Eine in sich selbst verschlossene Kirche ist krank

Papst mahnt in Brief an argentinische Bischöfe zur missionarischen Pastoral

Vatikanstadt, (ZENIT.org) Salvatore Cernuzio | 675 klicks

Die Einladung zu einem Aufbruch aus sich selbst, um bis an die Randbereiche des Lebens vorzudringen, zieht sich als Leitgedanke durch zahlreiche Reden von Papst Franziskus. Einmal mehr bekräftigte der Papst diese Ermahnung in einem an die Bischöfe Argentiniens gerichteten Schreiben. Darin forderte Franziskus die Kirche darin dazu auf, eine „vollkommen missionarische“ Pastoral zu verwirklichen, um so der Gefahr des Kreisens um sich selbst, was sie „krank werden“lasse, zu begegnen.

Bergoglios ehemalige Mitbrüder im Episkopat befinden sich dieser Tage am Heiligtum „Santuario della Madonna del Pilar“ auf der bis zum 20. April tagenden Vollversammlung. Dabei handelt es sich um einen wichtigen Termin, den der Erzbischof von Buones Aires noch zuvor nie versäumt hatte. Mit einem Hauch von Humor entschuldigte er sich daher für sein Fernbleiben und nannte als Grund „die jüngsten Verpflichtungen“, die ihn davon abhielten. Ob das gut klinge, fragte der Heilige Vater in Bezug auf die Wahl auf den Stuhl Petri und die Regierung der Weltkirche.

Berichten von Radio Vatikan zufolge hat der Papst liebevolle Worte an die Bischofe gerichtet und als Bezugspunkte für die Arbeitstage das Abschlussdokument der lateinamerikanischen Bischofskonferenz (Aparecida 2007) und „Prendere il largo“ der argentinischen Bischofskonferenz genannt. Es folgte der gewohnte Impuls: „an die Randbereiche des Lebens zu gelangen und in der ‚Parrhesia‘, der vollkommenen Freiheit der Verkündigung, zu wachsen.“

In dem Schreiben hält der Papst fest: „Eine Kirche, die nicht aus sich selbst herausgeht, wird früher oder später an der abgestandenen Luft des Zimmers, in dem sie eingeschlossen ist, erkranken.“ Zwar erhöhe sich durch das Hinausgehen das Risiko eines Unfalles, doch er, so der Papst, ziehe einer kranken Kirche tausend Mal eine Kirche vor, die einen Unfall erlitten habe.

Die Kirche sei ständig der Gefahr einer Ansteckung ausgesetzt, und diese Krankheit trage den Namen Selbstbezogenheit. Diese bestehe in der Betrachtung seiner selbst, im In-sich–Verkrümmtsein. Der Papst sprach sogar von „Narzissmus, der zur geistlichen Mondänität und zum ausgefeilten Klerikalismus führt.“ Dieses Gift mache es unmöglich, „die süße und tröstliche Freude der Evangelisierung“ zu kosten.

Der Brief des Papstes endete mit einem brüderlichen Gruß des Nachfolgers Petri für die Bischöfe. Die letzten Zeilen enthielten den folgenden, bereits viele Male verlautbarten Aufruf des Hirten der Welt an sein Volk: „Betet für mich, damit ich nicht stolz werde und auf das zu hören verstehe, was Gott von mir will, und nicht, was ich will.“

Laut Radio Vatikan gab der argentinische Episkopat seinerseits in einer während der Versammlung veröffentlichten Nachricht bekannt, dass sich sämtliche argentinische Bischöfe „über die Wahl von Franziskus, dem ersten Papst aus ihrer Heimat, sehr freuen.“ An der Tagesordnung der Vollversammlung stehen neben den Hautthemen wie der Reform desGerichtswesens auch weitere Punkte wie die Wahl von Papst Franziskus und die Vorbereitungen auf den IV. Nationalen Missionskongress, der am 17. August 2013 in Catamarca eröffnet werden wird.