Einladung Benedikts XVI. zur Erneuerung der Herz-Jesu-Verehrung

Die Gegenwart Christi ist das „Herz der Welt“

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ROM, 2. Juni 2008 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Papst Benedikt XVI. gestern, Sonntag, vor dem Angelus-Gebet gehalten hat.

Der Heilge Vater wies auf die Bedeutung der Herz-Jesu-Verehrung hin, die traditionellerweise im Monat Juni besonders gepflegt wird. 

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Liebe Brüder und Schwestern!

Am heutigen Sonntag, der mit dem Beginn des Monats Juni zusammenfällt, möchte ich daran erinnern, dass dieser Monat traditionellerweise dem Herzen Jesu geweiht ist, einem Symbol des christlichen Glaubens, das sowohl dem Volk als auch den Mystikern und Theologen besonders lieb ist, da es auf einfache und authentische Weise die Frohbotschaft der Liebe ausdrückt und insofern das Geheimnis der Menschwerdung und der Erlösung umfasst.

Am vergangenen Freitag haben wir das Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu gefeiert, das dritte und letzte jener Feste, die nach dem Dreifaltigkeitssonntag und dem Fronleichnamsfest der Osterzeit aufeinander folgen. Diese Aufeinanderfolge lässt uns an eine Bewegung denken, die zum Mittelpunkt strebt: eine Bewegung des Geistes, die Gott selbst lenkt. Denn vom unendlichen Horizont seiner Liebe aus wollte Gott in die Grenzen der Geschichte und der Menschheit eintreten: Er nahm Leib und Seele an, so dass wir das Unendliche im Endlichen betrachten und finden können, das unsichtbare und unaussprechliche Geheimnis des menschlichen Herzens Jesu, des Nazareners. In meiner ersten Enzyklika über das Thema der Liebe war der Ausgangspunkt gerade der Blick auf die durchbohrte Seite Jesu, von dem Johannes in seinem Evangelium spricht (vgl. Joh 19,37; Deus caritas est, 12). Und dieses Zentrum des Glaubens ist auch die Quelle der Hoffnung, in der wir gerettet sind; jener Hoffnung, die ich zum Gegenstand meiner zweiten Enzyklika gemacht habe.

Jeder Mensch benötigt einen „Mittelpunkt“ in seinem Lebens, eine Quelle der Wahrheit und der Güte, aus der er angesichts der sich verändernden Situationen und der Mühen des Alltags schöpfen kann. Wenn man im Schweigen innehält, so verlangt ein jeder von uns, nicht nur den eigenen Herzschlag zu spüren, sondern auch – in einer größeren Tiefe – das Pochen einer verlässlichen Gegenwart, die mit den Gefühlen des Glaubens wahrnehmbar und dennoch sehr viel wirklicher ist: die Gegenwart Christi, des Herzens der Welt. Ich lade daher jeden dazu ein, im Monat Juni seine Verehrung des Herzens Christi zu erneuern und so auch das traditionelle Gebet der Aufopferung zu berücksichtigen sowie die Gebetsanliegen zu beachten, die ich für die ganze Kirche formuliert habe.

Die Liturgie lädt uns dazu ein, neben dem Heiligsten Herzen Jesu auch das Unbefleckte Herz Mariens zu verehren. Auf sie wollen wir uns immer mit großem Vertrauen verlassen. Ich möchte noch einmal um die mütterliche Fürsprache der Jungfrau für die Bevölkerungen von China und Myanmar bitten, die von Naturkatastrophen heimgesucht worden sind, sowie für all jene, die sich in einer der vielen Situationen des Leids, der Krankheit sowie des materiellen und geistlichen Elends befinden, von denen der Weg der Menschheit gezeichnet ist.

[Die Pilger aus den deutschen Sprachraum grüßte der Heilige Vater mit den folgenden Worten:]

Ein frohes „Grüß Gott“ sage ich allen deutschsprachigen Pilgern hier auf dem Petersplatz. Im Angelusgebet betrachten wir das Heilsgeheimnis, dass Gott sich in Maria eine Wohnung bereitet hat. Die Haltung der Mutter Gottes, ihre unerschütterliche Zuversicht auf den göttlichen Beistand bei allem Tun, wollen wir nachahmen. Gottes Segen ruht auf denen, die auf sein Wort bauen und seine Gegenwart mit Leib und Leben in der Welt bezeugen. Der Herr geleite euch auf allen Wegen!

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Orginals; © Copyright 2008 – Libreria Editrice Vaticana]