Eltern der heiligen Theresia vor baldiger Seligsprechung: Benedikt XVI. autorisiert 13 Wunder- und Tugenddekrete

Deutscher Augustinerpater und österreichische Missionsschwester führten ein heroisches Leben

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ROM, 4. Juli 2008 (ZENIT.org). In einer Privataudienz empfing der Papst gestern, Donnerstag, den Präfekten der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse, Kardinal José Saraiva Martins, und autorisierte die Veröffentlichung von Dekreten zu mehreren Heilig- und Seligsprechungsprozessen.



13 Namen enthält die Liste der Personen, deren Wunder oder tugendhafte Leben nun offiziell anerkannt sind – ein notwendiger Schritt für ihre Selig- und Heiligsprechungen. Unter den fünf anerkannten Wundern befindet sich eines, das auf die Fürsprache des seligen Pater Damian de Veuster zurückgeht. Ein weiteres ist den Eltern der heiligen Theresia von Lisieux zu verdanken. Der heroische Tugendgrad wurde bei sieben Personen festgestellt, unter anderem beim Deutschen Pius Keller und bei der Österreicherin Barbara Maria Maix.

Pius Keller
Der Deutsche wurde 1825 als Johannes Keller auf einem Bauernhof geboren und zeigte bereits im Kindesalter große intellektuelle Begabung. Nach seiner Priesterweihe 1849 trat er im Kloster Münnerstadt in den Augustinerorden ein, bereits drei Jahre später wurde er hier zum Prior gewählt und blieb dies 53 Jahre lang bis zu seinem Tod. Der im Ruf der Heiligkeit Lebende besaß großes Predigertalent und liebte die sakramentale Beichte; er reformierte die klösterliche Disziplin des Augustinerordens grundlegend und bewirkte die Wiedererrichtung der bayrisch-deutschen Ordensprovinz. 30 Jahre nach seinem Tod wurde 1934 der Seligsprechungsprozess eingeleitet. Der Vatikan hat nun offiziell bestätigt, dass der Augustinerpater die übernatürlichen und menschlichen Tugenden im heroischen Grad lebte.

Maria Barbara Maix
Die am 27. Juni 1818 in Wien geborene Maria Bárbara Maix gründete den Orden der „Schwestern der Unbefleckten Herzens Mariä“. Nach ihrem Lebensmotto „Es ist die Pflicht aller, die Armen nicht zu vergessen“ ging sie als Missionarin nach Brasilien und wirkte in der Diözese Porto Alegre, wo sie 1868 starb. Mit dem „Nihil obstat” wurde 1993 der Prozess von der Erzdiözese Rio de Jainero eingeleitet. Auch sie lebte die Tugenden in heroischer Weise.

Damian de Veuster
Pater Damian de Veuster, ein belgischer Priester, gilt als „Apostel der Aussätzigen“. Auf der Leprakolonie Molokai auf der Inselgruppe Hawaii betreute er die dort ausgesetzten, in ihrem Tod allein gelassenen Kranken als Seelsorger und Arzt, organisierte die Krankenkolonie und errichtete Kirchen. Seine große Wirkenskraft löste Bewunderung und materielle Unterstützung, jedoch auch Widerspruch seiner Ordensoberen aus. Er starb, selbst vom Aussatz befallen, und wurde 1994 von Papst Johannes Paul II. selig gesprochen. Nun wurde das Wunder bestätigt, das seine Heiligsprechung ermöglicht.

Louis und Zélie Martin, Eltern der heiligen Theresia von Lisieux

Der französische Juwelier und Uhrmacher Louis Martin und seine Ehefrau, die Spitzenerzeugerin Zélie Guérin, stammten aus religiösen Familien. Die Ehe, der neun Kinder entstammten, musste mehrere Prüfungen durchstehen: Drei Kinder starben im Kleinkindalter, ein Mädchen mit fünf Jahren; übrig blieben fünf Töchter, die teilweise auch von schweren Krankheiten heimgesucht wurden.

Die heilige Theresia von Lisieux sagte selbst über ihre Eltern: „Der liebe Gott hat mir einen Vater und eine Mutter gegeben, die mehr des Himmels als der Erde würdig waren.“ Der fromme Lebenswandel der Eltern bildete die Grundlage für die Berufung all ihrer Töchter in den Ordensstand. Strenge Einhaltung der Sonntagsruhe, regelmäßige Exerzitien, missionarische Dienste und Almosen kennzeichnete ihr Leben, vor allem jedoch die liebevolle Hinführung ihrer Kinder zum christlichen Glauben. Die tägliche Darbringung der Herzen ihrer Kinder vor Gott und das ständige Suchen danach, „Jesus Freude zu machen“, prägten den „kleinen Weg“ ihrer jüngsten Tochter, der heiligen Kirchenlehrerin. Als die Mutter Zélie mit 46 Jahren an einem Brusttumor starb, zog der Witwer mit seinen Töchtern nach Lisieux und widmete sich ganz deren Erziehung. Alle Töchter folgten, vom Vater unterstützt, der Berufung zum Ordenseintritt. Louis Martin starb 1894 nach einem langen Leiden an Arteriosklerose, Lähmungen und starken geistigen Beeinträchtigungen, die er Gott aufopferte.

Ihr Vater, so die heilige Theresia, habe nach dem Vorbild des heiligen Franz von Sales stets Fortschritte in der Vollkommenheit gemacht. „Irdische Dinge schienen ihn kaum zu berühren, er setzte sich über alle Widernisse des Lebens leicht hinweg.“ Papst Johannes Paul II. erkannte die außerordentlichen Tugenden der Eheleute Louis und Zélie Martin am 26. März 1994 an. Mit dem neuen Dekret erfolgte die Anerkennung eines Wunders auf die Fürsprache der beiden Eltern. Der Weg zur Seligsprechung dieser Diener Gottes ist frei.

Fünf Italienier, ein Spanier, ein Portugiese und ein Libanese
Weitere Wunder wurden beim seligen Portugiesen Nuño di Santa Maria Álvares Pereira und beim seligen Bernardo Tolomei aus Italien festgestellt; bei dessen Landsmann Francesco Giovanni Bonifacio wurde das Märtyrertum anerkannt.

Ein heroisches Tugendleben führten nach den nun approbierten Dekreten außerdem die Italiener Bernardino Dal Vago da Portogruaro, Giuseppe Di Donna und Chiara Badano, der Libanese Stephen Douayhy und der Spanier Andrés Hibernón Garmendia.