"Eine leidenschaftliche Liebe zur Kirche"

Katechese des Papstes bei der heutigen Generalaudienz auf dem Petersplatz

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 405 klicks

Heute Vormittag begann die Generalaudienz um 10.15 Uhr auf dem Petersplatz, wo der Heilige Vater Franziskus mit Gruppen von Pilgern und Gläubigen aus Italien und allen Teilen der Welt zusammentraf.

In seiner auf Italienisch gehaltenen Ansprache setzte der Papst seine den Sakramenten gewidmete Katechesen-Reihe fort. Im Zentrum seiner Betrachtungen stand das Sakrament der Weihe.

Nach einer Zusammenfassung seiner Katechese in verschiedenen Sprachen richtete der Papst einen besonderen Gruß an die anwesenden Gläubigen.

Die Generalaudienz endete mit dem Gesang des „Vater Unser“ und dem Apostolischen Segen.

***

Liebe Brüder und Schwestern!

Wie bereits erörtert, bilden die Taufe, die Firmung und die Eucharistie die Sakramente der „christlichen Initiation, einer beispielhaften Gnadenwirkung, die zu unserer Erneuerung in Christus führt. Es handelt sich dabei um die grundlegende Berufung, durch die alle Menschen als Jünger Christi in der Kirche vereint sind. Ferner existieren zwei Sakramente, die zwei spezifischen Berufungen entsprechen: die Weihe und die Ehe. Diese beiden Sakramente bilden zwei große Wege, durch die der Christ aus seinem Leben nach dem Vorbild und im Namen Christi ein Geschenk der Liebe machen und auf diese Weise an der Errichtung der Kirche mitwirken kann.

Das in die drei Stufen Bischofs-, Priester- und Diakonweihe gegliederte Weihesakrament befähigt zur Ausübung jenes Amtes, das den Aposteln vom Herrn Jesus Christus anvertraut wurde: das Weiden seiner Herde in der Kraft seines Geistes und nach seinem Herzen. Das Weiden der Herde Jesu erfolgt nicht aus menschlicher oder eigener Kraft sondern in der Kraft des Geistes und nach dem liebenden Herzen Jesu. Priester, Bischöfe und Diakone müssen die Herde des Herrn in Liebe weiden. Ohne Liebe ist dieses Weiden nutzlos. In diesem Sinne bleibt Jesus durch die Zeiten hindurch gegenwärtig, wenn die auserwählten und geweihten Amtsträger ihren Dienst im Namen Gottes, in der Kraft des Heiligen Geistes und mit Liebe vollziehen.

1) Ich möchte nun mit dem ersten Gedanken beginnen. Jene, die die Weihe empfangen, sind zugleich „Vorsteher der Gemeinde“. Christus zufolge bedeutet dies jedoch, die Autorität als Dienst zu verstehen, denn er selbst hat den Jüngern die folgende Lehre erteilt und vor Augen geführt: „Da rief Jesus alle zusammen und sagte: ‚Ihr wisst, wie die Machthaber der Welt ihre Völker unterdrücken. Wer die Macht hat, nutzt sie rücksichtslos aus. Aber so darf es bei euch nicht sein. Wer groß sein will, der soll den anderen dienen, und wer der Erste sein will, der soll sich allen unterordnen. Auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich bedienen zu lassen. Er kam, um zu dienen und sein Leben hinzugeben, damit viele Menschen aus der Gewalt des Bösen befreit werden‘“ (Mt 20,25-28; Mk 10,42-45). Ein Bischof und ein Priester, der sich nicht in den Dienst der Gemeinde stellt, tut nicht gut und begeht einen Fehler.

2. Als weitere Eigenschaft entspringt der sakramentalen Einheit mit Christus die leidenschaftliche Liebe zur Kirche. Eine Stelle aus dem Epheserbrief ist in diesem Zusammenhang erhellend. Darin betont der hl. Paulus, dass „Christus die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben hat, um sie im Wasser und durch das Wort rein und heilig zu machen. So will er die Kirche herrlich vor sich erscheinen lassen; ohne Flecken, Falten oder andere Fehler; heilig soll sie sein und makellos“ (Eph 5,25-27). Kraft der Weihe schenkt sich der Amtsträger ganz der Gemeinschaft und liebt sie mit ganzem Herzen: Sie ist seine Familie. Der Bischof und der Priester lieben die Kirche innerhalb der Gemeinschaft und sind von inniger Liebe zu ihr erfüllt. Diese Liebe manifestiert sich wie die Liebe Christi zur Kirche. Diesem Gedanken begegnen wir in den Worten des hl. Paulus über die Ehe: Der Mann liebt seine Frau wie Christus die Kirche liebt. Darin verbirgt sich ein großes Geheimnis der Liebe: Über das Sakrament der Priesterweihe und jenes der Ehe gelangen die Menschen üblicherweise zum Herrn.

3. An dieser Stelle möchte ich zum letzten Aspekt übergehen. Der Apostel Paulus empfiehlt dem Jünger Timotheus, die ihm durch Handauflegung verliehene Gnade nicht zu vernachlässigen, sondern stets mit Leben zu füllen (vgl. 1 Tim 4,14; 2 Tim 1,6). Wenn das Bischofs- und Priesteramt  nicht mit dem Gebet, dem Hören des Wortes Gottes, der täglichen Messfeier und dem regelmäßigen Empfang des Bußsakramentes genährt werden, so führt dies unweigerlich zum Verlust des authentischen Sinns des Dienstes und der Freude, die der tiefen Einheit mit Jesus entspringt.

4. Ein Bischof, der nicht betet, das Wort Gottes nicht vernimmt, nicht täglich zelebriert und nicht regelmäßig beichtet, und ebenso ein Priester, der dies nicht tut, verlieren auf lange Sicht die Einheit mit Jesus und fallen einer Mittelmäßigkeit zum Opfer, die der Kirche nicht gut tut. Daher müssen wir den Bischöfen und Priestern dabei helfen zu beten, das Wort Gottes zu hören, das die tägliche Speise ist, täglich die heilige Messe zu feiern und regelmäßig zur Beichte zu gehen. Das ist insofern von großer Bedeutung, als es der Heiligung der Bischöfe und der Priester dient.

5. Ich möchte diese Ausführungen mit einer spontanen Reflexion beschließen: Was muss man tun, um Priester zu werden? Wo werden die Berechtigungskarten dafür verkauft? Nein, diese sind nicht käuflich. Den Ausgangspunkt bildet der Ruf des Herrn. Er ruft einen jeden, von dem er will, dass er Priester wird. Vielleicht befinden sich unter uns einige junge Menschen, die diesen Ruf in ihrem Herzen verspürt haben: den Wunsch, Priester zu werden; den Wunsch, anderen in den von Gott kommenden Dingen zu dienen; den Wunsch, das gesamte Leben im Dienst zu stehen um zu lehren, zu taufen, zu vergeben, die Eucharistie zu feiern, sich um Kranke zu kümmern… und das ganze Leben ist so. Wenn einer von euch diesen Wunsch im Herzen verspürt hat, so hat Jesus ihn hineingelegt. Setzt euch für diese Einladung ein und betet, auf dass sie wachse und der ganzen Kirche ihre Frucht schenke.

[Aus dem Italienischen übersetzt von Sarah Fleissner]