„Eine Kirche um der Menschen willen“: Hirtenbrief von Bischof Ludwig Schwarz SDB

„Nehmt einander an, wie auch Christus uns angenommen hat, zur Ehre Gottes“

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WÜRZBURG, 11. Februar 2009 (ZENIT.org).- In einem Schreiben an die kirchlichen Mitarbeiter, das heute, Dienstag, veröffentlicht wurde, ruft der Linzer Diözesanbischof Dr. Ludwig Schwarz zum Respekt vor der Verschiedenheit des anderen und zur Überwindung aller Gegensätze auf. „Nehmt einander an, wie auch Christus uns angenommen hat, zur Ehre Gottes“, bekräftigt er mit Worten des heiligen Paulus.

„Rufen wir die selige Jungfrau Maria, die Mutter der Kirche, an, dass Ablehnung und Spaltung aufhören. Gehen wir aufeinander zu und suchen wir den Dialog!“ Die Kennzeichen eines wahren Jüngers Jesu seien Gerechtigkeit, Frieden und Freude im Heiligen Geist.

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I. Als Diözesanbischof habe ich vor ungefähr zehn Monaten den Papst in Rom um einen Weihbischof gebeten. Nach dem Kirchenrecht ist ein Dreiervorschlag vorgesehen, den ich auch eingebracht habe.  Dem Papst allein steht aber letztendlich die Entscheidung zu. Seine Wahl fiel auf Dr. Gerhard Wagner.
 
Diese Entscheidung hat sowohl in unserer Diözese als auch darüber hinaus zahlreiche positive wie negative Reaktionen ausgelöst. In dieser turbulenten Zeit und zum Teil angespannten Situation ist es mir als Diözesanbischof wichtig, einige Grundsätze für ein weiteres gedeihliches Arbeiten in der Diözese festzuhalten:
 
In den letzten Jahrzehnten ist in unserer Diözese ein gutes Miteinander von Bischof, Priestern, Diakonen und Laien auf allen Ebenen gewachsen. Gerade dieses Miteinander von vielen Engagierten habe ich in meiner Diözese in den vergangenen Jahren schätzen gelernt. In Rückmeldungen wird nun dieses Miteinander, diese Zusammenarbeit aller mit dem Bischof als bedroht und in Frage gestellt gesehen. Mir ist es aber weiterhin ein wichtiges Anliegen, dass wir diesen bisherigen guten Weg gemeinsam weitergehen. Als Diözesanbischof werde ich mich dafür mit allen Kräften einsetzen.
 
„Eine Kirche um der Menschen willen“ steht in unserer Zeit zahlreichen Herausforderungen gegenüber. Gerade in ihrer Vielfalt kann sie auf unterschiedliche Weise den Menschen von heute begegnen und ihre Dienste anbieten.
 
Ich appelliere daher als Diözesanbischof an alle, bei aller Unterschiedlichkeit, die in unserer Kirche Platz haben darf, auch weiterhin stets den Blick zuerst auf Jesus Christus und sein Evangelium zu richten und im Sinne der pastoralen Leitlinien (Diakonie, Verkündigung, Liturgie und Koinonia) jene Aufgaben und Dienste zu erfüllen, die heute von uns in der Diözese, in den Pfarren bis hin zu anderen pastoralen Einrichtungen erwartet werden.


II. In diesem Zusammenhang möchte ich darauf hinweisen, dass unsere Diözese eine Vielzahl von Wallfahrtskirchen und Kapellen kennt, die der Gottesmutter Maria geweiht sind. Gerade das Bild der Schutzmantelmadonna, das wir dort des Öfteren sehen, möchte ich als Bild der Einheit und des Friedens herausstellen. Ihre mütterliche Liebe breitet Maria wie einen Mantel über alle Menschen aus, die bei ihr Zuflucht suchen.
 
Schon bei den Anfängen der Kirche war Maria im Abendmahlsaal zugegen und war dann den ersten Christengemeinden mit ihrem Gebet nahe, damit Einheit und Frieden untereinander gewahrt blieben.
 
Wir wissen, dass bereits der hl. Paulus in seinem Brief an die Römer die dortige Christengemeinde tadelt, weil sich „Starke“ und „Schwache“ gegenseitig verurteilen und miteinander streiten. Paulus verbietet ihnen dieses Verhalten mit durchaus scharfen Worten (vgl. Röm 14,1 ff). Seine eindringliche Mahnrede gipfelt in dem Aufruf: „Nehmt einander an, wie auch Christus uns angenommen hat, zur Ehre Gottes. Lasst uns also nach dem streben, was zum Frieden und zum Aufbau der Gemeinde beiträgt. Reißt nicht … das Werk Gottes nieder!“ (Röm 14,19).
 
Rufen wir die selige Jungfrau Maria, die Mutter der Kirche, an, dass Ablehnung und Spaltung aufhören. Gehen wir aufeinander zu und suchen wir den Dialog!
 
Gerechtigkeit, Frieden und Freude im Hl. Geist sind nach Paulus Kennzeichen der Jünger Christi. Wer Christus so dient, wird von Gott anerkannt und ist bei den Menschen geachtet.
 
Mögen diese Grundhaltungen unser Leben und Wirken in der Diözese Linz stets neu kennzeichnen.
 
+ Ludwig Schwarz

[Von der Diözese Linz veröffentlichtes Original]