Eine zweite Johanna Beretta Molla: Klara Corbella Petrillo

Um ihre Schwangerschaft auszutragen, schob sie die Tumorbehandlung auf und starb in jungen Jahren

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Von Salvatore Cernuzio

ROM, 2. Juli 2012 (ZENIT.org. - Am Samstag vor zwei Wochen, dem 16. Juni, wurde in der römischen Kirche der hl. Francesca Romana das Requiem für Klara (Chiara) Petrillo gefeiert, die nach etwa zweijährigem Leiden ihrer Krebskrankheit erlegen war.

Die Feier, an der etwa 1000 Menschen in der voll besetzten Kirche teilnahmen, mutete überhaupt nicht als eine Trauerfeier an; vielmehr schien man ein großes Fest zu feiern: Es wurde gesungen, Musikinstrumente wurden gespielt und immer wieder wurde geklatscht, zuerst beim Hereintragen des Sarges und zuletzt als dieser herausgetragen wurde.

Klaras Geschichte, von der man im weltweiten Netz erfahren kann, ist keine gewöhnliche. Das über sie in Youtube abrufbare Video wurde bisweilen über 500 Mal am Tag angeklickt.

Klara war eine 28 Jahre junge Römerin, gut aussehend, hatte strahlende Augen und stets ein Lächeln auf den Lippen. Sie starb, weil sie die ärztliche Behandlung aufschob, die für sie hätte lebensrettend sein können. Sie zog es vor, ihr Kind Francesco, auf das sie vom ersten Augenblick ihrer Ehe mit Enrico gewartet hatte, zur Welt zu bringen.

Es war nicht Klaras erste Schwangerschaft gewesen. Die zwei vorangegangenen endeten kurz nach der Geburt mit dem Tod der Kinder, die unter schweren Missbildungen litten.

Klara und Enrico machten Leid, traumatische Erfahrungen und Momente der Mutlosigkeit durch, doch Klara und Enrico blieben so gegenüber dem Leben aufgeschlossen, weswegen nach einer gewissen Zeit eine weitere Schwangerschaft folgte: Francesco.

Diesmal bestätigte der Ultraschall, dass das Kind bei guter Gesundheit war, doch im fünften Monat diagnostizierten die Ärzte eine Anomalie an Klaras Zungengewebe. Nach einer ersten Operation bestätigten sich die schlimmsten Befürchtungen: Es war Krebs.

Seitdem kam es zu einer Reihe von inneren Kämpfen. Doch Klara und ihr Ehemann verloren den Glauben nicht. Sie „schlossen einen Bund“ mit Gott und entschieden sich, noch einmal Ja zum Leben zu sagen.

Ohne zweimal darüber nachzudenken, entschloss sich Klara für die Mutterschaft, verteidigte Francescos Leben und schob ihre Behandlung auf, obwohl sie damit ein großes Risiko einging. Erst nach der Geburt konnte sich die Frau erneut einem chirurgischen Eingriff, der diesmal radikaler sein musste, unterziehen und dann die Chemo- und Bestrahlungstherapie beginnen.

Am 30. Mai 2011 war Francesco, ein schönes, gesundes Kind, zur Welt gekommen; doch Klara war ausgezehrt und verlor sogar auf der rechten Seite das Augenlicht. Nach einem Jahr musste sie sich geschlagen geben. Am Mittwoch, den 13. Juni, gegen die Mittagszeit, erlag sie, umgeben von ihren Familienangehörigen und Freunden, im Kampf gegen den „Drachen“, der sie verfolgte – wie sie den Tumor im Verweis auf die Passage in der Geheimen Offenbarung bezeichnete.

Wie aber in der erwähnten Passage, die nicht zufällig beim Requiem verlesen wurde, auch geschrieben steht, hat eine Frau den Drachen besiegt. Klara hat tatsächlich ihren Kampf auf Erden verloren, doch sie hat das ewige Leben gewonnen und gab allen ein wahres Zeugnis von Heiligkeit.

Als eine zweite „Johanna Beretta Molla“ hat sie der Kardinalvikar von Rom, Agostino Vallini, bezeichnet. Durch seine Anwesenheit wollte er Klara, die er zusammen mit Enrico einige Monate zuvor kennen gelernt hatte, die letzte Ehre erweisen.

Nach den Worten des Purpurträgers „ist das Leben wie ein Knüpfteppich, den wir nur von unten her sehen, von woher alles durcheinander und voller Fäden erscheint, doch manchmal erlaubt uns der Glaube, einen Blick auf den Saum von der oberen Hälfte zu werfen“. Das treffe im Falle von Klara zu: „Sie erteilt uns fürs Leben eine Lehre und spendet Licht – alles Frucht eines wunderbaren göttlichen Plans, der sich zwar unserer Kenntnis entzieht, den es jedoch sicher gibt.“

Er fügte hinzu: „Ich weiß nicht, worauf Gott uns mit dieser Frau vorbereiten will. Es ist aber mit Sicherheit etwas, was uns nicht entgehen darf; übernehmen wir und kümmern wir uns also um dieses Erbe, das uns daran erinnert, jeder alltäglichen Geste, ob klein oder groß, ihren rechten Wert beizumessen“.

P. Vito, ein bekannter, junger Franziskanerpater aus Assisi, der Klara und deren Familie in dieser letzten Phase geistlich beistand, meinte in seiner Predigt: „Heute Morgen erleben wir, das vor zweitausend Jahren der Zenturio erlebte, als er Jesus sterben sah und sagte: ‚Dieser war wahrhaftig Gottes Sohn‘.“

Weiterhin führte er aus, dass „sich mit dem Tod Klaras ein Gebet erfüllt“. Nach den Worten des Minderbruders hatte die junge Frau „nach Bekanntgabe der ärztlichen Diagnose vom 4. April, bei der sie als ‚Kranke im Endstadium‘ bezeichnet wurde, um ein Wunder gebeten: Nicht um eine Heilung, sondern darum, dass sie und die ihr nahestehenden Menschen diese Augenblicke der Krankheit und des Leidens in Frieden leben können“.

„Und wir haben eine Frau sterben sehen, die nicht nur ruhig, sondern glücklich war“, sagte P. Vito sichtlich bewegt. Klara war eine Frau, die ihr ganzes Leben aus Liebe zum Nächsten hingegeben hatte. Ihrem Ehemann Enrico vertraute sie an: „Tief im Inneren will ich eine Heilung vielleicht gar nicht – ein glücklicher Ehemann und ein ruhiges Kind ohne die Mutter üben eine größere Zeugniskraft aus als eine Frau, die über eine Krankheit hinweggekommen ist. Es ist ein Zeugnis, das so viele Menschen retten könnte...“.

Zu dieser Überzeugung gelangte Klara langsam, Schritt für Schritt, wie P. Vito ausführte, „indem sie der Regel folgte, die die Franziskaner in Assisi geloben und die sie so sehr liebte: Kleine Schritte tun, die uns möglich sind.“ Dies sei ein Weg, „um der Angst vor der Vergangenheit und vor den großen Ereignissen der Zukunft Paroli zu bieten. Die Regel lehrt uns, bei den kleinen Dingen anzufangen. Wir können das Wasser nicht in Wein verwandeln, doch wir können sehr wohl damit beginnen, die Krüge zu füllen. Klara glaubte daran, und das half ihr, ein gutes Leben zu leben und darum auch gut zu sterben, eins nach dem anderen“.

Jeder, der an der Zeremonie teilgenommen hatte, verließ das Gotteshaus mit einer Pflanze in der Hand – so war es der Wunsch Klaras gewesen, die bei ihrer Abschiedsmesse keine Blumen wollte, sondern, dass jeder ein Geschenk davontragen solle. Und im Herzen nahm jeder sich ein „Stückchen” dieses Zeugnisses mit, betete und erbat von dieser jungen Frau, die man vielleicht eines Tages die selige Klara Corbella nennen wird, Gnaden.

[Übersetzung des italienischen Originals von P. Thomas Fox LC]