Einheit mit Gott ist Schwerpunkt der Exerzitien des Papstes

Kardinal aus dem Kongo spricht über seine Meditationen für die Kurie

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ROM, 29. Februar 2012 (ZENIT.org). – Einheit mit Gott, wie sie im ersten Brief des hl. Johannes erklärt wird, ist das zentrale Thema der geistlichen Exerzitien der Fastenzeit, die in dieser Woche im Vatikan stattfinden.

Noch bis Samstag versammeln sich Benedikt XVI. und Mitglieder der römischen Kurie in der Kapelle "Redemptoris Mater" des apostolischen Palastes, um täglich drei Meditationen von Kardinal Laurent Monsengwo Pasinya zu folgen, dem Erzbischof von Kinshasa in der Demokratischen Republik Kongo.

Wie gewöhnlich sind alle Termine des Papstes für diese Woche gestrichen, wie beispielsweise die Audienz am heutigen Mittwoch.

Radio Vatikan zufolge, dem einzigen Medienportal, das für die Berichterstattung der geistlichen Exerzitien autorisiert ist, spricht Kardinal Monsengwo über die Einheit mit Gott, aus der die Kirche „Barmherzigkeit“ und „liebende Führung“ bekomme.

Der Erzbischof aus Kinshasa erklärte in einem Interview mit Alessandro De Carolis von Radio Vatikan, dass „der hl. Johannes der Einheit in der Kirche große Aufmerksamkeit schenkt, sei es die Einheit der Gläubigen mit den Aposteln, der Gläubigen mit Gott oder der Apostel mit Gott.“

„Es ist ein interessantes Thema von ständiger Aktualität, denn mit diesem Thema sprechen wir alle Probleme an, die der frühen Kirche begegneten und die auch uns heute begegnen“, kommentierte der Kardinal.

Bruch

Der kongolesische Erzbischof sprach von einem Bruch der Einheit in der Kirche: ein Bruch der Einheit, der aus einem Glaubensverlust herstamme; ein Bruch der Einheit, der aus fehlender Nächstenliebe komme; ein Bruch mit dem Glauben, weil die Lehren der Apostel nicht beachtet würden.

Diesbezüglich stellte er auch fest: „In den Anfängen der Kirche gab es Menschen, die nicht an Jesus Christus glaubten, ebenso wie es heute Menschen gibt, die nicht an Jesus Christus glauben: Sie glaubten nicht, dass Jesus Christus der Messias ist, sie glaubten nicht, dass Jesus Christus fleischgewordener Gott ist“.

Dann sei der hl. Johannes denen begegnet, die nicht glaubten, dass Jesus gekommen war, und er habe über sie gesagt: „Sie waren unter uns, aber sie sind gegangen.“

Der Kardinal fügte hinzu: „Auch heute haben wir Gemeinschaften, die unter uns waren und dann gegangen sind. All die kleinen Gemeinschaften, die von uns ‚Erweckungskirchen‘ oder Fundamentalisten usw. genannt werden. All dies wird in der Schrift des hl. Johannes bereits angesprochen.“

„Wer aber schließlich über den Glauben an Jesus Christus und die Einheit mit Gott zu sprechen beginnt“, erklärte der Kardinal, „zeigt die Kriterien dafür auf, in Einheit mit Gott zu sein. Daher sind wir heute daran interessiert, diese Haltung wieder zu sehen.“

Auf die Frage, wie die Worte des Briefes des hl. Johannes mit der Thematik der Fastenzeit übereinstimmen, antwortete der Kardinal: „Die Fastenzeit ist praktisch ein Hinausgehen in die Wüste mit Jesus Christus, um Gott näher zu sein. Wo der Herr den Teufel besiegte, müssen auch wir siegen. Wo Israel in der Wüste, vom Teufel besiegt wurde, müssen wir vermeiden, vom Teufel besiegt zu werden. Dies ist die „raison d’etre“ der Fastenzeit, nämlich, dass wir in größerer Einheit mit Gott leben sollen. Einheit mit Gott ist das Herz der Fastenzeit, wie auch der Text des Briefes erklärt: ‚Ihr siegt dank der Weihe durch den Geist, dank des Wortes Gottes, das ihr in der Taufe erhalten habt‘.“

Schließlich antwortete Kardinal Monsengwo auf die Frage über das Motto des Papstes für diese Fastenzeit, in dem er besonders den Aspekt der konkreten Nächstenliebe unterstrichen habe: „Die Forderung des Papstes an uns ist zutiefst real: Wenn man beispielsweise in Afrika ist und die Armut sieht, das Leid dort, die Kriege und all das existierende Chaos, dann kann man nicht vermeiden, an die Nächstenliebe zu denken. Darum können wir die Botschaft des Papstes vorbehaltslos annehmen, weil sie unserer Wirklichkeit entspricht.“

[Übersetzung des italienischen Originals von Jan Bentz]