Einsatz, Einsamkeit und die Suche nach der/dem Richtigen: Herausforderungen für Singles

Interview mit Gudrun Kugler, Initiatorin des katholischen Heirats-Portals „KathTreff“

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WIEN, 3. Oktober 2008 (ZENIT.org).- Wer alleine lebt, hat es nicht immer leicht - aber auch die Möglichkeiten für eine sinnvolle Beschäftigung, wenn möglich sogar im Dienst am Nächsten und an der Kirche, sind groß.

Herausforderungen und Chancen für Alleinstehende standen im Mittelpunkt der dritten Tagung katholischer Singles, die vom 19. bis zum 21. September auf Initiative des Heirats-Portals KathTreff und der Paduafahrt in Wien organisiert worden war.

Gudrun Kugler ist Mitbegründern von „KathTreff“, des ersten webbasierten katholischen Heiratsvermittlungs-Instituts im deutschsprachigen Raum, das nach beinahe drei Betriebsjahren über 4.000 registrierte User hat. Im Gespräch mit ZENIT geht sie näher auf die Inhalte der jüngsten Tagung und die Ziele ihres Portals ein.

„Wir müssen den Katholiken die Scheu vor dem Kennenlernen im Internet nehmen“, bekräftigt Kugler, die allerdings auch dazu rät, bei Internet-Kontakten ein wenig Vorsicht walten zu lassen.



ZENIT: Frau Kugler, Sie sind die Leiterin von „KathTreff“, der ersten katholischen Internet-Heiratsvermittlung im deutschsprachigen Raum. Halbjährlich veranstalten Sie gemeinsam mit der „Paduawallfahrt um gute Ehepartner“ eine Tagung für katholische Singles. Die Freiheiten und die Unbekümmertheit des Singledaseins haben sicher ihre schönen Seiten, aber wohl auch ihre schattigen. Könnten Sie uns einen kleinen Einblick in die Freunden, Sorgen und Nöte von Singles heute geben?

Kugler: Viele Alleinstehende fragen sich immer wieder: Hat Gott wirklich einen Plan für mich? Woher weiß ich, dass er mich nicht einfach vergessen hat? Warum finde ich niemanden, obwohl ich es mir so wünsche? Je länger man alleine ist, desto schmerzvoller werden diese Fragen.

Durch unsere Veranstaltungen wollen wir zuerst einmal Glauben und Vertrauen stärken. „Gottes Wege lieben!“ ist deshalb unser Motto. In zweiter Linie wollen wir praktische Tipps geben: Wie erkenne ich eine Berufung? Was erwartet das andere Geschlecht? Was macht attraktiv? Und so weiter. Wenn man einmal verheiratet ist und Kinder hat, dann versteht man, welche Freiheiten und Möglichkeiten im Lebensabschnitt des Single-Seins lagen. Auch das wollen wir den Alleinstehenden mitgeben: Schätze die Zeit, die Du hast – und nütze sie gut.

ZENIT: Wie könnte eine Pastoral für junge und ältere Menschen, die alleine und auf der Suche sind, konkret aussehen?

Kugler: In der Kirche gibt es viele Angebote für Jugendliche und für Familien. Die Alleinstehenden – die ja leider heute viel mehr sind als früher – finden bis jetzt wenig Spezifisches. Sie haben andere Fragen, die aufgegriffen, und andere Möglichkeiten, die geleitet werden wollen. Vielleicht müssen diese Angebote aber aus den eigenen Reihen kommen – Eigeninitiativen, die wir als „KathTreff“ unterstützen, indem wir zum Beispiel auf unserer Webseite einen Single-Kalender eingerichtet haben. Dort kann man andere ermuntern und einladen, für welche gute Initiative auch immer.

ZENIT: Lässt sich der Erfolg von Internet-Plattformen wie der Ihren messen? Wie viele Menschen haben sich in den knapp drei Jahren, die Ihr Dienst nun schon besteht, kennen und lieben gelernt? Erinnern Sie sich diesbezüglich an ergreifende Momente – oder an solche, an die man eher nicht zurückdenken will?

Kugler: Über 4.000 katholische Alleinstehende haben den KathTreff schon benützt. Wir verfügen über keine genauen Zahlen, wie viele sich tatsächlich gefunden haben. Man muss es uns nicht melden, und viele behalten es lieber für sich. Auf unserer Startseite finden sich aber viele, viele anonymisierte Dankesschreiben. Wir bekommen mittlerweile auch schon Geburtsanzeigen.

Natürlich gibt es ebenso viele, die niemanden dort finden, denn eine Partnersuche ist etwas sehr sensibles: Es gibt keine Ansprüche, keine Garantie. Wer sich zuviel erwartet, könnte dann enttäuscht werden. Wir betonen immer wieder: Der KathTreff ist nur ein Hilfsmittel. Gebet, Vertrauen, Eigeninitiative, auf den anderen zugehen, viel unternehmen, sich engagieren: Das sind die Hauptmittel.

ZENIT: Welche Fragen stellen Ihnen Ihre User am meisten, und wie sicher ist es, dass derjenige, mit dem ich in Kontakt trete, tatsächlich auch die Person ist, die mir die Beschreibung suggeriert?

Kugler: Sich „elektronisch“ kennenlernen, birgt immer ein Risiko. Über Geschriebenes kann man ja nicht alles erfahren – auch wenn man zwischen den Zeilen liest. Nicht von ungefähr fragt man: „Kannst Du ihn riechen?“

Wir raten den Teilnehmern des KathTreffs deswegen mit Nachdruck, sich nicht zu schnell zu verlieben, sich am Anfang zurückzuhalten und sich erst nach einem persönlichen Treffen emotional zu vergeben. Trotzdem hat man eine gute Chance: Wichtige Kriterien sind ja schon geklärt: Beide sind praktizierende Katholiken und wünschen sich eine christliche Ehe. So etwas ist ja sonst leider schwer zu finden!

ZENIT: Noch einmal zurück zur letzten Tagung: Was waren die Erkenntnisse dieses Wochenendes?

Kugler: Wir hatten sehr viel Zeit für Fragen, Austausch und Begegnung eingeplant. Als begleitende Priester waren Weihbischof Andreas Laun, P. George Elsbett LC, P. Denis Borel von der Johannesgemeinschaft und Dr. Christian Spalek vom Opus Dei mit dabei.

P. George beschrieb drei „Einsamkeitsfallen“: Stolz, Eitelkeit und Materialismus. Sehr anschaulich beschrieb er die Gefahr, sich selbst zu versperren, indem er sagte: „Wenn ich mich in mich verkrieche, alle Fenster und Türen schließe und nur meinen Schmerz anschaue, wie ich verkannt werde und wie allein ich bin, wie soll dann jemand zu mir durchdringen? Gott sucht nach einem kleinen Loch und ruft in meine Festung hinein: ‚Hallo! Könntest da mal eine Sekunde lang nicht an dich denken?!’“

Dr. Spalek bat eindringlich, Gott nicht falsch zu verstehen, denn wenn er meine Sehnsüchte nicht stille, bedeute das noch lange nicht, dass es ihn nicht gebe. Das heiße dann nur, dass Gott eben anders sei, als ich denke. Sein Hauptanliegen war es, zu echter Freundschaft zu ermutigen. Er betonte, dass in einer Freundschaft „gleiche“ Menschen auf gleicher Augenhöhe und für einander da seien. Es handle sich um eine Personengemeinschaft, und nicht um eine Interessensgemeinschaft, in der das Gegenüber austauschbar wäre. Für Singles seien gerade das „Freundschaftsfähig-Werden“ und das Pflegen von Freundschaften wichtige Elemente.

P. Denis Borel erklärte die Bedeutung des Single-Seins: Unerfüllte Sehnsüchte weisen nach seinen Worten nämlich darauf hin, dass die Welt unsere Sehnsucht nicht stillen kann – egal ob mit oder ohne Ehepartner. Singles bezeugten mit ihrem Leben die Sehnsucht nach der Vereinigung mit dem Schöpfer. Und das sollte sich auch im Dienst an Kirche und Familien zeigen. Dort könnten Singles aufgrund ihrer größeren Verfügbarkeit mit Rat und Tat wirken.

Abschlussreferent Georg Mayr-Melnhof, Gründer der Loretto-Gemeinschaft, hob hervor, dass das Singledasein eine „Zeit der Gnade“ sei. Er appellierte an die Anwesenden: „Die Kirche braucht euch. Übernehmt Verantwortung! Dadurch eröffnen sich neue Horizonte!“ Er meinte, man dürfe nicht raunzen und sich sorgen, sondern man sollte „Feuer unterm Hintern“ haben und die Zeit in die Hand nehmen, nach dem Motto: „Suchet zuerst das Reich Gottes, dann wird euch alles andere dazugegeben" (Mk 6,33).

ZENIT: Was sind nach diesen Erfahrungen Ihre Pläne für die Zukunft?

Kugler: Wir müssen den Katholiken die Scheu vor dem Kennenlernen im Internet nehmen. Als wirksames Hilfsmittel für eine der wichtigsten Entscheidungen unseres Lebens und in einer Gesellschaft, die in vielerlei Hinsicht nicht nach unseren Vorstellungen läuft, ist der KathTreff eine wichtige Option. Wenn er wächst, gibt es mehr christliche Ehen, mehr Hauskirchen, mehr Nester für Kinder, denen als nächste Generation der Glaube anvertraut wird. Wir wünschen uns, dass der KathTreff noch bekannter wird.

Außerdem freuen wir uns auf die nächste Tagung katholischer Singles, die im April stattfinden wird. Genauere Informationen dazu finden sich in Kürze auf unserer Homepage.

[Das Interview führte Dominik Hartig]