Einladung zur Hochzeit

Impuls zum 21. Sonntag im Jahreskreis

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Von Msgr. Dr. Peter von Steinitz*

MÜNSTER, 17. August 2012 (ZENIT.org). - In diesen Tagen hören wir in den Lesungen der hl. Messe wieder verschiedene Gleichnisse, die uns auf den unschätzbaren Wert des Himmelreiches hinweisen. Dabei ist eines, das uns besonders nachdenklich machen kann.

„Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem König, der die Hochzeit seines Sohnes vorbereitete“ (Mt 22,1 ff).

Mit diesen ersten Worten ist eigentlich schon Entscheidendes gesagt: der König ist Gottvater, und die Hochzeit seines Sohnes ist die Vereinigung Gottes mit der Menschheit.

Nicht mehr und nicht weniger.

Dies ist der Plan des Schöpfers, die Menschen nicht nur zu erlösen aus ihrer selbst verschuldeten Misere, sondern sie so hoch zu erheben, dass sie auf sein Niveau gelangen.

Es gibt keine Religion, die dem Menschen einen so hohen Grad der Vollendung im Jenseits bereit hält. Aber Gott – so wie ihn Jesus Christus uns geoffenbart hat – tut immer noch ein übriges: er begnügt sich nicht damit, den Menschen auf seine Ebene zu erheben, er will mit ihm ein inniges Verhältnis eingehen, das sich mit menschlichen Worten nur im Bild der Hochzeit ausdrücken kann.

Wie groß!

Aber dann geschieht das Unfassbare, das uns aber gar nicht in seiner Tragweite auffällt, da es sich in fast jedem Menschenleben wiederholt. Der Mensch winkt ab: „Nein, danke“.

So erlebt der Hausherr im Gleichnis, dass die Eingeladenen ganz und gar desinteressiert sind. „Der eine ging auf seinen Acker, der andere in seinen Laden…“, aber es kommt noch schlimmer: „wieder andere fielen über seine Diener her, misshandelten sie und brachten sie um“ (Mt 22,7).

Ich lade Sie ein, sich diese Geschichte illustriert vorzustellen und dabei alles Nähere zu vergessen, was wir von Christus wissen. Ist das Verhalten der Eingeladenen nicht der Gipfel der Schofeligkeit? Man muss ja eine Einladung nicht annehmen, aber dazu nun auch noch den Boten, der die Einladung überbringt, ermorden? Absurdes Theater! Und doch, so haben sich die Menschen fast immer verhalten, im Alten und im Neuen Bund. Was hat man mit den Propheten gemacht? Wie ging und geht man mit der Kirche um?

Dann sagt der König zu seinen Dienern: „Das Hochzeitsmahl ist vorbereitet, aber die Gäste waren es nicht wert, eingeladen zu werden. Geht also hinaus auf die Straßen und ladet alle, die ihr trefft, zur Hochzeit ein.“ So geschieht es, es kommen Gute und Schlechte, denn das Heil wird nunmehr nicht nur den Juden, sondern allen Menschen angeboten.

Aber, und das kann der Hausherr bei all seinen Enttäuschungen wohl erwarten, die Gäste müssen ein Mindestmaß an Vorbereitung mitbringen, sie müssen ein hochzeitliches Gewand tragen. Und hier gibt es scheinbar einen Bruch in der Erzählung: der Hausherr wird zornig, weil einer der Gäste kein hochzeitliches Gewand trägt. Wir könnten fragen: wo soll er das herhaben, wenn er doch gerade auf der Straße aufgelesen worden ist? Die scheinbare Ungerechtigkeit des Königs findet ihre Auflösung in einer Bemerkung, die man bei der seligen Anna Katarina Emmerick nachlesen kann. Bei den orientalischen Hochzeiten der alten Zeit war es üblich, dass jeder Gast beim Betreten des Hauses ein Festgewand zur Verfügung gestellt bekam. Bei dem besagten Mann muss etwas vorgefallen sein, was er tatsächlich selbst zu verantworten hat.

Seien wir ehrlich: was der Herr von den Menschen verlangt, ist tatsächlich nicht zu viel, besonders im Hinblick auf den versprochenen herrlichen Lohn. Es beschränkt sich im Grunde darauf, dass der Mensch doch bitte so gnädig sein möge, die großartige Einladung anzunehmen. Die meisten Christen begnügen sich damit und meinen oft noch, wer weiß wie großzügig zu sein, wenn sie das „geistliche Existenzminimum“ einhalten: Sonntags zur Messe gehen, einmal im Jahr beichten, sich bemühen die Gebote zu halten (die ohnehin zu unserem Nutzen sind) und hin und wieder etwas Gutes tun (was Nichtchristen auch tun).

Wer dann aber das Glück hat, die Liebe Gottes zu begreifen, der kann die Wonnen der geistlichen Hochzeit erfahren, die tatsächlich jedem zugänglich sind. So ist wohl das Wort zu verstehen: „viele sind gerufen, aber nur wenige auserwählt“ (Mt 22,14): freiwillig auf das Angebot Gottes eingehen ist ja das Zeichen der Auserwählung.

Gnade Gottes – Mitwirkung des Menschen.

In der Gestalt Unserer Lieben Frau sehen wir dieses Zusammenspiel vollkommen verwirklicht. Und so wurde sie mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen und zur Königin über alles Geschaffene gekrönt. In Bayern begeht man in diesen Tagen eine marianische Zeit von einem Monat, den „Frauendreißiger“. Das sind die dreißig Tage vom 15. August (Maria Himmelfahrt) bis zum 15. September (Schmerzen Mariens).

Nehmen wir das Beispiel und die Fürbitte Mariens an, denn Marienverehrung ist auch ein Zeichen der Auserwählung.

*Msgr. Dr. Peter von Steinitz, war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den sel. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“ und „Leo - Allah mahabba“. Im katholischen Fernsehsender EWTN ist er montags um 17.30 Uhr mit der wöchentlichen Sendereihe „Schöpfung und Erlösung”, die beiden großen Werke Gottes und die Mitwirkung des Menschen, zu sehen