Entdeckung bei Restaurierung der Borgia-Gemächer im Vatikan

Darstellung der Ureinwohner Amerikas auf dem Auferstehungsfresko Pinturicchios

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 767 klicks

Die Restaurierung der Borgia-Gemächer im Vatikan brachte eine Entdeckung unter der Darstellung der „Auferstehung“ zu Tage: Möglicherweise hat man die erste bildliche Abbildung der Ureinwohner Amerikas auf dem Fresko Pinturicchios gefunden.

Antonio Paolucci, Direktor der Vatikanischen Museen, erklärte in einem Artikel im Osservatore Romano vom 27. April 2013, bei der Darstellung der „kleinen tanzenden Gestalten“ auf dem Fresko könne es sich um die „nackten, gutmütigen und auch glücklichen Menschen, die Papageien verschenkten und sich den Körper in Rot und Schwarz anmalten“, handeln, wie sie von Kolumbus in dessen Tagebucheintrag vom 12. Oktober 1492 beschrieben worden waren.

Die Privatgemächer Papst Alexander VI. Borgia wurden von Pinturicchio, eigentlich Bernardino di Betto di Biagio, im Zeitraum von 1492 bis Ende 1494 freskiert. Schon am 1. Januar 1495 nämlich wurde in dem päpstlichen Appartement König Karl VIII. von Frankreich mit seiner Entourage als Gast untergebracht.

Als der für seinen aufwendigen und ausschweifenden Lebensstil bekannte Alexander VI. Pinturicchio für die Ausgestaltung seiner Gemächer auswählte, beauftragte er einen der damals insbesondere für seine Freskierungen hochgeschätzten Künstler.

Pinturicchio wurde 1454 in Perugia geboren. Von 1480 bis 1484 war er als Mitarbeiter Peruginos bei der Ausmalung der Cappella Sistina tätig. Die Arbeiten des Künstlers zeichnen sich besonders durch ihre leuchtenden Farben, die Verwendung von Goldfarbe, ihren stark dekorativen Charakter sowie die große Gabe des Künstlers aus, die dargestellten Szenen dem Betrachter besonders anschaulich zu erzählen. Als Hauptwerk Pinturicchios gilt die Freskierung der Biblioteca Piccolomini in Siena, die er von 1502 bis 1508 anfertigte. In Rom finden sich weitere Werke des Künstlers in Santa Maria d’Aracoeli und Santa Maria del Popolo.

Nach dem Tod Alexanders VI. am 18. August 1503 wurden die von Pinturicchio und seinen Gehilfen ausgestalteten Gemächer verlassen und erst am Ende des 19. Jahrhunderts wieder dem Publikum geöffnet. Heute ist in den Gemächern eine rund 600 Einzelstücke umfassende Sammlung moderner sakraler Kunst untergebracht, zu der namhafte Künstler wie Gaugiun, Chagall oder auch Kandinskij zählen.

Alexander VI., der am 11. August 1492 zum Papst gewählt worden war, stammte aus der katalanischen Familie der Borgia. Rodrigo Borgia, geboren am 1. Januar 1431 in Xàtiva bei València, wurde nach dem Studium der Rechtswissenschaften in Bologna zunächst Bischof, dann Kardinal und päpstlicher Amministrator. Sein Interesse galt jedoch keineswegs nur den Künsten, sondern auch der Entdeckung der Neuen Welt und der damit verbundenen Machtpolitik.

Nur wenige Monate nach der Wahl Alexanders VI. zum Papst, am 12. Oktober 1492, machte Kolumbus jene Entdeckung, die das damalige Weltbild von Grund auf für immer ändern sollte. Paolucci zitiert, Bezug nehmend auf die Gruppe der tanzenden Figuren in dem Fresko Pinturicchios, das Tagebuch der ersten Reise von Kolumbus aus den Jahren 1492 bis 1493. Dort heißt es am 12. Oktober 1492: „Bald sahen wir dort nackte Leute am Strand (…) Sie waren jedoch freundlich und wohlgesinnt; sie kamen zu den Booten geschwommen, in denen wir saßen, und brachten uns Papageien und Knäuel mit Baumwollfäden, Wurfspieße und viele andere Dinge und tauschten sie gegen Dinge ein, die wir ihnen gaben, zum Beispiel Glaskügelchen und Glöckchen.“

Schon zwei Jahre später, am 7. Juni 1494, wurde die Neue Welt auf Betreiben Alexander VI. unter den Portugiesen und Spaniern durch den sog. Vertrag von Tordesillas aufgeteilt.