„Entzauberung eines Berufs“

„Was die Deutschen vom Journalismus erwarten und wie sie enttäuscht werden“

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MÜNCHEN, ROM, 9. Juni 2009 (ZENIT.org).- Eine neue Studie mit dem Titel „Entzauberung eines Berufs. Was die Deutschen vom Journalismus erwarten und wie sie enttäuscht werden" wird jetzt vom Institut für Publizistischen Nachwuchs der Katholischen Bischofskonferenz (ifp) in München vorgestellt.

Der Journalismus in Deutschland steckt in einer Vertrauenskrise. Nur gut ein Drittel der Deutschen sagen, dass sie Journalisten vertrauen. Damit liegt der Journalismus weit hinter anderen Berufen zurück. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Entzauberung eines Berufs -Was die Deutschen vom Journalismus erwarten und wie sie enttäuscht werden“ der TU Dresden. In einer repräsentativen Umfrage wurden auf Initiative des Instituts zur Förderung publizistischen Nachwuchses mehr als 1.000 Deutsche befragt.

Die katholische Journalistenschule leistet damit einen Beitrag zur aktuellen Diskussion über medienethische Fragen. Der Dresdner Kommunikationswissenschaftler, Professor Dr. Wolfgang Donsbach stellt am Mittwoch, 17. Juni 2009, um 19.30 Uhr  diese neue Studie vor und diskutiert darüber mit Frauke Ancker, der Geschäftsführerin des Bayerischen Journalistenverbandes (BJV) in München. Nach dem Start unserer neuen Gesprächsreihe „ifp im Gespräch“ im Frühjahr mit Medienbischof Fürst setzt das ifp nun die Reihe fort.

„Unsere Untersuchung zeigt, dass wir es heute nicht nur mit einer zunehmenden Politikverdrossenheit zu tun haben, sondern auch mit einer Journalismusverdrossenheit. Die Forschungsergebnisse bestätigen eindeutig eine Abnahme des öffentlichen Vertrauens in den Journalismus“, erklärt Wolfgang Donsbach, Professor am Institut für Kommunikationswissenschaft der Technischen Universität Dresden und Leiter der Studie.

Für mehr als die Hälfte der Befragten sind Journalisten mächtiger als Politiker. Und fast alle finden das nicht gut. Die Untersuchungsteilnehmer üben scharfe Kritik an den handelnden Journalisten. Diese seien viel rücksichtloser, intoleranter gegenüber den Meinungen anderer und unsozialer, als man sie sich wünscht. Gleichzeitig setzten sie zu stark ihre eigenen Bedürfnisse durch, ihre Macht und ihr Einfluss in der Gesellschaft seien zu groß, so ein Ergebnis der Studie. Die Politik-Berichterstattung wird darüber hinaus von fast zwei Dritteln der Befragten als zu wenig objektiv kritisiert, obwohl gerade Objektivität von ebenfalls zwei Dritteln erwartet wird. Fast zwei Drittel glauben, Journalisten unterdrückten häufig Stellungnahmen von Experten, die einer anderen Meinungen sind als sie selbst.

Fragen der Medienethik sind der Untersuchung zufolge vielen ein zentrales Anliegen: Acht von zehn Befragten sprachen sich dagegen aus, in den Medien zivile Kriegsopfer abzubilden. Knapp die Hälfte hält es für nicht angemessen, getötete Soldaten bildlich darzustellen. Für sie wiegen Respekt und Pietät schwerer als das öffentliche Interesse. Die meisten Deutschen sindzudem gegen Eingriffe in die Privatsphäre, auch wenn über Prominente berichtet wird.

Eine deutliche Mehrheit der Befragten beschreibt Journalisten als käuflich. Rund zwei Drittel glauben, dass bezahlte Recherchen häufig vorkommen oder dass die Interessen von Anzeigenkunden auch in der redaktionellen Berichterstattung berücksichtig werden. Bemerkenswert ist dabei, dass diese Praxis vielen als nicht verwerflich erscheint. Schließlich fehlt es der Bevölkerung an einer klaren Vorstellung davon, was Journalismus ist und was nicht. Viele unterscheiden nicht mehr zwischen Journalismus und PR. Die Formate des Internetverstärken diesen Trend. Unter den 18-bis 24-Jährigen versteht jeder Zweite Blogging als Journalismus.

Beginn des Vortrags ist um 19.30 Uhr im ifp, Kapuzinerstraße 38, 80469 München. Bitte melden Sie sich bis zum Montag, 15. Juni, per E-Mail in der ifp-Geschäftsstelle bei Margit Kolakowska (E-Mail: info@ifp-kma.de .

Mit der Reihe „ifp im Gespräch" möchte die katholische Journalistenschule Fragen aus den Bereichen Medien, Ethik und Kirche aufgreifen. Die Reihe ist auf drei bis vier Veranstaltungen im Jahr angelegt. Die Veranstaltungen sind öffentlich und kostenlos.

Die Studie, die vom ifp herausgegeben wird und beim UVK Verlag in Konstanz erschienen ist, ist ab sofort auch im Buchhandel erhältlich.