Eine Pilgerreise zum Papst in Namen der Verteidigung der Freiheit und des Pluralismus der Medienlandschaft Polens

Ein Interview mit P. Tadeusz Pydzyk CSsR, dem Gründer und Direktor des polnischen Radiosenders Radio Maria [Teil 2]

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ROM, 13. November 2012 (ZENIT.org). ‑ Am 7. November 2012 reisten insgesamt 5000 Menschen aus ganz Polen in drei Sonderzügen, drei Charterflugzeugen und über 50 Bussen nach Rom, um den Tag mit Papst Benedikt XVI. zu verbringen. Es handelte sich um die Hörer von Radio Maria und die Zuseher des Fernsehsenders TV Twram.

Zur Stärkung ihres Glaubens und um Benedikt XVI. die Nähe des katholischen Landes Polen zu erweisen, begaben sie sich zu den Gräbern der Apostel. Ebenso wollten sie damit der ganzen Welt die Bedrohung des Medienpluralismus in der derzeitigen Debatte um den katholischen Fernsehsender, vor Augen führen, die aufgrund ihres Widerstandes gegen die Diktatur des „politisch Korrekten“ und den vorherrschenden Relativismus Diskriminierung erleiden. 

In Polen existieren Interessengruppen, die besonders Radio Maria und den einzigen katholischen Fernsehsender Polens, TV Trawam, im Visir haben.

Über diese heiklen Fragen führte ZENIT ein Gespräch mit den polnischen Redemptoristen Pater Tadeusz Rydzyk CSsR, dem Gründer und Leiter von Radio Maria in Polen.

[Den 1. Teil des Interview finden Sie hier]

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ZENIT: Seit Jahren beklagt Benedikt XVI. die Christianophobie in Europa. Dieses Phänomen ist von größerer Perfidität als die physische Form der Verfolgung. Dazu hatte der Papst in seiner Botschaft zum Weltfriedenstag 2011 folgenden Wunsch formuliert: „Ich drücke auch meine Hoffnung aus, dass im Westen und ganz besonders in Europa jene Feindseligkeiten und Vorurteile gegen Christen aufhören, die auf deren Bestreben beruhen, ihr eigenes Leben nach den Werten und den Grundsätzen des Evangeliums auszurichten.“

Pater Rydzyk: Das Problem besteht darin, dass man bei uns glaubt, der Kommunismus als System sei zu Ende. In Wahrheit wurde er nur in eine andere Gestalt verkehrt. Zwar will heute niemand mehr als Kommunist bezeichnet werden, doch die vorherrschende Ideologie ist nach wie vor gekennzeichnet durch die Distanz von Gott, und allzu oft eine ablehnende Haltung gegenüber Gott und der Kirche.

ZENIT: Die Kommunisten Polens haben gleichsam eine „Gattopardo“[1]-Operation ausgeführt; ganz nach dem Motto: „Damit alles so bleibt, wie es ist, ist es nötig, dass sich alles ändert…“

Pater Rydzyk: Das ist richtig. Mittlerweile ist die physische Verfolgungen durch andere Formen der Diskriminierung abgelöst worden. So hat das Parlament die Anhebung der Gebühr für die Sendelizenz bis auf 26 Mio. Euro und eine weitere jährliche Gebühr von 10 Mio. Euro für die Frequenzen beschlossen. Für diese enormen Summen werden wir nicht aufkommen können. Dieser freiheitsfeindliche Gesetzesentwurf wurde vom Präsidenten tatsächlich unterschrieben. Noch mehr Grund zur Beunruhigung gibt die Tatsache, dass die Regierung Fall für Fall eine Erhöhung oder Verminderung dieser Gebühren beschließen kann. Unter dieser Voraussetzung kann eine Bevorzugung oder Diskriminierung von Sendern durch die machthabenden Politiker stattfinden. Als katholische Herausgeber werden wir, wenn wir der Lehre der Kirche etwa in Bezug auf die Verteidigung des entstehenden Lebens folgen, schief beäugt und diskriminiert. Dasselbe gilt für die Soziallehre der Kirche. Unsere Kritik am Utilitarismus, an der Auflösung des nationalen Gesundheitssystems, wodurch das Recht auf die Pflege der eigenen Gesundheit der Bürger praktisch ausgehöhlt wird, macht uns unbequem und zur Zielscheibe von Diskriminierung. Doch wir geben uns nicht geschlagen. Nach der Lehre der Pastoralinstruktion „Aetatis novae“ des Päpstlichen Rates für die Sozialen Kommunikationsmittel benötigt die Kirche ihre Medien, damit all jene eine Stimme erhalten, die sonst stumm bleiben würden. Leider haben jene Menschen, die nach der Wahrheit suchen und diese verkünden wollen, in unserer Zeit oft keine Stimme.

ZENIT: Ich möchte nun einen heiklen Punkt ansprechen: Es wird die Position vertreten, wonach die Unterstützung für Radio Maria und TV Trwam nicht von allen Mitgliedern der polnischen Bischofskonferenz mitgetragen werde. Entspricht dies der Wahrheit?

Pater Rydzyk: Unsere große Stärke sind Gott und die Menschen; die Millionen Hörer und Zuseher. Darüber hinaus erhalten wir viel Hilfe und Ermutigung vom polnischen Episkopat. Dieser hat insgesamt drei Mal einstimmig die Forderung gestellt, unserem Sender einen Platz auf der digitalen Plattform einzuräumen. Sowohl Radio Maria als auch TV Trwam hat der Episkopat mehrmals seinen Dank für die jeweilige Arbeit erwiesen und sein Wohlwollen für unser Bemühen um die Evangelisierung zum Ausdruck gebracht. Ich erinnere mich an einen früheren Versuch der Regierung, uns zugrunde zu richten. Unser Ende schien nahe. In dieser dramatischen Situation nahmen sich die im Kloster von Jasna Gora in Czestochowa vereinten Bischöfe unserer Verteidigung an und dankten Radio Maria für dessen Bedeutung für die Evangelisierung Polens. Johannes Paul II. war uns stets eine große Stütze. Ohne seine Hilfe würde Radio Maria jetzt nicht mehr existieren. Heute spüren wir auch die Nähe Benedikts XVI., der uns anlässlich des 20-Jahr-Jubiläums von Radio Maria eine Botschaft der Anerkennung und Ermutigung überbracht hat.

Vor Kurzem hat Kardinal Stanislaw Dziwisz während der Feier der hl. Messe für die Familie von Radio Maria in der Pfarrkirche von Radziszowice folgende Worte gesprochen: „Wir bedauern, dass die großen kirchlichen Ereignisse nicht in den öffentlichen Medien übertragen werden, doch zum Glück haben wir Radio Maria und TV Trwam. Dafür möchte ich ihnen danken. Ich hoffe, dass ihnen die nötigen Genehmigungen erteilt werden. Die Tatsache, dass mit Hilfe von Dekreten Andersdenkende zum Schweigen gebracht werden, ist unfassbar. Die Rechte der Gesellschaft, der Millionen Menschen, die das Publikum von Radio Maria und TV Trwam bilden, dürfen nicht untergraben werden. Das ist meine Auffassung und hoffentlich auch die Auffassung vieler anderer.“

Ich möchte darauf hinweisen, dass Radio Maria in unserer Welt, in der Medienpluralismus und Meinungsfreiheit zentrale Forderungen sind, einzig und allein für den Dienst an der Kirche und die Verbreitung der kirchlichen Lehre existieren möchte.

ZENIT: Am 7. November 2012 werden Sie gemeinsam mit fünf Millionen Menschen in Rom sein. Welches Ziel verfolgt die Familie von Radio Maria mit ihrer Pilgerreise in den Vatikan?

Pater Rydzyk: Unsere Pilgerreise nach Rom „Ad limina apostolorum” unternehmen wir zur Bekenntnis unseres Glaubens vor dem Heiligen Vater Benedikt XVI., dem Petrus unserer Zeit. Wir werden wenige Tausende sein, aber sehr viele weitere Menschen werden unsere Pilgerreise, die hl. Messe im Petersdom und die Audienz Benedikts XVI. über Radio Maria und TV Trwam mitverfolgen. Wir werden darum beten, dass Gott uns allen, unseren Lieben, ganz Polen und der ganzen Welt einen lebendigen, wahren Glauben schenke.

[Übersetzung des italienischen Originals von Sarah Fleissner]

[1] Anspielung auf eine Mentalität, die in dem 1959 erschienenen Roman „Il Gattopardo“ (deutsche Übersetzung von 2004: „Der Gattopardo“) des italienischen Schriftstellers und Literaturwissenschaftlers Giuseppe Tomasi di Lampedusa zum Ausdruck kommt. Tancredi, der Neffe des Fürsten, beteiligt sich an dem Aufstand Garibaldis von 1860 im Glauben, dass auf diese Weise die Vorherrschaft seiner Klasse bewahrt werden könne.