Eintauchen in eine Verborgene Welt

Filmrezension: Epic - Ein verborgenes Königreich

Berlin, (ZENIT.orgtextezumfilm) Dr. José García | 625 klicks

Vom ewigen Kampf zwischen Gut und Böse handeln zahllose literarische und Filmwerke. In Tolkiens „Der Herr der Ringe“ kleidet er sich in den Gegensatz zwischen dem Licht und der Finsternis des „Dunklen Herrschers auf dem dunklen Thron“. Dieser Kampf nimmt in den zurzeit hoch im Kurs stehenden „Fantasy“-Filmen und -Romanen unterschiedliche Formen an. Im nun anlaufenden Animationsfilm des US-amerikanischen „Blue Sky“-Studios „Epic – Verborgenes Königreich“ äußert er sich in der Auseinandersetzung zwischen dem Leben und der Fäulnis im Wald, zwischen den Mächten des die Natur erhaltenden Guten und den Mächten des Bösen, die sie zerstören wollen. Das „verborgene Königreich“ wird von der Königin Tara regiert, vor der sich die Blätter verbeugen und in deren Anwesenheit die Blumen zu blühen anfangen. In Moonhaven, dem Garten Eden der Königin Tara, versorgen die Schnecken Mub und Grub die Knospen, aus denen die Königin ihre Nachfolgerin wählen soll. Denn einmal alle hundert Jahre erblüht eine neue Pflanze, um die Regentschaft zu übernehmen. Beschützt wird Taras Reich von einer Samuraiähnlichen Spezialeinheit namens Leafmen, deren Krieger auf Kolibris reiten. Angeführt werden sie von Ronin, der den Draufgänger Nod väterlich immer wieder an das Leafman-Motto „Viele Blätter, ein Baum“ zu erinnern versucht. Taras Königreich wird von den sogenannten Boggans bedroht, die den natürlichen Verfall beschleunigen wollen. Sie sehen nicht nur als der Gegensatz der schönen Leafmen aus. Auch ihre Hauptstadt Schattenwald steht mit ihren dunklen, verschlungenen und klaustrophobischen Tunneln im völligen Gegensatz zu der offenen, lichten Welt von Moonhaven. In Schattenwald herrscht Mandrake, der ähnlich König Midas alles zerstört, was er berührt. Nun plant Mandrake zusammen mit seinem Sohn Dagda einen entscheidenden Anschlag auf die Königin, um die Herrschaft über den Wald zu übernehmen.

Diese verborgene Wald-Welt erlebt der Zuschauer aus der Sicht der 17-jährigen Mary Katherine, die sich neuerdings MK nennt. Sie besucht ihren Vater Professor Bomba, der mit selbstgebauten Apparaten umgeben sehr zurückgezogen lebt und von der Existenz des winzigen Volkes überzeugt ist. Bombas Leben ist darauf ausgerichtet, Beweise für diese geheimnisvolle Welt im Wald zu finden. Dies hat ihn allerdings von seiner Tochter entfremdet, die das Ganze für Hirngespinste hält. Allerdings muss sie ihre Meinung revidieren, nachdem sie durch einen Unfall schrumpft und in das verborgene Reich hineingezogen wird, wo sie auf die Schnecken Mub und Grub, aber auch auf Ronin und den charmanten Nod trifft. Um wieder nach Hause zurückzukehren, muss MK helfen, diese für sie bisher vollkommen neue Welt zu retten. Auch Bomba muss seine eigenen Träume hinterfragen, um ein Wiedersehen mit MK zu ermöglichen.

Die Handlung von Chris Wedges „Epic – Verborgenes Königreich“ mutet nicht besonders originell an. Im Nebeneinander der unseren und einer winzig kleinen Welt erinnert er zu sehr an „Ein Fall für die Borger“ („The Borrowers“, 1997), an Luc Bessons „Arthur und die Minimoys“ (siehe Filmarchiv) oder auch an Hayao Miyazakis „Arrietty – Die wundersame Welt der Borger“ (siehe Filmarchiv). Ähnlich Miyazakis Film zeichnet sich „Epic – Verborgenes Königreich“ durch einen enormen Detailreichtum in der Zeichnung aus, wobei die Menschen und die Leafmen trotz teilweise karikaturhafter Züge ausdruckstarken Augen besitzen. Obwohl der Rhythmus nach einer gelungenen Einführung der zwei Parallelwelten sowie ihres Ineinanderfließens nicht gleichmäßig bleibt, überzeugt die visuelle Umsetzung und insbesondere die Animation, die in ihrem actionreichen Realismus den epischen Gestus aus dem Filmtitel entwickelt. Die Kämpfe, aber auch Nods beeindruckende Flugkünste werden in wilde Kamerafahrten umgesetzt, die den 3D-Effekt voll auskosten.

Drehbuchautor und Regisseur Chris Wedge legt besonderen Wert auf die Charakterentwicklung. Sowohl MK als auch Nod durchlaufen einen Prozess der Veränderung, der nicht nur sie zusammenbringt, so dass der Film auch einen Schuss Romantik erhält. Die beiden müssen außerdem ihre jeweilige Beziehung zum Vater – bei Nod zur Vaterfigur Ronin – aufarbeiten. Hatte sich MK zu Beginn mit ihrem Vater überworfen, so war der eigensinnige Nod aus seiner Einheit ausgeschieden, weil er sich ihr und insbesondere Ronin nicht unterordnen wollte. Dadurch erhält „Epic – Verborgenes Königreich“ eine größere Tiefe als die früheren Animationsfilme des von Chris Wegde mitbegründeten Blue Sky Studios, etwa die inzwischen vier „Ice Age“-Filme – Wedge führte Regie beim ersten „Ice Age“ (2002) und wirkte als Ausführender Produzent bei den drei nachfolgenden Eiszeit-Abenteuern (2006 bis 2012). Darüber hinaus setzt „Epic – Verborgenes Königreich“ auch in Sachen rasanter und episch breiter Animation neue Maßstäbe. Trotz mangelnder Originalität in der Geschichte besticht der neue Animationsfilm aus dem Hause Blue Sky durch die Verknüpfung der mit naturalistisch wirkenden Landschaftsbildern harmonierenden Figuren mit einer tiefgründigen Geschichte über Freundschaft, Familie und Liebe.