Eine Zukunft in Frieden für Syrien aufbauen

Papstaudienz für die Teilnehmer des Koordinationstreffens verschiedener katholischer karitativer Einrichtungen

Rom, (ZENIT.org) | 421 klicks

Gestern vormittag um 9.15 Uhr empfing Papst Franziskus die Teilnehmer des Koordinationstreffens verschiedener katholischer karitativer Einrichtungen in der Domus Sanctae Marthae. Anlass des Koordinationstreffen, das vom Päpstlichen Rat „Cor Unum“ unterstützt wird, ist die Krise in Syrien und in den Nachbarstaaten. Papst Franziskus brachte in seiner Ansprache seine Sorge um die Bevölkerung mehrfach zum Ausdruck und forderte, keine Anstrengung in den Friedensbemühungen zu unterlassen. Die Präsens der Teilnehmer des Koordinationstreffens zeige deutlich, ihre Treue und ihren Willen einen Beitrag zur humanitären Hilfe zu leisten.

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Liebe Freunde!

Ich danke Ihnen für diese Zusammenkunft und für alle humanitären Initiativen, die Sie in Syrien und in den Nachbarländern als Hilfe für die Bevölkerung leisten, die Opfer des aktuellen Konflikts geworden ist. Ich selbst habe den Päpstlichen Rat Cor Unum ermutigt, dieses Treffen zu organisieren, um die Tätigkeit der verschiedenen katholischen karitativen Einrichtungen in der Region zu koordinieren. Kardinal Sarah danke ich für seine Begrüßungsworte. Ich heiße besonders jene willkommen, die aus dem Nahen Osten stammen und vor allem die, welche die Kirche in Syrien vertreten.

Die Sorge des Heiligen Stuhls um die Krise in Syrien und insbesondere um die Bevölkerung, die oft wehrlos ist und an den Folgen des Konflikts leidet, ist wohl bekannt. Benedikt XVI. hat wiederholt gefordert, dass die Waffen schweigen und sich eine Lösung im Dialog finden lasse, um zu einer tiefen Versöhnung zwischen den Parteien zu gelangen. Mögen die Waffen doch schweigen! Zudem hat er seine persönliche Anteilnahme im vergangenen November zum Ausdruck gebracht, als er Kardinal Sarah in diese Gebiete schickte und diese Geste mit der Bitte verband, „keine Anstrengung in den Friedensbemühungen zu unterlassen“, wobei er seine konkrete väterliche Fürsorge mit einer Gabe deutlich machte, zu der auch die Synodenväter im Oktober ihren Teil beigetragen haben.

Auch mir persönlich liegt das Los der syrischen Bevölkerung besonders am Herzen. Am Ostersonntag habe ich um Frieden gebeten „vor allem für das geschätzte Land Syrien“" – so sagte ich – „für seine von den Auseinandersetzungen geschlagene Bevölkerung und für die vielen Flüchtlinge, die Hilfe und Trost erwarten. Wie viel Blut ist vergossen worden! Und wie viele Leiden müssen noch auferlegt werden, ehe es gelingt, eine politische Lösung der Krise zu finden?“ (Botschaft Urbi et Orbi, 31. März 2013).

Angesichts der Fortdauer der Gewaltakte und Übergriffe erneuere ich mit Nachdruck meinen Friedensappell. In den letzten Wochen hat die internationale Gemeinschaft die Absicht bekräftigt, konkrete Initiativen zu fördern, um einen fruchtbaren Dialog einzuleiten mit dem Ziel, den Krieg zu beenden. Diese Versuche, von denen man hofft, dass sie zum Frieden führen, sind zu stützen. Die Kirche weiß sich gerufen, ihren bescheidenen, aber konkreten und wirkungsvollen Beitrag zur Nächstenliebe zu leisten, wie sie von Christus, dem barmherzigen Samariter, gelernt hat. Wir wissen, dass dort, wo jemand leidet, Christus gegenwärtig ist. Wir können uns nicht zurückziehen, gerade in diesen Situationen größten Schmerzes! Ihre Anwesenheit an dem Koordinationstreffen zeigt den Willen, mit Treue am wertvollen Werk humanitärer Hilfe in Syrien und in den Nachbarländern, die Flüchtlinge des Krieges aufgenommen haben, mitzuwirken. Ihre Aktion sei eingehend und koordiniert; sie sei Ausdruck jener Gemeinschaft, die selbst Zeugnis ist, wie die kürzliche Bischofssynode zum Nahen Osten nahe gelegt hat. Die internationale Gemeinschaft bitte ich, neben der Bemühung um eine Verhandlungslösung des Konfliktes humanitäre Hilfe für die syrischen Flüchtlinge und Vertriebenen zu fördern, indem sie in erster Linie das Wohl der Person und den Schutz seiner Würde im Auge haben. Für den Heiligen Stuhl ist das Werk der katholischen Hilfsorganisationen äußerst bedeutsam: der syrischen Bevölkerung ungeachtet ihrer ethnischen und religiösen Zugehörigkeit zu helfen, ist der direkteste Weg, einen Beitrag zur Befriedung und zum Aufbau einer Gesellschaft, die für alle ihre Glieder offen ist, zu leisten. Dahin geht auch die Bemühung des Heiligen Stuhls: eine Zukunft in Frieden für Syrien aufzubauen, in der alle frei leben und ihre Besonderheit zum Ausdruck bringen können.

Die Gedanken des Papstes gehen in diesem Moment auch zu den christlichen Gemeinschaften, die in Syrien und im gesamten Nahen Osten leben. Die Kirche unterstützt diese ihre Glieder, die heute besonders in Schwierigkeiten sind. Sie haben die große Aufgabe, das Christentum weiterhin präsent zu halten in der Region, in der es entstanden ist. Und es ist unsere Verpflichtung, das Fortdauern dieses Zeugnisses zu unterstützen. Die Beteiligung der gesamten Christenheit an dieser großen Aufgabe der Unterstützung und der Hilfe ist ein Gebot in dieser Stunde. Und wir denken wirklich alle an Syrien. Wie viele Qualen, wie viel Armut, wie tiefer Schmerz Jesu Christi hier zum Ausdruck kommt: Jesus, der leidet, der bedürftig ist, der aus seiner Heimat verstoßen wird! Es ist Jesus! Das ist ein Geheimnis, aber es ist unser christliches Geheimnis. Betrachten wir den leidenden Jesus in den Einwohnern des geliebten Syriens.

Nochmals danke ich Ihnen für diese Initiative und erbitte jedem von Ihnen den göttlichen Segen. Er komme besonders auf die lieben Gläubigen herab, die in Syrien leben, wie auch auf jene Syrer, die zur Zeit gezwungen sind, aufgrund des Krieges ihre Häuser zu verlassen. An sie alle, die Sie hier anwesend sind, richte ich die Bitte: Seien Sie das Organ, das dem geschätzten syrischen Volk und dem Nahen Osten versichert, dass der Papst sie begleitet und ihnen nahe ist. Die Kirche lässt sie nicht im Stich!

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