Eine Messe, die Mut beweist

Ein Glaubenszeugnis in einer bombardierten Stadt

Wien, (KIN Ös) | 286 klicks

Mehr als 2000 Menschen in Nordnigeria haben ihr Leben riskiert, als sie am vergangenen Sonntag (16. März) die Messe besuchten, während ihre Stadt bombardiert wurde.  Pater John Bakeni, der Priester, der die Messe gefeiert hat, beschrieb die St. Patricks-Kathedrale von Maiduguri als „ganz voll“ und berichtete, dass Messbesucher ihm hinterher gesagt hätten, sie hätten es vorgezogen, „in der Kirche zu sterben als woanders“, wenn die Angriffe sich verschlimmert hätten. 

Die Sonntagsmesse fand statt, nachdem mutmaßliche Extremisten der Boko Haram eine ihrer schwersten bewaffneten Aktionen der vergangenen Monate begonnen hatten, wobei sie raketenbetriebene Granaten abfeuerten und einen massiven Angriff auf eine Kaserne verübten.  Bei den Angriffen, die vom nigerianischen Militär abgewehrt wurden, seien Hunderte Menschen ums Leben gekommen. Es bestehe wachsende Besorgnis darüber, ob das nigerianische Militär in der Lage sei, die Extremisten aufzuhalten.

In einem Gespräch mit dem katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“, sagte Pater John Bakeni am Montag (17. März): „Gestern früh gab es viele Bombenexplosionen, aber das schien die Leute nicht davon abzuhalten, zur Kirche zu kommen. Es erfüllte mich mit Demut und erbaute mich,  diese vielen Menschen in der Messe zu sehen. Die Kirche war ganz voll. Als die Predigt an der Reihe war, sagte ich ihnen, es sei nicht notwendig zu predigen. Ich sagte ihnen: Eure so zahlreiche Anwesenheit ist selbst eine Predigt.“

Der Priester bat „Kirche in Not“ darum, die Menschen in aller Welt zum Gebet für das nigerianische Volk aufzurufen. „Bitte beten Sie, dass diese Gewalt aufhört!“  In einer früheren an das Hilfswerk gerichteten Nachricht hatte er beschrieben, wie die Angriffe am vergangenen Freitag (14. März) in der Frühe anfingen. „Uns empfing der ohrenbetäubende Lärm von Bombenexplosionen, raketenbetriebenen Granaten und Schüssen. Überall Verwirrung und ein Höllenlärm.“ Hunderte Rebellen, die in Militäruniformen gekleidet gewesen seien,  hätten die Kaserne von Maiduguri überfallen. Es sei ihnen gelungen, dort inhaftierte Mitkämpfer zu befreien. Weitere  Angriffe hätten in Wohnvierteln und auf dem Gelände einer Universität statt gefunden. Bei letzterem handele es sich um einen Übergriff, der für Boko Haram „typisch“ sei, denn der Name bedeute wörtlich übersetzt: „westliche Erziehung ist verboten“. Boko Haram habe die nigerianische Regierung, die Bildungseinrichtungen und die Kirche sowie die moderaten Muslime zu ihren Feinden erklärt.

Bei Zusammenstößen mit dem Militär, die mehr als vier Stunden gedauert haben, seien 200 Aufständische getötet worden sein, als die nigerianische Armee mit einer massiven Aktion versuchte, sie zurückzuschlagen. Aber sowohl gestern als auch vorgestern hätten sich nach Angaben von Pater Bakeni und anderen Zeugen die feindlichen Kräfte wieder gruppiert und hätten weitere Angriffe verübt, wobei sich die Besorgnis mehre, dass Maiduguri an die Extremisten fallen könne. 

Es habe Berichte über ein „stillschweigendes Einverständnis“ zwischen den Extremisten und manchen Angehörigen des nigerianischen Militärs gegeben, die, wie behauptet wird, erkläre, warum die Armee es nicht geschafft habe, den Feind zu besiegen.

Pater Bakeni sagte: „Wir leben jetzt alle in Angst. Wir schauen auf zu Gott und rechnen mit Ihren Gebeten“. Die nigerianische Armee tue, was sie könne, es fehle ihr jedoch an modernen Waffen um „diesen Kerlen zu begegnen, die viel besser ausgestattet sind“.  
Er bedankte sich bei „Kirche in Not“ für alle Gebete und die Unterstützung „in dieser Zeit der Prüfung” und fügte hinzu: „Wir spüren die Kraft der Unterstützung durch Menschen hierzulande und aus dem Ausland“.

Die Angriffe in Maiduguri fielen zeitlich zusammen mit Gewaltakten, die in christlichen Dörfern in der Nähe von Kaduna im Norden Nigerias durch muslimische viehzüchtende Nomaden vom Stamm der Fulani verübt wurden. Dabei wurden am Freitagabend (14. März) mindestens 100 Menschen getötet.