Engel – gibt´s die?

Kommentar zum Evangelium am 27. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A

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Von Msgr. Dr. Peter von Steinitz*

MÜNSTER, 16. September 2011 (ZENIT.org). - Vor etlichen Jahren gab es im Kino einen schwedischen Spielfilm, eigentlich eher belanglos, aber mit dem einprägsamen Titel „Engel – gibt´s die?” Natürlich war die Frage rhetorisch gemeint, oder besser gesagt: sie setzte voraus, dass Engel sich in der Gestalt von hübschen liebenswürdigen jungen Damen präsentieren. Womit klar gesagt sein sollte, dass das Wort Engel nur eine Metapher ist, nicht eine Wirklichkeit bezeichnet.

Aber was ist nun wirklich wahr? Gibt es geistige Wesen, die wir nicht sehen, die aber so real sind wie wir Menschen? Oder sind das nur Projektionen einer menschlichen Phantasie, die ja immer wieder Ausschau hält nach Wesen, die wir nicht kennen, die uns aber ähnlich sind. Vor diesem Hintergrund wird es auch verständlich, warum die heutige Menschheit im Zeitalter der Raumfahrt fasziniert ist von sog. Aliens, außerirdischen Wesen, die vielleicht so ähnlich, oder aber ganz anders sind als wir, und mit denen es sehr reizvoll sein müsste, Kontakt aufzunehmen. Nur wirklich begegnet ist ihnen noch keiner.

Seitdem die Kirche, aus Gründen, die wir hier nicht näher betrachten wollen, nicht mehr von den Engeln spricht, haben sich die Anhänger dieser geheimnisvollen Wesen auf das minenreiche Feld der Esoterik begeben, weil dort ausgiebig von Engeln die Rede ist. In jeder Buchhandlung, die etwas auf sich hält, finden Sie meterweise Literatur über die Engel: Der Tagesengel, Engel mit Kartenlegen, Pendeln und Heilstein, Engelrituale, Engelorakel usw.

Bedauerlich, dass die Menschen ihr natürliches Bedürfnis nach dem Engel dort erfüllt bekommen, wo man nicht immer aus berufenem Mund Auskunft erhält.  Berufen, etwas über die Engel auszusagen, ist die Kirche bzw. die Hl. Schrift des Alten und Neuen Bundes, die in der Kirche ihre Auslegung erfährt. Der Katechismus definiert die Engel sehr sachlich so:„Wer sind die Engel? Die Engel sind rein geistige, körperlose, unsichtbare und unsterbliche Geschöpfe, sie sind mit Verstand und Willen begabte personale Wesen. Sie schauen Gott unablässig von Angesicht zu Angesicht, verherrlichen ihn, dienen ihm und sind seine Boten bei der Erfüllung der Heilssendung für alle Menschen“.

In diesen Tagen feiert die Kirche – immerhin – zwei große Engelfeste: am vergangenen 29.9. das Fest der drei Erzengel Michael, Gabriel und Rafael und am kommenden Sonntag, 2. Oktober, das Schutzengelfest, das freilich liturgisch vom 27. Sonntag im Jahreskreis überdeckt wird.

Wir sollten tatsächlich den Kontakt mit den hl. Engeln suchen, nicht aus Neugier, sondern weil sie unsere Freunde und Helfer sind. Es gibt freilich auch die bösen Engel, die damals bei der Prüfung, der auch die Engel ähnlich wie die Menschen unterzogen wurden, gefallen sind, zu Dämonen geworden sind. Sie wollen uns aus Wut und Eifersucht, von Gott abbringen. Abgesehen von der Dramatik dieses Geschehens kann uns diese Tatsache einen Begriff vom Wert eines jeden Menschen geben, wenn solche bedeutenden Geistwesen sich um einen jeden von uns bemühen. Sie alle, die guten wie die schlechten Engel, können aber nur an uns heran, wenn wir sie lassen. Genau wie Gott der Herr berücksichtigen sie peinlich genau unsere Freiheit. Damit unser Leben gelingt, kommt es also darauf an – und im Grunde seines Herzens weiß das jeder Mensch – dass wir den inneren Anregungen des guten Engels folgen und die des bösen Engels zurückweisen.

Am heutigen Sonntag spricht der Herr noch einmal vom Weinberg. Der Gutsbesitzer, der den Weinberg anlegt, ist Gott, der Weinberg das sind wir, und der Sohn des Gutsbesitzers, der von den Winzern misshandelt und schließlich ermordet wird, ist Jesus Christus. „Was wird der Gutsbesitzer mit solchen Winzern tun?“ fragt Jesus seine Zuhörer. Sie geben die logische Antwort, dass er sie strafen wird. Dazu äußert sich der Herr aber nicht mehr. Wir wissen freilich, dass der Herr nicht nur Milde walten lässt, sondern gerade durch dieses Unrecht und Leiden uns erlöst. Paradoxie der Liebe!

Damit aber das Werk der Erlösung gelingt, und zwar bei jedem einzelnen Menschen, muss der Mensch sich seiner Freiheit bewusst werden und sie richtig nutzen. Wird er dabei so töricht sein und die von den Engeln dargebotene Hand ausschlagen? Wird er die Kraft haben, den Einflüsterungen des Feindes – Versuchungen zur Habgier, zum Egoismus, zur Gewalt etc. – zu widerstehen? Die Kirche betet an den Engelfesten: „Gib, dass die Macht des Bösen nicht überhand nimmt, sondern sende deine heiligen Engel, die im Himmel vor dir stehen, in diese Welt, damit sie uns vor allem Unheil schützen!“

Das wollen die Engel sein: nicht nette Mädchen, nicht niedliche Putten, nicht esoterische Spielgefährten, sondern kraftvolle, souveräne Persönlichkeiten, die uns ihre Freundschaft und Hilfe anbieten.  

*Msgr. Dr. Peter von Steinitz, war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den sel. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt “ und „Leo - Allah mahabba“.