Eine neue Perspektive für eine Wirtschaft im Dienst des Menschen

Mikrokredite als Förderung in Entwicklungsländern

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Von Carlo Climati

ROM, 7. November 2011 (ZENIT.org) – „Im Kampf gegen Armut und soziale Ausgrenzung stellen Kleinstkredite eine Hoffnung dar. Eine Hoffnung, in deren Mittelpunkt die Würde des Menschen steht.“

Mit diesen Worten eröffnete der Parlamentsabgeordnete Mario Baccini, Vorsitzender des Nationalinstituts für Mikrokredite, am Donnerstag, 3.November 2011an der Europäischen Universität von Rom, die vom Universitätsrektor Pater Paolo Scarafoni LC moderierteTagung zum Thema „Der Mikrokredit als Entwicklungsfaktor“.

In Entwicklungsländern leben viele Familien von den Erträgen ihrer Kleinbetriebe. Oft haben sie jedoch Schwierigkeiten, einen Bankkredit zu erhalten, und diese Hürde wiederum verhindert die Entwicklung und das Wachstum ihres Gewerbes.

Die Förderprogramme für Kleinstkredite haben in den vergangenen Jahren zu einer Lösung des Problems beigetragen, indem sie den Zugang zu finanziellen Dienstleistungen auch den Menschen ermöglicht haben, die in Armut leben und von sozialer Ausgrenzung betroffen sind.

In ihrem Einführungsbeitrag erklärte Prof. Matilde Bini, Vorsitzende des Bereichs Wirtschaftswissenschaften der Europäischen Universität von Rom, Mikrokredite bestünden aus „kleinen Krediten, die nicht von Banken vergeben und trotz Mangel an Geldrücklagen oder anderer Sicherheiten bereitgestellt werden. Dies sind Darlehen für die Letzten der Welt. Gemäß des gängigsten Kreditmodells wird ein Kredit an eine Gruppe von Kreditnehmern vergeben, die gemeinsam die Verpflichtung zur Rückzahlung eingehen: Sie sind füreinander verantwortlich und bürgen füreinander, noch vor der Verpflichtung gegenüber dem kreditgebenden Institut. Die Aussicht auf einen Folgekredit hängt vom Erfolg ihres Unternehmensprojekts und von der Rückzahlung des Darlehens aller Kreditnehmer ab. Im Wesentlichen basiert das Modell auf Vertrauen, Freiheit und Verantwortung des Einzelnen. Im Zentrum des Modells befindet sich der Mensch, der als solcher und nicht als Individuum in grundlegender Weise in Beziehung zu den anderen steht. Es handelt sich um eine neue Perspektive für eine Wirtschaft im Dienste des Menschen.“

Prof. Fulvio Milano, Dozent für Unternehmensfinanzierung an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Europäischen Universität von Rom, erläuterte, Mikrokredite würden „von spezialisierten Finanzdienstleistern vergeben, die in den jeweiligen Entwicklungsländern ansässig sind und von Industriestaaten unterstützt werden. Sie tragen dazu bei, persönliche Situationen, die gemäß der traditionellen Bankkriterien nicht bankfähig sind, ‚bankfähig’ zu machen.“

Ferner Prof. Milano erinnerte daran, dass „die konkreten Ergebnisse dieser Projekte sehr zufriedenstellend sind, denn die Rückzahlungsquote ist sehr hoch, sie liegt bei 97 Prozent (mit einer Ausfallquote von nur 3 Prozent, während in Italien die Kreditausfallquote bei 10 Prozent der insgesamt vergebenen Kredite liegt).“

Prof. Daniele Ciravegna, Ordinarius für Wirtschaftspolitik an der Universität Turin, unterstrich, dass die Achtung des Menschen als positives und tugendhaftes Merkmal des Mikrokredits von größter Bedeutung sei und auf grundlegenden Werten, nämlich der Bereitschaft zum Aufnehmen, Zuhören und Beistehen, basiere. Dies sei den vielen qualifizierten ehrenamtlichen Helfern zu verdanken, die so ihre Erfahrung anderen zur Verfügung stellten.

Dr. Pietro Masci, ehemaliger Direktor des Bereichs Mittelmeer- und Balkanstaaten der Europäischen Investitionsbank und ehemaliger Vizedirektor des Bereichs Infrastrukturen und Finanzen der Interamerikanischen Entwicklungsbank (IDB), erklärte, „der Mikrokredit sei als Antwort auf die Nachfrage nach Darlehen von Seiten der Kleinstgewerbetreibenden entstanden, die Initiative, Disziplin und Zahlungsbereitschaft beweisen. Ihre Zahl wird weltweit auf über 90 Millionen geschätzt, doch potentiell könnten es über 2 Milliarden sein. Die Mikrofinanz umfasst nicht nur Kredite, sondern auch weitere Finanzdienstleistungen wie Depots, Spareinlagen und Versicherungen. Insofern spielt die Mikrofinanz eine entscheidende Rolle im Kampf zur Durchbrechung des Teufelskreisesder Armut.“

Die Tagung zum Mikrokredit fand im Rahmen der Aktivitäten zur Ausstellung „Amazonasgebiet - eine andere Sichtweise“ an der Europäischen Universität von Rom statt. Das Ziel der Ausstellung, welche von der gemeinnützigen Organisation „Impegnarsi Serve“  organisiert wurde, ist es, zur Sensibilisierung für Umweltthemen unter interkulturellen Gesichtspunkten beizutragen, ausgehend von den Prinzipien der Solidarität und der ganzheitlichen Entwicklung des Menschen.

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Originals]