Eine Krise verstärkt sich, aber wer hilft?

Ostafrika erleidet Hungerkatastrophe

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Von Eva-Maria Kolman und John Pontifex

KÖNIGSTEIN, 22. September 2011 (ZENIT.org/KIN). - Die internationale Gemeinschaft hat die Warnsignale für eine große Hungersnot in Ost- Afrika ignoriert und zu spät reagiert.

Zu diesem Ergebnis kommen die Salesianer Don Boscos in Äthiopien, die inmitten der immer schlimmer werdenden Berichte über die Hungersnot in Somalia und der ebenfalls von der Dürre betroffenen Nachbarländer Äthiopien und Kenia Hilfsaktionen für die Bevölkerung organisieren.

Bereits im Dezember 2010 sei vor einer Hungerkatastrophe gewarnt worden. Damals habe „niemand darauf gehört“, erklärte Mattia Grandi, einer der Projektkoordinatoren der Salesianer vor Ort, gegenüber dem internationalen katholischen Hilfswerk KIN.

Die Vereinten Nationen erklärten im Juli eine Hungersnot in Teilen von Somalia. Nach den neuesten Schätzungen der UNO seien nun am Horn von Afrika etwa 750.000 Menschen von einem Hungertod bedroht.

Anfang dieses Monats erklärte die UNO, dass 12 Millionen Menschen in der Region Nahrungsmittelhilfe benötigten.

Grandi und Führungskräfte der Kirche haben inzwischen Kirche in Not  ihren Dank ausgedrückt für die einmalige Überweisung von Hilfsgeldern zur Bereitstellung humanitärer Hilfe am Horn von Afrika.

Mit der Konzentration auf die Flüchtlinge in der Region Somali im Osten Äthiopiens widmet sich KIN dem Bau von Brunnen, der Verteilung von Wasser und der Bereitstellung von Nahrungsmittelpaketen und anderer dringend benötigter Güter.

Ebenfalls bereitgestellt werden Decken, Hygieneartikel, Latrinen und Plastikplanen und andere, für die Unterkunft benötigte Materialien. Leitende Mitarbeiter des Hilfswerks bezeichneten die Zuwendungen als Ausnahme, und betonten das pastorale „Charisma“ von KIN – die Unterstützung der Kirche und die Verbreitung des Evangeliums.

Die Hilfsleistungen kämen inmitten von Berichten, die erklärten, dass diese Dürre in der Region die Schlimmste seit 60 Jahren sei, was in Somalia, Äthiopien und Kenia zu einer schweren Ernährungskrise führe.

UN-Führungskräfte stellten fest, dass die Rate der unterernährten Kinder in Teilen von Somalia fast 60 Prozent ausmache – „ein Rekord akuter Unterernährung“, der fast doppelt so hoch sei als der Punkt, bei dem normalerweise eine Hungersnot ausgerufen wird. Nach den Aussagen von Mattia Grandi werde Hilfe am dringendsten im Durchgangslager von Dolo Odo benötigt, wo Flüchtlinge aus Somalia zuerst mehrere Tage warten müssten, bevor sie registriert werden.

Nicht registrierte Flüchtlinge hätten keinen offiziellen Flüchtlingsstatus, was für sie bedeute, in dieser Zeit von den UN-Hilfsprogrammen ausgeschlossen zu sein.

Das Transitlager sei für 5.000 Personen eingerichtet, es hielten sich dort jedoch zurzeit bereits 15.000 Menschen auf.

Die meisten davon seien Frauen, Kinder und ältere Menschen, da die meisten Männer in Somalia von den Al-Shabaab-Milizen entführt oder getötet worden seien.

Auch die vier Flüchtlingslager, in denen die Menschen nach ihrer Registrierung Unterkunft finden, seien überfüllt, jedoch funktioniere dort die Versorgung besser als in dem Durchgangslager.

Grandi schätzt, dass täglich bis zu 2.000 hilfesuchende Menschen die Grenze nach Äthiopien überquerten.

Viele davon seien in Somalia von den islamistischen Al-Shabaab-Milizen aufgehalten worden und hätten wieder umkehren müssen.

Um an einer anderen Stelle weiter nördlich die Grenze zu passieren, seien sie einen Monat lang zu Fuß unterwegs gewesen.

Vor allem werde jetzt sofortige medizinische Versorgung benötigt, berichtete Grandi.

Grandi hob jedoch deutlich hervor, dass Äthiopier genauso unter der Dürre zu leiden hätten wie die Somalier.

[ZENIT-Übersetzung des englischen Originals]