Einfach normal katholisch sein

Augsburger Priester stellen sich hinter Bischof Konrad und dessen Pastoralplanung 2025

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Von Rudolf Gehrig

AUGSBURG, 25. OKtober 2012 (ZENIT.org). - Unter dem Namen „Priester 2025“ [Positionspapier hier] hat sich diese Woche eine Gruppe von Augsburger Priestern zusammengeschlossen. Ziel dieses Zusammenschlusses ist die Vernetzung der Geistlichen untereinander, der gemeinsame Einsatz für die Neuevangelisierung und ein priesterliches Leben und Handeln nach dem Verständnis der Römisch-Katholischen Kirche im Einklang mit dem Papst in Rom und dem Bischof in Augsburg.

Gerade mit letztgenanntem Punkt wird der Unterschied zu den bisherigen Priesterinitiativen deutlich. Im Gegensatz zur österreichischen „Pfarrerinitiative“ oder der erst kürzlich ins Leben gerufenen „Priesterinitiative Augsburg“, kurz „PIA“, ist der Zusammenschluss „Priester 2025“ quasi ein „Aufruf zum Gehorsam“. Auffällig ist dabei, dass hier der Altersdurchschnitt deutlich niedriger als bei der Protestbewegung „PIA“ ist. Zum ersten Treffen kamen ausschließlich Priester im aktiven Dienst, andere sagten aus terminlichen Gründen ab, obwohl sie sich ausdrücklich mit dem Kreis identifizieren.

Diese Vereinigung war schon lange vorbereitet worden und hat sich diese Woche schließlich konstituiert. Allerdings sei „Priester 2025“ keinesfalls als Antwort auf die „Priesterinitiative Augsburg“ zu werten, macht Pfarrer Stephan Spiegel deutlich, der neben Dekan Klaus Bucher und Pfarrer Jürgen Eichler als Sprecher des Priesterkreises fungiert. Die Initiatoren hatten über sechzig Priester des Bistums nach Senden zu einem ersten Treffen eingeladen.

Nach der gemeinsamen Feier der Vesper begrüßte Dekan Bucher die anwesenden Mitbrüder und machte noch einmal das Grundanliegen des Priesterkreises deutlich: Eine Vernetzung von individuellen Persönlichkeiten, deren Liebe zu Christus und zur Kirche der gemeinsame Nenner ist. Der Zusammenschluss sei kein „Fanclub des Bischofs“, aber man wolle zeigen, „dass es nicht nur Priester gibt, die lustvoll am ,Reformstau‘ leiden“. Endlich Farbe zu bekennen seien sie als Priester nicht nur den Gläubigen gegenüber schuldig, „sondern letztlich auch dem lieben Gott.“

Das Stichwort „Pastoralplanung 2025“ sorgt im Bistum Augsburg für heftige Diskussionen. Darin sieht Bischof Konrad Zdarsa vor, auf die rückläufigen Zahlen an Priestern und Gläubigen mit Bildung von Seelsorgseinheiten aus mehreren Pfarrgemeinden zu reagieren, bei der auch Fusionierungen von Pfarreien nicht ausgeschlossen werden. Noch wichtiger ist jedoch sein Aufruf, die Eucharistie wieder mehr in den Mittelpunkt zu stellen. Einer  Notlösung, vermehrt Wortgottesdienste am Sonntag anzubieten, erteilt der Bischof aber eine klare Absage.

Nicht alle Augsburger Priester sind jedoch von diesem Konzept überzeugt. Erst kürzlich trat mit „PIA“ eine Gruppe von Ruhestandspriestern, Krankenhausseelsorgern und einigen Gemeindepriestern an die Presse und forderte eine „Pastoral der Nähe“, sowie eine „Vielfalt an Gottesdienstformen“. Die Initiatoren von „Priester 2025“ sind darüber verärgert. „Die Gläubigen meinen, dass PIA alle Priester repräsentiert“, räsonierte ein Teilnehmer, „aber das tun sie nicht!“ Deswegen sei es wichtig, dem Bischof zu zeigen, dass er nicht alleine sei und Unterstützer hat.

Beim Treffen im „Haus der Begegnung“ in Senden unterstrichen die anwesenden Priester die Bedeutung der Eucharistie. Auch sei „der Pfarrer als Einzelkämpfer“ schon vom biblischen Gesichtspunkt her nicht vorgesehen, da Jesus seine Jünger immer zu zweit aussandte. Dennoch hätten viele Priester den Eindruck, mit ihrer kirchentreuen Linie allein auf weiter Flur zu sein. Ein Bündnis von Gleichgesinnten sei also notwendig, dürfe aber nie zu einer Selbstinszenierung werden. Jesus Christus, der in der Eucharistie gegenwärtig wird, soll immer der Mittelpunkt sein.

Ein konkreter Schritt zur Vernetzung wird beispielsweise die Errichtung einer „Dropbox“ sein, die den Priestern als gemeinsame Informations- und Materialienbörse dienen soll. Hier können sie zum Beispiel Gebetstexte und Vorträge austauschen oder sich bei Neuigkeiten gegenseitig auf dem Laufenden halten. Außerdem will man „den Zusammenhalt im Presbyterium unserer Diözese fördern und sich einander in Krisen beistehen“. Zu wissen, dass man in Schwierigkeiten nicht alleine ist und auf den anderen zählen kann, sei eine „enorme Bestärkung“.

Pfarrer Stephan Spiegel kritisierte den Umgang einiger Mitbrüder mit dem Kirchenrecht und verglich es mit den verschiedenen Maßnahmen gegen Zahnschmerzen: „Ich kann den Zahn einfach ziehen, das heißt, das Kirchenrecht aushebeln, aber ich kann auch eine Wurzelbehandlung vornehmen; die ist vielleicht schmerzhafter, aber effektiver.“ Es sei daher wichtig, auf die individuellen Nöte der Menschen einzugehen, ohne dabei die Lehre Christi aus den Augen zu verlieren. Diese Balance immer zu schaffen sei schwierig, gegenseitige Hilfe und Unterstützung durch „Priester 2025“ daher eine „großartige Sache“.

Am Ende des Tages zeigten sich die Teilnehmer zufrieden. Dass die „Priesterinitiative Augsburg“ mit der Bekanntmachung ihrer Forderungen vorgeprescht ist, sei zu diesem Zeitpunkt zwar „ungünstig“, dennoch spräche die Anzahl der jungen Geistlichen bei „Priester 2025“ eine eigene Sprache und mache Hoffnung für das ganze Bistum. Momentan befänden sie sich zwar noch in der Gründungsphase, „aber wir sind ein offener Kreis. Wenn sich uns noch Priester anschließen wollen, können sie das jederzeit tun.“

Es sind Zeiten des Umbruchs in der Diözese Augsburg, in der viele junge Priestern wieder „back to the roots“ wollen, zurück zu den Wurzeln einer christozentrischen Kirche, die aus der Eucharistie lebt. In Konrad Zdarsa scheinen sie den Bischof gefunden zu haben, der das gleiche Anliegen hat. Mit dem Zusammenschluss „Priester 2025“ haben sie nun in der Öffentlichkeit eine Stimme zu bekommen, worüber sie glücklich seien, denn: „Wir wollen uns nicht dauernd zu Deppen erklären zu lassen“. Und ein anderer fügte hinzu: „Wir wollen einfach normal katholisch sein!“