Einsatz eines Stempels zur Austeilung der Asche?

Die Fastenzeit, eine Zeit der persönlichen und gemeinschaftlichen Buße

Rom, (ZENIT.org) Edward McNamara LC | 334 klicks

P. Edward McNamara, Professor für Liturgie am Päpstlichen Athenäum „Regina Apostolorum“ in Rom, beantwortet eine Leserfrage zum Sinn des Aschenkreuzes. 

Frage: In meiner Pfarrei benutzen die Priester und Laien, die am Aschermittwoch das Aschenkreuz verteilen, einen „Stempel“ in der Form eines Jerusalem-Kreuzes. Sie drücken ihn in die Asche und stempeln dann nacheinander die Leute ab, so als ob es darum ginge, so etwas Ähnliches wie ein Brandzeichen zu verabreichen. Besteht der Sinn des Aschermittwochs nicht darin, dass man ein Kreuzzeichen erhält, das mit dem Finger auf die Stirn gemacht wird? Wirkt die Verwendung eines Stempels nicht kalt und wenig fürsorglich gegenüber der versammelten Gemeinde? Darf man das Aschenkreuz so verteilen? -- P.G., New York 

P. Edward McNamara: Außerhalb von den Vereinigten Staaten – und dort nur an einigen Orten –, habe ich von dieser eigenartigen Praxis noch nie etwas gehört und gesehen. In der Tat scheint mir diese mechanische Art der Austeilung des Zeichens vom Sinn abzulenken, der mit dem Auflegen der Asche auf unser Haupt verbunden ist. 

In den Rubriken heißt es, dass der Priester nach der Austeilung der Asche seine Hände wäscht, was logischerweise bedeutet, dass diese – und nicht etwa ein Stempel – physisch mit der Asche in Berührung gekommen sind. 

Historisch gesehen geht die Verwendung von Asche als Zeichen der Buße schon auf das Alte Testament zurück. Selbst Jesus spricht davon, dass es einigen Sündern gut anstehen würde, wenn sie in Sack und Asche Buße täten (Mt 11,21). Tertullian sowie die heiligen Cyprian, Ambrosius, Hieronymus, Augustinus und viele weitere Kirchenväter erwähnen häufig diese Praxis, vor allem im Zusammenhang mit dem Anfang einer Phase öffentlicher Buße für schwere Sünden. 

Neben der relativ geringen Anzahl von öffentlichen Büßern gab es auch viele fromme Christen, die zu Beginn der Fastenzeit zur Beichte gingen, um so während dieser Zeit täglich die hl. Kommunion empfangen zu können. Als Zeichen der Demut baten sie, nach der Beichte mit Asche bestreut zu werden. Im Jahre 1091 empfahl Papst Urban II. diese Praxis sowohl dem Klerus als auch dem Volk. In der Folge erlangte der Ritus, bei dem die Asche gesegnet und ausgeteilt wurde, allgemeine Verbreitung. Im liturgischen Leben der Gläubigen nahm er schnell einen bedeutenden Rang ein. Zunächst fand der Ritus außerhalb der Messfeier statt, doch bald – um das 12. Jahrhundert – wurde er in die Messe integriert. 

Anfangs streute man Männern die Asche auf den Kopf. Frauen wurde mit der Asche ein Kreuzzeichen auf die Stirn gemacht. Dieser Unterschied ergab sich wahrscheinlich durch die einfache Tatsache, dass Frauen in der Kirche ihr Haupt verhüllen mussten. 

Heute wird die Asche je nach Gepflogenheit von Land zu Land auf unterschiedliche Weise ausgeteilt. In den meisten Ländern englischer Sprache wird der Asche Wasser hinzugefügt und ein Teig gebildet, der dann auf die Stirn aufgetragen wird, indem man dabei ein Kreuzzeichen macht. Viele Katholiken lassen das Zeichen des Kreuzes während des Tages stehen, um nach außen hin ihren Glauben zu bezeugen. 

In den meisten Teilen Italiens und anderen Ländern romanischer Sprache fügt man der Asche kein Wasser hinzu. Sie wird dort ausgeteilt, indem man über dem Scheitel des Kopfes ein Kreuzzeichen macht und dabei die Asche aufs Haupt fallen lässt. Diese Art der Austeilung hat den Vorteil, dass sie die gedankliche Verbindung zwischen Asche und Staub besser zum Ausdruck bringt, doch hinterlässt sie – außer bei Männern ohne Haupthaar – kein sichtbares, den Tag überdauerndes Zeichen. 

Die Verwendung eines Stempels, wie unser Leser erwähnt hat, ist scheinbar darauf zurückzuführen, dass man ein für den Tag bleibendes Zeichen hinterlassen möchte, doch ist dies nur ein beiläufiger – wenn auch positiver – Aspekt. Es besteht in jedem Fall die Gefahr, dass dieses Vorgehen vom Wesentlichen der rituellen Gebärde ablenkt – dem Empfang der Asche als Zeichen persönlicher Buße und Umkehr. 

Im Nachfolge-Artikel zu diesem Thema heißt es wie folgt: 

Ein Leser stellte diese Frage: „In Ihrem Artikel erwähnen Sie, dass der Priester nach der Austeilung der Asche seine Hände wäscht. Bedeutet das, dass Laien dem Priester bei der Verteilung der Asche nicht zu Hilfe kommen sollten? Für gewöhnlich helfen bei uns dabei etwa vier bis sechs Laien dem Priester aus. Ich hoffe, das ist nicht verboten.“ 

Die Rubrik über das Waschen der Hände habe ich erwähnt, um zu unterstreichen, dass derjenige, der sie austeilt, die Asche physisch berühren sollte. Die Austeilung der Asche ist nicht Priestern und Diakonen vorbehalten. Laiengläubige dürfen dabei helfen, sofern es notwendig ist. 

Ein weiterer Leser stellte eine Frage in Bezug auf eine Vorgehensweise in einer deutschen Pfarrei. Er schrieb: „Ist es korrekt, die Messe vom Aschermittwoch – einschließlich der Austeilung der Asche – auf den ersten Fastensonntag zu verlegen, wie es unser Priester hier tut? Da er damit vor drei oder vier Jahren begonnen hat, fühlen viele Menschen sich nicht mehr dazu verpflichtet, am Aschermittwoch zur Messe zu gehen – an Fasten und Abstinenz denkt man schon gar nicht mehr!“ 

In den meisten Ostkirchen beginnt die Fastenzeit früher als im römischen Ritus am Sonntag vor Aschermittwoch, der Aschermittwoch selbst wird nicht feierlich begangen. Es ist einem Priester lateinischen Ritus allerdings nicht erlaubt, den Aschermittwoch auf den folgenden Sonntag zu verlegen. Die Liturgie der Fastensonntage darf man nicht verändern, nicht einmal wegen eines Hochfests wie dem der Verkündigung. 

Wahrscheinlich tut es der Priester in guter Absicht, zum Beispiel um den Empfang der Asche einer maximalen Anzahl von Menschen möglich zu machen. Es ist zwar sehr zu empfehlen, dass Katholiken die Asche am Anfang der Fastenzeit innerhalb oder außerhalb der Messe empfangen, doch muss daran erinnert werden, dass diese Praxis für sie nicht verpflichtend ist. Und ein Ritus, dem beizuwohnen niemand verpflichtet ist, braucht nicht verlegt zu werden. 

Diese Praxis könnte auch, wie von unserem Leser erwähnt, die wenig wünschenswerte Folge haben, dass das Fasten und die Abstinenz, die am Aschermittwoch einzuhalten sind, bei den Gläubigen in Vergessenheit geraten und dadurch vielleicht allgemein der Sinn für die Fastenzeit als Bußzeit geschwächt wird. 

Ich würde deshalb unserem Leser vorschlagen, entweder den Priester selbst, oder wenn nötig den Bischof, anzusprechen, damit diese Praxis in Zukunft aufgegeben wird. 

Übersetzt von P. Thomas Fox, LC, aus den englischen Artikeln http://www.zenit.org/en/articles/stamping-the-faithful-with-ashes und http://www.zenit.org/en/articles/why-dates-of-easter-differ