Einmalig in Russland: Behörden finanzieren Wiederaufbau einer katholischen Kirche in Kazan

„Der Wiederaufbau des katholischen Gotteshauses ist ein Wunder der Muttergottes von Kazan“

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KÖNIGSTEIN, 28. August (KIN/ZENIT.org).- Am morgigen 29. August wird in Kazan, der 750 Kilometer östlich von Moskau gelegenen Hauptstadt der Republik Tatarstan, eine katholische Kirche eingeweiht. Es handelt sich um den bisher einmaligen Fall, dass Regierungsstellen in der russischen Föderation den Wiederaufbau eines in der Sowjetzeit enteigneten katholischen Gotteshauses finanziert haben. Die Innenausstattung der Kirche und des dazugehörenden Pfarrzentrums wurde von dem internationalen katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“ finanziell unterstützt. An der Einweihungsfeier wird auch der ehemalige Kardinalstaatssekretär des Vatikan, Angelo Sodano, teilnehmen.

Das ursprünglich aus dem 19. Jahrhundert stammende Kirchengebäude der katholischen Gemeinde von Kazan war nach der Oktoberrevolution in Staatseigentum übergegangen und zweckentfremdet worden. Da eine Rückgabe des Gebäudes nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Regimes nicht möglich war, hatte sich die Regierung der Republik Tatarstan im Jahre 2004 dazu bereit erklärt, das Gotteshaus  auf Kosten der Stadtverwaltung an anderer Stelle originalgetreu wiederaufbauen zu lassen.

Der zuständige katholische Pfarrer Diogenes Urkiza erklärte gegenüber „Kirche in Not“, es handele sich um einen „einzigartigen Fall der Wiederherstellung der Gerechtigkeit“ und um ein „Wunder“, das er und seine Gläubigen der Muttergottes von Kazan zuschreiben. Die von orthodoxen, aber auch von katholischen Gläubigen als wundertätig verehrte Ikone war in eben diesem Jahr 2004, in dem die Entscheidung zum Bau der Kirche getroffen wurde, von Papst Johannes Paul II. der russisch-orthodoxen Kirche zurückgegeben worden, nachdem das Bild, bei dem es sich um eine Replik des verschollenen aus dem 16. Jahrhunderten stammenden Gnadenbildes handelt, während der Sowjetzeit im Vatikan aufbewahrt worden war. Walter Kardinal Kasper, der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, hatte die Ikone der „Muttergottes von Kazan“, die auch als „Kazanskaya“ weltberühmt geworden ist und die meistverehrte Ikone Russlands ist, damals persönlich nach Russland gebracht.

Peter Humeniuk, der Russlandexperte von „Kirche in Not“, der letztes Jahr Kazan besucht hat und dort sowohl mit der katholischen als auch mit der orthodoxen Kirche enge Kontakte pflegt, erklärte, der Wiederaufbau des katholischen Gotteshauses sei „ein konkretes Zeichen des Entgegenkommens sowohl seitens der Regierungsstellen als auch von Seiten der orthodoxen Kirche“. Es handele sich um einen „erfreulichen Beweis eines gegenseitigen Näherkommens“ sowie um eine „schöne Geste gewissermaßen als Antwort auf die Rückgabe der hochverehrten Ikone“.

Der Wiederaufbau des katholischen Gotteshauses von Kazan wurde auch von dem orthodoxen Erzbischof Anastasij von Kazan und Tatarstan begrüßt. Bei einem Besuch von Walter Kardinal Kasper in Kazan besprachen der Kurienkardinal, der orthodoxe Erzbischof und der katholische Pfarrer gemeinsam das Bauprojekt. Der katholischen Pfarrgemeinde von Kazan gehören rund 500 Katholiken an.

Tatarstan ist eine autonome Republik im Osten des europäischen Russland. Es handelt sich um eine Republik, wo die Angehörigen verschiedener Religionsgemeinschaften und Nationalitäten friedlich zusammenleben und ein offenes ökumenisches Klima herrscht. Die Mehrheit der Bevölkerung bekennt sich zum Islam, Christen bilden hier eine Minderheit.