Eine Stimme inmitten einer Wüste von Desinformation, Lügen und Scheinheiligkeit

Äußerungen von Patriarch Gregorios III Laham von Antiochien im Rahmen einer von Kirche in Not veranstalteten Konferenz

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Von Sergio Mora

ROM, 22. Oktober 2012 (ZENIT.org). ‑ „Ich bin der Patriarch der melkitischen griechisch-katholischen Kirche mit Sitz in Damaskus und Erzbischof auf der ganzen Welt; ich bin sozusagen ein ‚kleiner Papst‘, der in Gemeinschaft mit Rom steht“. Mit diesen Worten stellte sich Gregorios III Lahm, der Patriarch von Antiochien und dem gesamten Orient, in der am 20. Oktober 2012  vom Hilfswerk „Kirche in Not“ organisierten Konferenz vor, die im Saal Pius IX. des Palazzo San Calisto in Trastevere stattfand.

Der Patriarch thematisierte sofort die Versöhnung als wesentlichen Aspekt für Syrien und kündigte die Ankunft einer Delegation der Synode in Syrien zur Sensibilisierung der gesamten Kirche an.

Zur Eröffnung des Vortrags bekreuzigte sich der Präsident der Versammlung der katholischen Hierarchie in Syrien und erklärte dies folgendermaßen: „Ich mache das auch, wenn ich zu Gast bei Muslimen bin. Sie betrachten diese Geste mit Wohlwollen, denn sie laden mich als Katholiken ein.“

Er fuhr folgendermaßen fort: „Wir besitzen eine Identität und stehen nicht gegeneinander. Wir sind Araber, nicht Muslime; Orientalen, aber keine Orthodoxen; Katholiken, aber keine Lateiner. Wir sind eine Kirche ohne Grenzen im Herzen der arabischen Welt, eine Kirche der Araber.“

Zur Syrienreise der Delegation der Bischofssynode, an der unter die Kardinäle Tauran, Mamberti und Dolan teilnehmen werden, äußerte sich Gregorios III Lahm folgendermaßen: „Es ist schön zu sehen, dass dieser Besuch im Namen der vatikanischen Diplomatie, aber auch im Namen der Kirche auf der gesamten Welt erfolgt. Dies zeigt die Tatsache, dass der Vorschlag von den Kardinälen und den Bischöfen gekommen ist. Ich hoffe, dass diese Delegation eine Stimme inmitten einer Wüste von Desinformation, Lüge und Scheinheiligkeit erhebt.“

Dem Patriarchen zufolge sei die Versöhnung keine Parodie, sondern ein Wort, das die Krise der Politik transzendiere. Die amtierende Regierung verfüge über ein Ministerium für die Versöhnung. Dies sei ein Zeichen für den Geist der Offenheit des gequälten Syrien.

Im Rahmen der Pressebeiträge bemerkte ein Journalist, dass Syrien ein Land sei, in dem der Krieg kein Gesicht habe und daher Lüge und  Scheinheiligkeit dort ihre größte Verbreitung fänden.

Der Journalist fuhr fort: „Jemand hat einmal gesagt, dass der islamische Extremismus die Geschichte um tausend Jahre zurückdreht. Wir sind freier als die Muslime; Christen müssen ihre Worte nur mit etwas mehr Bedacht wählen.“

Die Religionsfreiheit bezeichnete der Journalist als „kein Geschenk des Regimes“. Er führte aus: „Bei uns gibt es Religionsfreiheit, Jugend, Prozessionen; dieselben Dinge wie ihr, die bei euch noch besser sind. Man kann problemlos von einer Kirche zur nächsten und auf den Straßen gehen.“

Die Vertreter von „Kirche in Not“ und alle Mitarbeiter in diesem wichtigen humanitären Werk zogen am Ende der Konferenz folgendes Resümee: „Die Versöhnung ist kein einfacher, aber der einzige Weg. Nach dieser Erschütterung hegen wir den Wunsch, dass das empfangene Geschenks des Friedens zu einem Erwachen führen kann.“

[Übersetzung des italienischen Originals von Sarah Fleissner]