Eine reiche Kirche ist eine alternde Kirche

Das Evangelium werde umsonst verkündet, so der Papst in seiner heutigen Predigt

Vatikanstadt, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 534 klicks

Das Evangelium werde mit einfachen Worten und umsonst verkündet, so der Papst in seiner heutigen Predigt im Gästehaus Santa Marta.

Er fügte hinzu, dass das Zeugnis der Armut in der Kirche davor schütze, nur zu einem einfachen Organisator von Taten zu werden. Wer eine „reiche Kirche“ schaffen wolle, lasse „sie altern“, ohne Leben. An der Messe nahmen Vertreter der Glaubenskongregation teil, die unter anderen von Erzbischof Gerhard Ludwig Müller konzelebriert wurde.

„Steckt nicht Gold, Silber und Kupfermünzen in euren Gürtel.“ Papst Franziskus baute seine Predigt auf der Ermahnung Jesu an die Apostel der heutigen Lesung (Mt 10,7-13) auf, bevor sie ihren Weg zur Verkündung von Gottes Reich antreten. Eine Aufforderung, von der der Herr wolle, sie solle „mit Einfachheit ausgeführt werden“. Diese Einfachheit, „die der Macht des Wortes Gottes Raum lässt“, denn wenn die „Apostel kein Vertrauen in Gottes Wort gehabt hätten, hätten sie vielleicht etwas anderes gemacht“. Der Schlüsselsatz, den Jesu den Aposteln mit auf den Weg gebe, so der Papst, sei: „Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben.“ Alles sei Gnade, fügte er hinzu, „und wenn wir etwas auf eine Art und Weise machen, wo die Gnade etwas beiseite gelassen wird, hat das Evangelium keine Wirkung.“

„Die Predigt des Evangeliums wird aus der Gnade geboren, aus dem Erstaunen über die Rettung, die kommt. Das, was ich umsonst bekommen habe, muss ich auch umsonst weitergeben. Und so waren sie von Anfang an. Der heilige Petrus hatte kein Konto auf der Bank, und als er die Steuern zahlen sollte, schickte der Herr ihn zum Meer, einen Fisch zu fangen, um das Geld im Fisch zu finden, mit dem er bezahlen könne. Philipus hat nicht gedacht, als er den Finanzminister bei der Königin Candace traf: ‚Ah, sehr gut, gründen wir eine Organisation zur Erhaltung des Evangeliums…‘ Nein! Er hat kein ‚Geschäft‘ mit ihm gemacht: Er hat verkündet, hat getauft und ist wieder gegangen.“

Das Reich Gottes, so der Pontifex weiter, „ist ein kostenloses Geschenk.“ Er erläuterte, dass dieses Verhalten seit Beginn christlicher Gemeinden in Versuchung geführt habe. Es gebe „die Verführung, woanders als in etwas Kostenlosem Stärke zu suchen“, jedoch sei „unsere Stärke das kostenlose Evangelium.“ Immer noch, sagte der Papst, gebe es „in der Kirche diese Verführung.“ Der Herr habe uns dazu eingeladen, selbst zu verkünden und nicht zu Anhängern zu werden. Indem er Benedikt XVI. zitierte, unterstrich er, die Kirche „wachse nicht wegen einer Anhängerschaft, sondern wegen ihrer Attraktivität.“ Und diese Attraktivität werde über das Zeugnis derjenigen vermittelt, „die mit der kostenlosen Verkündung die kostenlose Rettung vermitteln.“

„Alles ist Gnade. Alles. Und was sind die Anzeichen, dass ein Apostel auf kostenlose Art und Weise lebt? Es gibt einige, aber ich will nur zwei nennen: erstens, die Armut. Die Verkündung des Evangeliums muss über den Weg der Armut gehen. Das Zeugnis dieser Armut: Ich habe keine Reichtümer; mein Reichtum ist allein das Geschenk, das ich erhalten habe, Gott. Kostenlos, das ist unser Reichtum! Und diese Armut bewahrt uns davor, zu Organisatoren, zu Unternehmern zu werden… Man muss die Werke der Kirche vorantreiben, und einige davon sind sehr komplex; aber mit einem Herzen in Armut, nicht mit einem Herzen in Investition, wie ein Unternehmer, nicht wahr?“

Das zweite Anzeichen sei, fügte Papst Franziskus hinzu, „die Fähigkeit, Lob zu singen: Wenn ein Apostel nicht auf kostenlose Art und Wiese lebt, verliert er die Fähigkeit, dem Herrn Lob zu singen.“ Dem Herrn Lob zu singen sei „vollkommen kostenlos, eine kostenlose Andacht: Bitten wir nicht, lobpreisen wir nur.“

„Dies sind die beiden Anzeichen, die zeigen, ob ein Apostel auf kostenlose Weise lebt: die Armut und die Fähigkeit, dem Herrn Lob zu singen. Und wenn wir Aposteln begegnen, die eine reiche Kirche und eine Kirche ohne ein kostenloses Lobpreisen schaffen wollen, wird die Kirche altern, dann hat die Kirche kein Leben mehr. Bitten wir den Herrn heute um die Gnade, diese kostenlose Weise zu erkennen: ‚Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben.‘ Dieses Geschenk Gottes zu erkennen. Und dass auch wir in diesem Sinne in der Verkündung des Evangeliums voranschreiten mögen.“