Es gibt mittlerweile 63 Tagungszentren und 35 Siedlungen der Fokolar-Bewegung, drei davon in Deutschland: in Solingen, in Zwochau und in Ottmaring.

Die Bewegung hat weltweit 141.400 Mitglieder, davon in Deutschland knapp 5000. Sie gibt als Freunde weltweit über zwei Millionen an, davon 50.000 aus über 350 Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften; 30.000 aus den großen Religionen wie Judentum, Islam, Buddhismus und ca.70.000 Menschen ohne religiösen Hintergrund.

Die Mitglieder der Bewegung leben eine „Spiritualität der Einheit“ und engagieren sich für Einheit und Geschwisterlichkeit, die im Evangelium gündet und das Leben der gesamten Bewegung durchwirkt. Sie wird auf unterschiedliche Weise von Mitgliedern, Freunden und Sympathisanten der Fokolar-Bewegung geteilt.

Sie ist 1943 in Trient entstanden und wird zu den christlichen Aufbruchsbewegungen des 20. Jahrhunderts gerechnet. Ihre Ursprünge liegen in der katholischen Kirche, doch engagieren sich in der Bewegung inzwischen Christen aller Kirchen. Die Schwerpunkte der Fokolar-Bewegung liegen deshalb sowohl im gesellschaftlich-sozialen als auch im kirchlich-religiösen Bereich.

Der interreligiöse Dialog ist ein Kompetenzbereich der Fokolar-Bewegung. Chiara Lubich war die erste Christin, die 1981 vor 10.000 Buddhisten in Tokyo ihre im Evangelium begründete Erfahrung vortrug. 1997 sprach sie in Thailand vor Mönchen und Nonnen auf Einladung der geistlichen buddhistischen Führer. Im selben Jahr ergriff sie in der historischen nach Malcolm X benannten Moschee in Harlem (New York) vor 3000 afroamerikanischen Muslimen das Wort. Im Jahr 2000 kam es zu einer muslimisch-christlichen Begegnung in Washington mit 5000 Teilnehmern. Der Dialog entwickelte sich in weiteren Ländern mit Juden, Hindu, Taoisten, Sikhs, Animisten und anderen. Mehr als 30.000 Gläubige verschiedener Religionen teilen auf unterschiedliche Weise den Geist der Fokolar-Bewegung.

Der Dialog mit Menschen verschiedener Weltanschauung begann in den 60er Jahren, als sich die Fokolar-Bewegung in Ost-Europa hinter dem Eisernen Vorhang auszubreiten begann. Chiara Lubich bereiste vor der Wende Ungarn und war neun Mal in Ostberlin zu Besuch.

Laut Statut muss an der Spitze immer eine Frau stehen. Chiara Lubich, die im Alter von 88 Jahren am 14. März 2008 in Rom gestorben ist, war zeitlebens Präsidentin der Fokolar-Bewegung. Im 7. Juli 2008 wurde die heute 74-jährige Maria Voce für sechs Jahre zur neuen Präsidentin gewählt.[jb]