England, die "Mitgift Marias": Über Evangelisierung, Papst und Ehe

Interview mit dem Seelsorgeleiter der Diözese von Westminster, Edmund Adamus

| 2492 klicks

Von Genevieve Pollock

LONDON, 18. September 2010 (ZENIT.org).- Der Staatsbesuch von Papst Benedikt XVI. in England vom 16. bis 19. September besticht durch die gewinnende Art der Verkündigung des Papstes, der es vermag auf das große religiöse und kulturelle Erbe der britischen Nation zu vertrauen. Für einige gelte ja England als Epizentrum einer geopolitischen Kultur des Atheismus, es sei aber auch die „Mitgift Mariens", so Edmund Adamus, Seelsorgeleiter in der Diözese Westminster.

Gegenüber ZENIT erklärte Adamus, dass Englands einzigartiges christliches Erbe und seine anti-katholischen Stilblüten es zu einem besonders bedeutsamen Ort für den Besuch des Papstes machten.

Über die Initiativen zur Bewahrung wichtiger Werte, so Adamus, sei oft wenig bekannt. So sei zum Beispiel der Wert der Ehe stets ein zentrales Anliegen in der Evangelisierung des Landes gewesen. Was bei der Erstevanglisierung des Landes als wichtiges Glaubensgut gegolten habe, werde auch bei den derzeitigen kulturellen Konflikten hochgehalten.

Der Pastoralleiter der Diözese Westminster hat daher aktiv an Initiativen zur Förderung der Lehre der Kirche über die Ehe mitgearbeitet. Es gab eine landesweite Wallfahrt des Bildes von Unserer Lieben Frau von Guadalupe in Zusammenhang mit dem Papstbesuch, eine Messe zu Ehren von rund 600 Ehepaaren, die ihr Treue-Jubiläum feierten. Zudem wurde eine Einrichtung geschaffen, die eine Sensibilisierung für den Wert der natürlichen Befruchtung fördern soll. Nicht zuletzt gibt es als relgelmäßiges Anbeot eine jährliche Vortragsreihe über die Theologie des Leibes.

Der diesjährige Vortrag dieser Reihe fand am 14. September zur Einstimmung auf den Papstbesuch statt. Der Autor des Buches „Fatherless", Brian Gail, hielt einen Vortrag mit dem Titel „In the Service of Women -- Men Are Called to Greatness" („Im Dienste der Frauen - Männer sind zu etwas Großem berufen).

Im Interview mit ZENIT erklärte Adamus angesichts der Frage, welche Rolle England auf globaler Ebene bei der Evangelisierung der Kultur spiele, folgendes: „Die Medien konzentrieren sich normalerweise auf den Papst und seine Botschaft, und die katholische Kirche schwärmt für die Menschen des Landes, das der Papst besucht. Das ist in Großbritannien auch nicht anders, aber es gibt eine gewisse Beklommenheit über die Art der Aufmerksamkeit, die der Besuch in den Medien und im öffentlichen Bewusstsein erregt. Warum? Ob wir es als britische Bürger und Einwohner dieses Landes mögen oder nicht, Tatsache ist, dass Großbritannien und in insbesondere London historisch gesehen und auch heute noch ein geopolitisches Epizentrum der Kultur des Todes sind. Ich weiß nicht, ob wir als Katholiken auch bereit sind, diese Wirklichkeit und alles, was dies beinhaltet, zu akzeptieren.

Unsere Gesetze und Gesetzgeber wenden sich seit mehr als 50 Jahren auf eine sehr großzügige Weise gegen das Leben und schrittweise gegen Familie und Ehe. Wir stehen, was anti-katholische Haltungen angeht, als Land an der Spitze; ich würde wagen zu behaupten: mehr noch als die Länder, in denen Katholiken offen verfolgt werden.

England selbst hat gleichwohl ein einzigartiges christliches Erbe: den hl. Augustinus [von Canterbury], der von Papst Gregor besuftragte Apostel der Engländer. Er widerstand der Versuchung der Verzweiflung bei der Bekehrung der heidnischen Briten, indem er ihnen die Schönheit, Wahrheit und Würde der Ehe in Erinnerung rief. Die Chronik des hl. Beda über die Geschichte des englischen Christentums gibt diese Vorgehensweise wieder, und es heißt dort: ‚England wiederhergestellt'.

England trägt auch den Titel ‚Mitgift Marias'. Diese alte Bezeichnung stammt aus dem 14. Jahrhundert und wurde in der geistigen Sprache des Volkes schon davor verwendet. Dieser Titel drückt aus, dass von den frühesten Zeiten an die englischen katholischen Christen der Person der Mutter Christi eine solche einzigartige und aufrichtige Verehrung zollten, dass dem Land selbst eine übernatürliche Rolle (bildlich gesprochen) in der 'Vermählung' zwischen dem Heiligen Geist und seiner Braut - der Jungfrau von Nazareth - zugeschrieben wurde. Danach spielt das englische Christentum im Plan Gottes eine einzigartige Rolle, in dem es ein sicheres Fundament (wie eine Mitgift in der Ehe) im Werk der Erlösung und der weltweiten Heilsgeschichte sein soll.

England war das erste christliche Land, das der Kirche einen feierlichen Heiratsritus gab, der in den Sarum-Ritus der Eheschließung einging. Die Worte dieses alten Ritus 'und mit meinem Leib bete ich dich an' (der immer noch von unseren anglikanischen Geschwistern verwendet wird) sind, wenn man so will, während des Mittelalters die erste Theologie des Leibes geworden.

Wenn Ehegatten von Gott dazu berufen sind, den anderen mit dem Leib zu ehren, dann ist gewiss, dass unser größter Respekt für die Gegenwart des Göttlichen in der Leiblichkeit für alle von uns außer Frage steht, da alle von uns aufgrund der Taufe als Männer mit der Kirche verheiratet und als Frauen mit Christus, dem Bräutigam, vermählt sind.

Über dem Haupteingang der katholischen Westminster Kathedrale befindet sich ein Mosaik, das den herrschenden Christus darstellt. Zu seiner Seite stehen seine Mutter und sein Pflegevater, Maria und Josef. Diese sind umgeben vom hl. Petrus und Eduard, dem Bekenner, die vor ihnen knien und in ihren symbolischen Funktionen abgebildet sind: der eine als das sichtbare Haupt der Kirche, der andere als König, der das englische Reich personifiziert. Sie knien vor dem Triptychon der Heiligen Familie.

Ich bete dafür, dass der Papstbesuch alle hier, Kirche und Staat, dazu anrege, innerlich vor der unschätzbaren Ikone der Dreifaltigkeit niederzuknien: Ehe und Familie".

[Aus dem Englischen übersetzt von Iria Staat]