Einmaliges Zeugnis über Pius XII.

Frau Bonfigli (92) kannte Guido Mendes, den großen jüdischen Freund des Papstes Pacelli

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Von Livio Spinelli

ROM, 4. September 2012 (ZENIT.org). – Zum ersten Mal gibt es Augenzeugenberichte über einige wichtige historische Ereignisse, die in den 30er Jahren in Santa Marinella und Civitavecchia vorgefallen sind.

Die 92- jährige Frau Bonfigli, rüstig und mit einem klaren Erinnerungsvermögen, erzählte in einem Videointerview von einer Reihe von Erlebnissen im Zusammenhang mit Guido Mendes, dem bedeutenden jüdischen Freund und Klassenkameraden des zukünftigen Papstes Pius XII., in der Visconti Schule. Eugenio Pacelli verbrachte mit ihm mehr als einmal den Sabbat.

„Ich liebe Santa Marinella“, erzählt Frau Bonfigli, „es ist eine herrliche Stadt, immer habe ich dort meine Ferien verbracht. Seitdem ich klein war, kam ich aus Caccia Riserva in ein Haus auf der Via Ulpiano, das meinen Eltern von General Guido mieteten. Ich war erst ein kleines Mädchen und trotzdem erinnere ich mich daran, wie mein Vater zum General Mendes ging, um die Miete zu bezahlen. Ich kannte seine Kinder Mario und Maurizio sehr gut, seine Frau Olga Flaschel, die Tante des berühmten Ökonomen Franco Modigliani, zu der Zeit noch ein Junge, der in den Gärten von Caccia und Riserva spielte und wohl niemals erträumt hätte, dass er einmal den Nobelpreis erhalten würde. Ich erinnere mich gut an die Familie Pacelli, die in Santa Marinella in einer Villa in der Nähe des Krankenhauses ‚Bambino Gesù‘ wohnte.“

General Guido Mendes gründete in Zusammenarbeit mit Vladimir Ze’ev Jabotinski, einer der Gründerväter des Staates Israel, 1934 die jüdische Sektion von Betahr in der Schule „Marittima“ in Civitavecchia in der Hafenmole San Teofanio, in die Schüler aus ganz Europa kamen, aus Südafrika und Palästina, und die anfangs in der Villa von General Mendes in Santa Marinella wohnten.

Frau Bonfigli: „Am 1. August 1935 nahm ich mit meinen Eltern an der Segnung des Schiffes „SARA 1“ der jüdischen Matrosen im Hafen von Civitavecchia teil, das vom Großrabbiner von Rom ausgeführt wurde. Es war das erste jüdische Schiff der Welt, auf dem die Fahne mit dem Davidsstern prangte. Die Matrosen fuhren damit bis nach Palästina.“

Nach den später eingesetzten Rassengesetzen gelang General Guido Mendes und seiner Familie die Flucht mit Hilfe seines ehemaligen Klassenkameraden, Eugenio Pacelli, der zu dieser Zeit Staatssekretär des Vatikans war, und zusammen mit Kardinal Eugenio Tisserant eine Flucht in die Schweiz organisierte, von wo aus die Familie Mendes nach Palästina flüchten konnte.

Gleich nach dem Zweiten Weltkrieg wollte Eugenio Pacelli seinen jüdischen Freund Guido wiedersehen und empfing ihn in Audienz, kurz vor der Gründung des Staates Israel. Die ersten Marineoffiziere des jungen Landes wurden alle in der Seefahrtsschule von Civitavecchia ausgebildet. Unter ihnen war Avram Blass, der sehr bekannt wurde. Heute residiert Mendes in Tel Aviv.

Auf dem Friedhof von Civitavecchia sind die sterblichen Überreste von A. Strausberg begraben, der während einer Übung starb. Weitere Informationen über die Seefahrtsschule kann man auf Italienisch im Werk „Il nosto concittadino Eugenio Pacelli – Papa Pio XII.“ („Unser Mitbürger Eugenio Pacelli – Papst Pius XII“ nachlesen, das von der Sparkasse Civitavecchia herausgegeben wird.

[Übersetzung des italienischen Originals von Jan Bentz]