Empfänglich für die wahren Nöte sein

Audienz für eine Delegation französischer Parlamentarier der Freundschaftsgruppe zwischen Frankreich und dem Heiligen Stuhl

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 377 klicks

Am 15. Juni 2013 empfing der Heilige Vater Franziskus um 12.15 Uhr eine Delegation französischer Parlamentarier der Freundschaftsgruppe zwischen Frankreich und dem Heiligen Stuhl in der Sala Clementina des Apostolischen Palastes des Vatikans in Audienz.

Im Folgenden veröffentlichen wir die Ansprache des Papstes an die Anwesenden in einer eigenen Übersetzung:

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Verehrter Herr Präsident, liebe Parlamentarier,

Es ist mir eine Freude, eurem Ansuchen entgegenzukommen und euch heute Vormittag als Mitglieder des Senates und der nationalen Versammlung der Republik Frankreich empfangen zu dürfen. Ungeachtet der Verschiedenheit der von euch verkörperten politischen Anschauungen ist eure Gegenwart ein Ausdruck der Qualität der Beziehungen zwischen eurem Land und dem Heiligen Stuhl.

Diese Begegnung ist für mich ein Anlass, die im Allgemeinen auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene bestehenden vertrauensvollen Beziehungen zwischen den Verantwortlichen des öffentlichen Lebens und jenen der katholischen Kirche in Frankreich hinzuweisen. Das Prinzip der Laizität, von dem die Beziehungen des französischen Staates und die verschiedenen religiösen Bekenntnisse geleitet sind, darf nicht zur Feindseligkeit gegen die Religion oder zu deren Ausschluss aus dem sozialen Leben und den gesellschaftlichen Debatten führen. Es ist erfreulich, dass die französische Gesellschaft unter anderem von der Kirche stammende Vorschläge wiederentdeckt. Diese leisten ihren spezifischen Beitrag zu tiefen Fragen, die eine umfassendere Sicht des Menschen und der Gesellschaft und dem jeweiligen Schicksal implizieren. Dieser Beitrag bezieht sich nicht nur auf den menschlichen und sozialen Bereich, sondern auch auf den Bereich der Politik, der Wirtschaft und der Kultur.

Aufgrund eures Erwählt-Seins von einer Nation, auf die die Augen der Welt oft gerichtet sind, halte ich es für eure Pflicht, einen wirksamen und kontinuierlichen Beitrag zur Verbesserung des Lebens eurer Mitbürger zu leisten. Diese sind euch besonders durch die unzähligen von euch unterhaltenen lokalen Kontakt bekannt, aufgrund derer ihr empfänglich für ihre wahren Nöte seid. Eure Aufgabe ist gewiss von technischer und juristischer Natur. Sie besteht im Vorschlag, in der Abänderung wie auch in der Aufhebung von Gesetzen. Es ist jedoch ebenso vonnöten, diesen Gesetzen einen Geist, gleichsam eine Seele, einzuhauchen, die nicht nur die Gegebenheiten und Ideen des Augenblicks widerspiegelt, sondern ihnen die unabdingbare Wesensart der Erhöhung und Veredlung des Menschen verleiht.

Daher spreche ich euch meine wärmste Ermutigung für die Fortsetzung eurer Mission aus; für eure unaufhörliche Suche nach dem Guten im Menschen und die Förderung der Brüderlichkeit in eurem schönen Land. Möge Gott euch segnen!