Eltern vor der Aufgabe der (Selbst-) Erziehung

Impuls zur Aktion „Nazaret-Gebet“ 2007 der Wiener Berufungspastoral

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WIEN, 24. August 2007 (ZENIT.org).- Über die Erziehung der eigenen Kinder, die immer auch Selbsterziehung bedeutet, geht es im folgenden Beitrag, der dem Rundbrief „Familie – Weg der Kirche“ (02-03/2001) des Familienreferats der Erzdiözese Salzburg entnommen ist. Er will vor allem jenen Eltern als Denkanstoß dienen, die im Rahmen der Initiative Nazaret-Gebet 2007 der Berufungspastoral der Erzdiözese Wien täglich den „Angelus“ für die Berufung ihrer Kinder beten.

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Auch Eltern werden erzogen


Ein wichtiger Faktor in der Erziehung ist die Atmosphäre in der Familie. Zärtlichkeit, Zuwendung, Geborgenheit sind grundlegende Erfahrungen.

Erfolgreiche Erziehung ist leichter möglich, wenn ich die Not und Schwäche meines Kindes durch das eigene Herz durchlasse. Was ist damit gemeint? Ich urteile nicht vom Sockel des Perfekten herab, sondern prüfe mich selbst: Wo habe ich Ähnliches?

Ich versuche, gegen meine eigene Unart und Neigungen anzugehen (zum Beispiel übermäßiges Fernsehen, naschen, schimpfen usw.). Möglicherweise entdecke ich, wie lange bei mir die Überwindung dauert. Dann wird in meiner Kritik mehr Mitgefühl und Barmherzigkeit mitschwingen. Dieses Mitfühlen macht es dem anderen leichter, die bittere Pille einer Kritik anzunehmen.

Vor jeder Erziehung und im Erziehungsprozess läuft also auch Selbsterziehung ab. Besonders die Zeit der Pubertät ist für die Eltern eine große Herausforderung. Jugendliche provozieren uns geradezu, vieles an unserer Lebensweise nocheinmal zu überdenken, die eingefahrenen Bahnen der Sicherheit zu verlassen. Gerade Kritik von den eigenen Kindern ist nicht gerade angenehm. Wir haben dabei die Chance, auch als erwachsene Persönlichkeit noch einen Wachstumsschub zu vollziehen.

Jugendliche fordern uns heraus, authentisch zu sein und das, was wir verkünden, weil es für uns wertvoll ist, auch selbst zu leben. Andernfalls merken sie schnell, dass wir anders handeln, als wir reden.

Ein Beispiel: Ein irischer Bischof hat erzählt: Als er von zu Hause wegging zum Studium und eine Fahrt machen wollte, haben ihm seine Eltern eine Menge Ratschläge mitgegeben. Dann hat er sie unterbrochen und gemeint: „Ihr braucht euch keine Sorgen zu machen, ich werde nur die Dummheiten machen, die ihr in meinem Alter auch gemacht habt.“ Und die Eltern waren eigenartig beunruhigt.