Eine Schlüsselfigur in der Geschichte der deutschen Salesianer Don Boscos

Biografie über Pater Dr. Franz Xaver Niedermayer (1882-1969) erschienen

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ROM, 28. November 2009 (ZENIT.org).-Er war ein salesianischer Pionier in mehrfacher Hinsicht: der am 19. Dezember 1882 in Rinding bei Ebersberg geborene Pater Dr. Franz-Xaver Niedermayer. Im Jahre 1900 gehörte er zu den ersten Deutschen, die sich im piemontesischen Penango auf ein Leben in der von Don Bosco gegründeten Ordensgemeinschaft vorbereiteten. 1912 zum Priester geweiht, wurde er 1916 in Würzburg Direktor der ersten salesianischen Niederlassung im heutigen Deutschland. 1922 übernahm er als erster Deutscher die Leitung der Deutsch-(Österreichisch-)Ungarischen Provinz seines Ordens.

1930 setzte er sich erfolgreich für den Kauf des ehemaligen Benediktinerklosters Benediktbeuern durch die Salesianer Don Boscos ein. Bis 1941 blieb er Provinzial und musste miterleben, dass der Nationalsozialismus und der Zweite Weltkrieg das deutsche Don-Bosco-Werk schwer beeinträchtigten. Von 1946 bis 1952 wirkte er als Direktor der größten deutschen Salesianerniederlassung in Benediktbeuern und leistete hier wichtige Aufbauarbeit. Nach einem arbeitsreichen Leben verstarb er am 4. September 1969 in Benediktbeuern und fand seine letzte Ruhestätte im Schatten der Basilika St. Benedikt.

Die österreichische Don-Bosco-Schwester Dr. Maria Maul (45) hat sich in ihrer kirchenhistorischen Dissertation, die an der Philosophisch-Theologischen Hochschule der Salesianer Don Boscos bei Professor Pater Dr. Norbert Wolff entstand, mit der Gestalt Niedermayers beschäftigt. Nun liegt die Frucht ihrer mehrjährigen Arbeit im Druck vor. Der Titel lautet: »Provinzial P. Dr. Franz Xaver Niedermayer SDB (1882-1969) als ,Baumeister' des Don-Bosco-Werkes im deutschen Sprachraum. Ein Beitrag zur salesianischen Ordensgeschichte«. Erschienen ist das 600-seitige Buch im Wagner-Verlag in Linz.

Die Autorin hat in akribischer Kleinarbeit zahlreiche bisher unbekannte Quellen aus kirchlichen, staatlichen und privaten Archiven ausgewertet und nicht einfach nur eine Biografie Niedermayers verfasst, sondern zugleich einen wesentlichen Beitrag zur frühen Geschichte der Salesianer Don Boscos (und der Don-Bosco-Schwestern - Niedermayer holte die Schwestern im Jahre 1928 nach Österreich) im deutschen Sprachraum geliefert. Die Jahre zwischen den beiden Weltkriegen waren eine Zeit beispielloser Expansion für die aus Italien kommende, in der Jugendarbeit und -pastoral tätige Gemeinschaft. Höhepunkt der Entwicklung war sicherlich 1930 die Gründung des Hauses zur Ausbildung des Ordensnachwuchses in Benediktbeuern.

Franz Xaver Niedermayer hat in seinem Leben Spuren hinterlassen: in Deutschland, in Österreich, in Ungarn, in Italien, in den Niederlanden, in Polen, in Skandinavien und sogar in Argentinien. Viele dieser Spuren waren in der Zwischenzeit verschüttet. Es ist das Verdienst Maria Mauls, diese Spuren wieder freigelegt und in einen systematischen Zusammenhang gebracht zu haben. Herausgekommen ist das Bild eines bescheidenen und engagierten Ordensmannes, der bei allen Managementaufgaben immer zugleich Seelsorger und väterliche Gestalt »mit natürlicher Autorität« blieb. Er war, so Maria Maul, »eine geschätzte Gründerpersönlichkeit« mit »leidenschaftlicher Liebe zu Don Bosco und zur Kongregation«.

Ihrem Buch ist eine weite Verbreitung zu wünschen, weil hier zum einen ein beeindruckender Mensch vorgestellt wird, zum anderen der salesianischen Geschichtsschreibung in den deutschsprachigen Ländern neue Perspektiven eröffnet werden.