Elisabeth + Elisabeth + Elisabeth

Impuls zum 15. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A

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Von Msgr. Dr. Peter von Steinitz

MÜNSTER, Freitag, 8. Juli 2011 (ZENIT.org). - Am vergangenen Wochenende bewegte uns die Betrachtung des Heiligsten Herzens Jesu, die Tatsache, dass der Allmächtige Gott ein menschliches Herz hat.

Allerdings ist es ratsam, dass wir uns nicht mit der Freude an diesem schönen Geheimnis unseres Glaubens begnügen. Wir sind alle gefordert, aus dieser barmherzigen Liebe Gottes persönliche Konsequenzen zu ziehen, die sich – vielleicht in etwas altmodischer Sprache – in dem Kurzgebet artikulieren können: „Jesus, sanftmütig und demütig von Herzen, bilde mein Herz nach Deinem Herzen!”

Wäre das nicht ideal? Wenn ich denke, fühle und handle wie Jesus, der Mitleid hat mit den Menschen, der sich der Sünder erbarmt, der für alle und jeden Verständnis, also ein Herz hat. Gibt es Menschen, die so sind wie Jesus?

In dieser Woche hat die Liturgie der Kirche unseren Blick auf eine Heilige der Nächstenliebe gelenkt, auf die Hl. Elisabeth von Portugal (1271 – 1336). Sie hatte natürlich als Königin beste Möglichkeiten, hatte aber auch ein Kreuz zu tragen (ohne das eigentlich nie etwas fruchtbar werden kann), die Ehe mit einem leichtsinnigen, ziemlich haltlosen Mann. Sie rief etliche Einrichtungen ins Leben, die wir heute als Sozialeinrichtungen bezeichnen würden: Krankenhäuser, Armenbetreuung und Kinderheime, einen großen Teil ihres Vermögens stiftete sie für die Armen. Sie gab diesen Einrichtungen einen Charakter, den man nur als herzlich bezeichnen kann: die Jugendlichen, die in den Waisenhäusern nicht nur Unterkunft, sondern auch eine Ausbildung bekamen, hatten lebenslang das Recht, bei Bedarf in „ihr” Haus zurückzukehren, um dort wieder „aufzutanken”.

Der Name Elisabeth steht gewissermaßen für tätige Nächstenliebe, denn noch zwei weitere hl. Elisabethen geben Zeugnis. Die eben erwähnte Königin von Portugal ist die Großnichte der heiligen. Elisabeth von Thüringen. Bei näherem Hinsehen wird uns sogar deutlich, dass das „Unternehmen Elisabeth” multinational und außerdem ökumenisch ist. Denn Elisabeth von Thüringen stammt aus Ungarn. Elisabeth von Portugal aus Spanien.

Die dritte Elisabeth führt uns buchstäblich nach Russland: Es ist Elisabeth von Hessen-Darmstadt (1846 – 1918), die ältere Schwester der späteren Zarin Alexandra. Während Alexandra Zar Nikolaus ehelichte, wurde Elisabeth mit einem Verwandten des Zaren, Sergeij Alexandrowitsch, vermählt, der zum Generalgouverneur von Moskau ernannte wurde. Sergeij wurde 1905 von einem Attentäter erschossen, und Elisabeth beschloss, sich nach dem Trauerjahr den Armen und Leidenden zu widmen. Sie teilte ihren ganzen Besitz auf, behielt selbst nicht einmal den Ehering, und gründete das Martha-Maria-Kloster in Moskau. „So entstand die Gemeinschaft der „Schwestern der Liebe und Barmherzigkeit“. Das Martha-Maria-Kloster der Barmherzigkeit begann mit seiner Tätigkeit am 10. Februar 1909. Die strengen Regeln und Pflichten der Schwestern galten auch für die Äbtissin Elisabeth. Zum Kloster gehörte ein Krankenhaus, in dem Bedürftige kostenlos behandelt wurden, eine Apotheke, ein Waisenhaus sowie eine Bibliothek. Die Schwestern versorgten Kranke unentgeltlich mit Medikamenten und speisten die Armen und Bedürftigen“ (Wikipedia).

Elisabeth war wie ihre Schwester vom protestantischen zum russisch-orthodoxen Glauben übergetreten. Aufgrund ihrer Herkunft konnte sie das den evangelischen Mitchristen so wichtige caritative Element in die orthodoxe Kirche einbringen, das dort nicht immer Vorrang genoss. Sie dachte an einen Schwesterntyp ähnlich den Diakonissen, der Gebet und caritative Arbeit miteinander verbinden sollte.

Elisabeth wurde 1918 zusammen mit der Zarenfamilie in Jekaterinburg brutal ermordet und  später von der russisch-orthodoxen Kirche heilig gesprochen. Ein weiterer ökumenischer Akzent: eine Statue der Hl. Elisabeth (russisch: Jelissawjeta Fjodorowna) befindet sich zusammen mit den Abbildungen von neun weiteren Märtyrern des 20. Jahrhunderts über dem Westportal der anglikanischen Westminster Abbey in London.

Dreimal Elisabeth – in Wirklichkeit, Gott sei Dank, noch sehr viel häufiger.

Die Heiligen der Nächstenliebe sind die beliebtesten Heiligen. Wir sehen das in unseren Tagen an Mutter Teresa von Kalkutta, der der heidnische indische Staat sogar ein Staatsbegräbnis spendierte.

Naheliegende Konsequenz: machen auch wir uns beliebt!

Es wäre jedenfalls ganz im Sinne des Herzens des Herrn!

*Msgr. Dr. Peter von Steinitz, war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den sel. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt “ und „Leo - Allah mahabba“.