"Engel des Herrn"-Gebetsinitiative von Eltern für Kinder hat begonnen

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WIEN, 1. Januar 2005 (ZENIT.org).- Am ersten Tag des Jahres beginnt die einjährige Gebetsinitiative von Eltern für die Berufung ihrer Kinder. Organisiert von der Berufungspastoral der Erzdiözese Wien, besteht das so genannte "Nazaret-Gebet" der Eltern darin, täglich gemeinsam oder in geistiger Verbundenheit den "Engel des Herrn" für die eigenen Kinder zu beten.



Unterstützt und begleitet werden sie jede Woche, durch die 52 Wochen des Jahres, von einer Gemeinschaft, die für sie betet, sowie von einem Betrachtungstext zu einem der "52 Rufe von Loreto".

Wir veröffentlichen nun den ersten Impulstext dieser Gebetsaktion, zu der man sich unter www.berufungen.at/nazaret anmelden kann. Er stammt von Andreas Schätzle, Priester der Erzdiözese Wien und Beauftragter für die Pastoral der geistlichen Berufe, und schließt mit einem Zitat von Bernhard von Clairvaux ab.

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"Heilige Maria!" lautet nach den Kyrierufen und den Anrufungen der Heiligsten Dreifaltigkeit der erste marianische Titel in der lauretanischen Litanei. Er fügt sich sehr gut zum Beginn des NAZARET GEBETES am Hochfest der Gottesmutter Maria, dem 1. Januar, und damit zum Anfang eines neuen Kalenderjahres. Wir beginnen dieses Jahr mit dem Blick auf Maria, die uns Jesus geboren hat, wir stellen dieses Jahr – wie jedes neue Jahr - unter ihren besonderen Schutz und ihre Fürsprache.
In dieser ersten Anrufung ist, wenn auch sehr verborgen, die ganze lauretanische Litanei enthalten, unser Schauen auf Maria, die Gott beim Namen gerufen hat, weil Er einen wunderbaren Plan der Liebe mit ihr und jedem einzelnen Menschenkind hat.

"Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes" beten wir täglich, beten wir in jedem "Gegrüßet seist Du, Maria!" Diese erste marianische Anrufung der lauretanischen Litanei besteht aus zwei Worten, aus dem Namen "Maria" und dem ihr gegebenen Attribut "heilig". Betrachten wir Beides:

Zuerst der Name "MARIA": Ganz schlicht führt das Lukas-Evangelium uns hinein: "Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria". (Lk 1, 26-27) Jetzt sind wir mitten dabei, im Haus von Nazaret bei Maria, der Jungfrau und Verlobten Josefs, der aus dem Hause David stammte. Wir befinden uns in der Mitte der Hl. Familie, mit unserer Familie, mit unseren Sehnsüchten und Hoffnungen. "Haus" meint in der Bibel immer auch alle, die zu diesem Haus gehören – bis hin zu den Tieren, die ja für den Menschen einen großen Reichtum, weil wichtigen Lebenserhalt darstellten. "Haus" meint aber vor allem: Familie. Wer mit dem Engel eintritt in das Haus von Nazaret, bekommt Teil an allen Verheißungen, die dem Hause David, der gesegneten Familie Gottes, gegeben wurden. Treten wir ein in dieses Haus von Nazaret, treten wir ein in den vollen Segen Gottes. Heilige Maria, Braut des Josef und Königin der Familie, bitte für uns!

Im italienischen Wallfahrtsort Loreto werden seit vielen Jahrhunderten bedeutende Teile des Hauses von Nazaret verehrt. Von dort stammen die Rufe von Loreto, die auch lauretanische Litanei genannt werden. Maria wird selbst zum Haus, zum Tempel Gottes. Sie ist reine Jungfrau, um Mutter zu werden. Treten wir ein in die Gnade von Nazaret. Alles in diesem Haus, alles in meiner Familie, alles, was unter dem Segen Gottes steht, soll reiche Frucht bringen, ist zur Fruchtbarkeit der Liebe erschaffen. Heilige Maria, bitte für uns!

"Fruchtbarsein" ist eine der möglichen Bedeutungen des Namens Maria, der ja biblisch von "Mirijam" stammt. Es ist ein geheimnisvoller Name, dessen Bedeutung nicht mit voller Gewissheit festgelegt werden kann. Er heißt zugleich "die von Gott Geliebte" wie auch die "Gott Liebende", um nur zwei der wahrscheinlichsten Bedeutungen zu nennen. Der heilige Bernhard von Clairveaux bringt ihren Namen mit "Meer" (lat. "mare") in Verbindung: Maria ist der Stern des Meeres, der den Seeleuten Hoffnung und Orientierung gibt. Möge sie auch uns und unseren Familien Stern der Hoffnung und Helferin in den Stürmen sein. Heilige Maria, bitte für uns!

"Heilige Maria" – nur einer ist heilig: Gott allein. Jesaja (vgl. Jes 6) schaut und hört die Engel, die vor Gottes Thron versammelt sind, sie singen: "Heilig, heilig, heilig!" Jesaja wird von Gott gerufen, mit Feuer gereinigt und von ihm gesendet. Gott versammelt, ruft zu sich, erwählt, reinigt und sendet – so heiligt der Heilige die Menschen. Maria ist ganz heilig, sie ist die Panagia, wie die Orthodoxen sagen, weil sie Gott nie einen Widerstand entgegengesetzt hat, nie ein "Nein" gegeben hat, sie hat Ja gesagt zu all seinen Plänen. Maria hat sich rufen, heiligen und senden lassen, um dem das Leben zu geben, der die Kinder Gottes neu sammelt. Unter ihrem Schutz können auch wir mit all unseren Kindern heilig werden, Mitarbeiter Gottes in dieser Welt. Wir dürfen Maria mit allen Geschlechtern selig, ja heilig preisen, wie das Magnifikat besingt. Wir dürfen beten: Heilige Maria, bitte für uns!


"Wenn du erfährst, dass dieses Leben mehr ein Dahintreiben in Wellen, Wind und Wetter ist als ein Dahinschreiten auf festem Land: Wende deine Augen nicht ab von Maria, dem Stern des Meeres, damit du nicht untergehst in den Stürmen. Wenn die Sturmwinde der Versuchungen daherbrausen, wenn du zwischen die Klippen der Drangsale verschlagen wirst, blick auf zum Stern, ruf zu Maria!

Wenn dich emporschleudern Wogen des Stolzes, des Ehrgeizes, der Verleumdung, der Eifersucht – blick auf zum Stern, ruf zu Maria! Wenn Zorn, Habsucht oder die Begierde des Fleisches deine Seele erschüttern – blick auf zu Maria!

Wenn du die Last der Sünden drückt und die Schmach des Gewissens beschämt, wenn dich die Strenge des Gerichts schreckt, wenn du drohst, von abgrundtiefer Traurigkeit und Verzweiflung verschlungen zu werden, - denk an Maria!
In Gefahren, in Ängsten, in Zweifeln – denk an Maria, ruf zu Maria!
Ihr Name weiche nicht aus deinem Munde, weiche nicht aus deinem Herzen!
Damit du aber ihre Hilfe und Fürbitte erlangst, vergiss nicht das Vorbild Ihres Lebens!"

Bernhard von Clairvaux