Eine Pilgerreise zum Papst in Namen der Verteidigung der Freiheit und des Pluralismus der Medienlandschaft Polens

Ein Interview mit P. Tadeusz Pydzyk CSsR, dem Gründer und Direktor des polnischen Radiosenders Radio Maria [Teil 1]

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ROM, 12. November 2012 (ZENIT.org).- Am 7. November 2012 reisten insgesamt 10.000 Menschen aus ganz Polen in drei Sonderzügen, drei Charterflugzeugen und über 50 Bussen nach Rom, um den Tag mit Papst Benedikt XVI. zu verbringen. Es handelte sich um die Hörer von Radio Maria und die Zuseher des Fernsehsenders TV Twram.

Am Grab des hl. Petrus feierten sie bei der hl. Messe mit, die von Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone, Kardinal Zenon Grocholewski, dem Präfekten der Kongregation für das Katholische Bildungswesen, sowie 14 Bischöfen aus Polen, darunter Msgr. Waclaw Depo, Erzbischof von Częstochowa und Präsident der Kommission für die sozialen Kommunikationsmittel im polnischen Episkopat, zelebriert wurde.

Die polnischen Pilger nahmen an der Generalaudienz des Heiligen Vaters teil und beteten am Petersplatz.

Zur Stärkung ihres Glaubens und um Benedikt XVI. die Nähe des katholischen Landes Polen zu erweisen, begaben sie sich zu den Gräbern der Aposteln. Ebenso wollten sie damit der ganzen Welt die Bedrohung des Medienpluralismus, der Basis der Demokratie, in ihrem Land und die Situation der katholischen Sender vor Augen führen, die aufgrund ihres Widerstandes gegen die Diktatur des “politisch Korrekten” und den vorherrschenden Relativismus Diskriminierung erleiden. 

In Polen existieren Machtgruppen, die besonders Radio Maria und den einzigen katholischen Fernsehsender Polens, TV Trawam, im Visir haben.

Über diese heiklen Fragen führte ZENIT ein Gespräch mit den polnischen Redemptoristen Pater Tadeusz Rydzyk CSsR, dem Gründer und Direktor von Radio Maria in Polen.

ZENIT: Bei der Verbreitung der Botschaft des Evangeliums liegen die katholischen Medien der Kirche besonders am Herzen. Wie ist die Lage der katholischen Medien in Polen?

Pater Rydzyk: Vor vielen Jahren fragte mich Johannes Paul II. in einem Gespräch nach der Möglichkeit, einen katholischen Fernsehsender zu gründen.  Als einer der Anwesenden auf die Existenz einer kleinen katholischen Fernsehstation der Franziskaner hinwies (deren Betrieb nach wenigen Jahren leider eingestellt werden musste), gab ich darauf folgende Antwort: “Diese Tatsache ist sehr erfreulich, doch es wäre erstrebenswert, wenn der Prozentsatz der polnischen Medien und der Prozentsatz der Polen sowie der Prozentsatz der katholischen Medien und der Prozentsatz der Katholiken  jeweils übereinstimmen würden”.

ZENIT: Wollen Sie damit sagen, dass die polnischsprachigen Medien ausländischer Kontrolle unterliegen und der Prozentsatz der katholischen Medien gering ist?

Pater Rydzyk: Ja, ganz genau. In der Medienlandschaft Polens ist der Anteil der katholischen Medien, und ganz allgemein der unabhängigen Medien, äußerst gering. Dies wurde während des Kommunismus offensichtlich, als das ganze Leben den Regeln und der Kontrolle des Regimes unterlag. Mit der Entstehung der unabhängigen Gewerkschaft “Solidarność” blickte man einer Ausbreitung der katholischen Medien entgegen und erhoffte sich die Freiheit, die hl. Messe über das Radio zu übertragen.   

ZENIT: Mit dem Putsch des Generals Jaruzeski im Jahr 1981 wurde all diesen Hoffnungen aber ein Ende gesetzt …

Pater Rydzyk:  Während des Kriegszustandes bis zum Jahr 1989 erfuhr die Demokratie einen Stillstand. Mit dem Fall der Berliner Mauer wurde ein Pakt zwischen der Regierung und dem Episkopat geschlossen. Ab diesem Zeitpunkt durfte jede Diözese ihre eigene Radiostation einrichten. Die Bischöfe lieferten ihre Radiofrequenzen. So kam es zur Gründung und zur Verbreitung von Radio Maria.

ZENIT: Welche Herausforderungen stellen sich den katholischen Medien?

Pater Rydzyk: Das Gespräch über die Medien darf sich nicht in den Fragen der Technik und der Instrumente erschöpfen. An oberster Stelle müssen die Journalisten stehen.  In der Zeit des Kommunismus wurde Studenten eine Bildung im marxistischen Geist zuteil. Leider hat sich zum marxistischen heute das radikalliberale Modell hinzugesellt. Um den katholischen Medien zur Verbreitung zu verhelfen, musste man bei der Journalistenausbildung in den katholischen Schulen und Universitäten ansetzen.

 Die Lage der katholischen Kommunikationsmittel kann im Allgemeinen als schwierig eingestuft werden.  Die vor 86 Jahren gegründete Wochenzeitschrift “Nidziela” (Sonntag)  wurde beispielsweise zwei Mal geschlossen; zum ersten Mal im Jahre 1930 während des Zweiten Weltkiregs; später wurde ihre Produktion in den 1950er Jahren von der kommunistischen Führung für insgesamt 26 Jahre lang eingestellt. In den 1980er Jahren erlebte sie dank der Initiative von Msgr. Ireneusz Skubis einen Aufschwung und entwickelte sich zu einer der am weitesten verbreiteten katholischen Wochenzeitschriften Polens.

Trotz der wirtschaftlichen Probleme hat “Nidziela” den Kampf nicht aufgegeben. Aus den radikalliberalen Kreisen fließen große Investitionssummen in die Medien. Die Kirche verfügt über keine derartigen Gelder, obwohl sie ständig mit dem Vorwurf konfrontiert wird, so reich zu sein. Dies entspricht aber keineswegs den Tatsachen.

Ferner ist der Erhalt von Arbeitsbewilligungen und –konzessionen kompliziert. Im Vergleich dazu kann die Bewilligung zur Veröffentlichung von Zeitschriften und Büchern relativ problemlos eingeholt werden. Im Falle des Radios und des Fernsehens stellen ideologische Barrieren ein Hindernis dar. Die Herrschenden in Polen wäre dazu bereit, uns diese Genehmigungen zu  erteilen, wenn wir ein “politisch korrekteres” Verhalten an den Tag legen, d.h. uns ihrem Kulturmodell unterwerfen würden. Unsere Zustimmung zu dieser Form der Erpressung käme aber einer Einschränkung unserer Möglichkeit der Evangelisierung gleich. Die katholischen Medien müssen unabhängig von jeglichem politisch-finanziellen Machtsystem und von den imperialistischen Mächten dieser Welt sein.

ZENIT: Die von ihnen gegründeten Medien Radio Maria und TV Trwam bezahlen einen hohen Preis für ihre Unabhängigkeit …

Pater Rydzyk: In der Anfangszeit, 1991, erhielt Radio Maria nur von zwei kleinen Stationen eine Übertragungserlaubnis. Dann entstand in der Zivilgesellschaft ein enormer Druck. Millionen Menschen und verschiedene Organisationen zeigten öffentlich ihre Solidarität mit uns. So wurde Radio Maria die Übertragungslizenz für das gesamte Land erteilt. Vergleicht man uns jedoch mit der Macht, über die private Sender verfügen, sind wir benachteiligt. Wir erreichen zwar das gesamte Land, aber nicht im Stereomodus, wie das bei anderern Sendern der Fall ist.  Selbst die Anerkennung unserer Diskriminierung und Ungleichbehandlung durch den Oberste Kontrollgerichtshof (NIK) und das Parlament hat zu keiner Änderung geführt.

Da Radio Maria existiert und Widerstand leistet, versucht man uns wirtschaftlich zu schädigen. Das geschah schon mit TV Trwam. Gewisse Machtgruppen wollten den katholischen Sender  von jener digitalen Plattform ausschließen, die den polnischen Haushalten ab dem nächsten Jahr einen kostenlosen Zugang zu mehreren Fernsehsendern ermöglichen wird. Wir erhielten keine einzige Verbindung, während einer Gruppe 13 und einer weiteren 2 Plätze zugeteilt wurden.   Ferner erhielten Sender die Lizenz, ohne die Kriterien dafür zu erfüllen.

[Der Zweite Teil des Interviews wird am Dienstag, dem 13. November, veröffentlicht]

[Übersetzung des italienischen Originals von Sarah Fleissner]