Eine Woche leben wie ein Obdachloser - Projekt in Bern

Berner Pfarrer Patrick Schwarzenbach lebte eine Woche auf der Straße

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 483 klicks

Patrick Schwarzenbach, evangelisch-reformierter Pfarrer aus Bern, realisierte in der letzten Woche ein ungewöhnliches Projekt. Eine Gruppe Freiwilliger hatte sich zusammengefunden, die eine Woche als Obdachlose auf der Straße leben wollten. „Mit dem Projekt sollten die Teilnehmer einen Perspektivenwechsel erfahren“, erklärte der 29jährige Pfarrer gegenüber dem Tagesanzeiger.

Tagsüber lebten die Freiwilligen auf der Straße, nachts konnten sie im Kirchgemeindehaus der Berner Friedenskirche schlafen. Während sich die Gruppe zum Abendessen, der Andacht oder zum Übernachten traf, verbrachten die Projektteilnehmer den Tag getrennt voneinander. Einige suchten den Kontakt zu Obdachlosen und Passanten, andere bettelten nur so lange, bis das Geld für das Essen reichte. Die Obdachlosen hätten anfänglich ablehnend reagiert. „Dank vielen guten Gesprächen ist aber das Eis rasch gebrochen“, wie Pfarrer Schwarzenbach in einem Interview mit 20minuten erklärte.

Tief beeindruckt zeigte sich der junge Pfarrer von den Begegnungen und Erlebnissen, die ihm während der Woche widerfahren waren: „Kein Geld, kein Komfort, viele teils erschütternde Begegnungen mit unzähligen Menschen: Ich habe das Dasein als Obdachloser als sehr gefühlsintensiv empfunden. Und: Man kämpft gegen die Langweile, denn Kino liegt nicht drin.“ Beim Betteln hätte er viele verachtende Blicke, aber auch viel Hilfe erhalten. Zusammenfassend stellte Pfarrer Schwarzenbach fest: „Es gibt viel verstecktes Elend: traurige Leute, die den ganzen Tag beim Bahnhof herumstehen. Oder einen Mann aus Ghana, der geflüchtet ist und jetzt trotzdem in der Schweiz nicht Fuß fassen kann.“

Insgesamt ist die Gruppe mit dem Ergebnis zufrieden: Die Berner seien sehr hilfsbereit gewesen. Die erbettelten Beiträge wird die Gruppe spenden.

Pfarrer Schwarzenbach machte bereits 2012 auf sich aufmerksam, als er anlässlich des Gallusjahres von Juni bis August auf den Spuren des Gallus als Eremit im Wald lebte, um „eine Form des Alleinseins (zu) suchen, die heute lebbar ist.“