Einschränkungen der Religionsfreiheit

Bericht macht auf Schwierigkeiten für Gläubige aufmerksam

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Von John Flynn, LC

ROM, Dienstag, 6. September 2011 (Zenit.org). - In dem Zeitraum von 2006 bis 2009 habe es in vielen Ländern eine deutliche Zunahme der Einschränkungen der Religionsfreiheit gegeben.

Zu diesem Ergebnis kommt der kürzlich veröffentlichte Bericht des „Pew Research Center's Forum on Religion and Public Life“.

Die Studie hat die Situation in 198 Ländern untersucht und diese nach ihrem Abschneiden in 33 signifikanten Punkten bewertet.  Eine Vielzahl von Informationsquellen aus Berichten von US-Agenturen, privaten Forschungszentren und Menschenrechtsorganisationen wurde für die Auswertung der Ergebnisse herangezogen.

Im Zeitraum von Mitte 2006 bis Mitte 2009 hätten in 23 Ländern die Einschränkungen der Religionsfreiheit zugenommen. Ein Rückgang sei in 12 Ländern verzeichnet worden und in den restlichen Länden habe es geringe Veränderungen gegeben.

Die Ergebnisse seien schlechter ausgefallen als ein erster Blick auf die Daten vermuten ließe, da einige der Länder mit zunehmenden Einschränkungen zu den bevölkerungsreichsten der Welt gehörten. Fast ein Drittel der Weltbevölkerung, mehr als 2,2 Milliarden Menschen, lebten in Ländern mit entweder staatlichen Beschränkungen der Religionsfreiheit oder gesellschaftlicher Religionsfeindlichkeit.

Im Gegensatz dazu sei nur etwa ein Prozent der Weltbevölkerung von der  Verbesserung der Einschränkungen betroffen.

Die 25 bevölkerungsreichsten Länder machten etwa drei Viertel der Weltbevölkerung aus. Laut dem Bericht hätten sich in acht Ländern dieser Gruppe die Einschränkungen deutlich vermehrt und in keinem dieser 25 Länder habe ein wesentlicher Rückgang stattgefunden.

In sechs der acht Länder - China, Nigeria, Russland, Thailand, Großbritannien und Vietnam – gehe die Verschlechterung der Situation vor allem auf eine höhere gesellschaftliche Religionsfeindlichkeit zurück, in Ägypten und Frankreich dagegen in erster Linie auf staatliche Maßnahmen.

Der Bericht wies darauf hin, dass in Ägypten die Regierung weiterhin die Muslimbruderschaft verbiete. Gleichzeitig würden Christen auf verschiedene Weise diskriminiert, dazu gehöre auch die Schwierigkeit, Arbeitsplätze bei öffentlichen Stellen zu finden.

Was Frankreich betrifft, erwähnt die Studie die Debatte im Parlament darüber, ob es Frauen erlaubt werden sollte, die Burka zu tragen. Daneben habe es staatlichen Druck auf Gruppen wie Scientology gegeben, die als Sekten angesehen werden.

Insgesamt habe es bis Mitte 2009 in 101 Ländern Gewalttaten gegen religiöse Gruppen oder Einzelpersonen gegeben. Die Gewalt reichte von Körperverletzungen und Verhaftungen bis zur Beschädigung von Eigentum. Im Vergleich zu 2008 seien zehn Ländern mehr betroffen gewesen.

Im Jahr 2009 seien in 142 Ländern feindliche Übergriffe von einzelnen Personen oder Gruppierungen verzeichnet worden, ebenso viel wie im Jahr zuvor. Aber die Zahl der Länder, in denen es zu Massenausschreitungen gekommen war, habe mit 38 Ländern 2008 und 52 Ländern 2009 stark zugenommen.

Regionen

In der Studie wurde die Welt in verschiedene Regionen aufgeteilt. Die Aufteilung ergab, dass zur Region des Nahen Ostens und Nordafrikas die meisten Länder gehörten, in denen die staatlichen Einschränkungen angestiegen seien. Laut dem Bericht liegen sechs der 14 Länder, in denen staatliche Beschränkungen deutlich zunahmen, im Nahen Osten und Nordafrika: Algerien, Ägypten, Libyen, Katar, Syrien und Jemen.

Das „Pew Center“ griff Ägypten als ein Land heraus, das sich sowohl hinsichtlich der staatlichen Restriktionen wie auch der gesellschaftlichen Feindseligkeiten negativ auszeichne. Als weiteres Land stand Indonesien in beiden Kategorien ebenfalls an oberer Stelle.

Die Region mit dem höchsten Anstieg gesellschaftlicher Feindseligkeiten sei Europa. Fünf der zehn Länder mit markanter Anstieg der gesellschaftlichen Anfeindungen befänden sich in Europa: Bulgarien, Dänemark, Russland, Schweden und Großbritannien.

Asien folgte an zweiter Stelle und dem Bericht zufolge gab es in China, Thailand und Vietnam einen Anstieg. Nord- und Südamerika war die Region mit den geringsten staatlichen Restriktionen oder gesellschaftlicher Feindseligkeit.

Des Weiteren stellte die Studie einen scheinbar weltweiten Trend zu einer Polarisierung hinsichtlich der Religionsausübung fest. Die meisten der Länder, in denen die staatliche Kontrolle verstärkt wurde oder es bereits zunehmende gesellschaftliche Feindseligkeit gab, erzielten eine hohe Einstufung. So erhielten 14 von 62 Ländern, die bereits für Einschränkungen oder Feindseligkeit hoch bewertet worden waren, eine noch höhere Bewertung.

Entsprechendes gelte für das andere Ende des Spektrums. Fast die Hälfte der Länder, die eine Verminderung der staatlichen Restriktionen und Feindseligkeiten aufwiesen, seien bereits als niedrig eingestuft worden. Von 94 Ländern, die hinsichtlich der staatlichen Einschränkungen oder gesellschaftlichen Feindseligkeiten niedrig bewertet worden waren, reduzierten fünf noch weiter ihre Einstufung und nur bei zwei Ländern hebe es einen Anstieg gegeben.

Wer ist betroffen?

Dem Bericht zufolge würden Christen und Muslime in den meisten Ländern diskriminiert und gehörten somit zu denjenigen, die am meisten von den Einschränkungen der Religionsfreiheit betroffen seien. Zwischen 2006 und 2009 seien Christen in 130 und Muslime in 117 Staaten in ihrer religiösen Praxis eingeschränkt worden.

Einige kleinere Religionen seien von Benachteiligungen betroffen, die jedoch in keinem Verhältnis zu ihrer Anzahl stünden. Juden, die lediglich 1 Prozent der Weltbevölkerung ausmachten, lebten in 75 Staaten mit eingeschränkter Religionsfreiheit.

Zu anderen religiösen Gruppen, die Einschränkungen erfahren, gehörten ältere Glaubensbekenntnisse, wie die Sikh-Religion und der Zoroastrismus und neuere, wie die Religion der Bahai und der Rastafari. In 84 Ländern seien für diese und andere Stammes- und Volksreligionen Restriktionen verzeichnet worden.

Der Bericht behandelte auch jene Länder, in denen es Gesetze gegen Blasphemie, Apostasie oder Verunglimpfung der Religion gibt. Diese Gesetze seien zwar zum Schutz einer einzelnen Religion gedacht, würden in der Praxis oft aber dazu genutzt, religiöse Minderheiten zu diskriminieren, heißt es im Bericht.

Der Bericht weist andererseits darauf hin, dass manchmal auch der Religion selbst ein Verschulden zukomme. In dem Drei-Jahres-Zeitraum seien in 74 Ländern terroristische religiöse Gruppen aktiv gewesen.

In der Hälfte dieser Länder seien von den terroristischen Gruppen Gewalttaten, wie Entführungen, Zerstörung von Eigentum und Morde ausgeübt worden. Besonders betroffen von religiösen Terroranschlägen sei Russland gewesen, zwischen 2007 und 2009 seien dabei mehr als 1.100 Menschen ums Leben gekommen.

Grundlegend

Erzbischof Silvano Tomasi, ständiger Vertreter des Heiligen Stuhls beim UN-Büro in Genf, hatte schon zu Beginn dieses Jahres die Wichtigkeit des Schutzes der Religionsfreiheit betont.

„Die Grundlage der Menschenrechte bildet die Freiheit der Religion, des Gewissens und des Glaubens: Dies beeinflusst die persönliche Identität und grundlegende Entscheidungen und ermöglicht die Wahrnehmung anderer Menschenrechte“, sagte Erzbischof Tomasi in einer Rede am 2. März auf der 16. ordentlichen Tagung des Menschenrechtsrats über die Religionsfreiheit.

Erzbischof Tomasi beklagte die Zunahme der religiösen Konflikte in jüngster Zeit und zitierte einen Bericht, der im vergangenen Jahr von der Hilfsorganisation „Kirche in Not“ veröffentlich worden war. Demzufolge seien von 100 Menschen, die aufgrund religiöser Feindseligkeit getötet werden, 75 Christen.

Der ständige Vertreter des Heiligen Stuhls rief die Regierungen auf, ihrer Pflicht nachzukommen, die Religionsfreiheit zu gewährleisten. Solange dies nicht geschehe, werde die Demokratie untergraben, erklärte Erzbischof Tomasi. Diese Freiheit sei selbstverständlich an die Meinungs-, Äußerungs- und Versammlungsfreiheit gebunden.

Abschließend bekräftigte Erzbischof Tomasi, dass „der Staat die ethische und rechtliche Verpflichtung hat, das Recht auf Religion- oder Überzeugungsfreiheit zu wahren und anzuwenden, da es sich um ein grundlegendes Menschenrecht handelt, und weil es seine Pflicht ist, die Rechte seiner Bürger zu verteidigen und für das Wohl der Gesellschaft zu sorgen.“

Diese Freiheit werde allerdings all zu oft nicht zuerkannt oder sogar aktiv von denjenigen unterbunden, die sie sichern sollten.

[ZENIT-Übersetzung des englischen Originals]