Enzyklika „Caritas in veritate“ als Impuls für metaphysische Studien

David G. Murray von der Idente-Stiftung sieht Parallelen zu Fernando Rielo

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ROM, 26. August 2009 (ZENIT.org).- Der 4. Weltkongress der Metaphysik (ZENIT berichtete), der vom Institut Id getragen wird, fällt mit dem 50. Jahrestag der Gründung dieser Ordensgemeinschaft zusammen. Die Missionare und Missionarinnen Identes gehen auf Fernando Rielo zurück und haben ihren Studienschwerpunkt in der Vertiefung der Bedeutung der Metaphysik für die Verkündigung.

Was die Enzyklika Caritas in veritate diesbezüglich zu sagen hat, erläuterte gegenüber ZENIT David G. Murray, der Direktor des Kongressausschusses der Idente Stiftung der Studien und Forschung: „In seiner jüngsten Enzyklika verwendet Benedikt XVI. einige Ausdrücke, die unserer Meinung nach der charakteristischen Sprache des Gedankenguts von Fernando Rielo und dem Geist dieses Kongresses sehr nahe sind.“

Der Papst blicke vom Standpunkt der Nächstenliebea uf die Entwicklung der menschlichen Person und der Menschheit. „Caritas in veritate betont das Prinzip der Soziallehre der Kirche. Das Miteinander in Liebe bekommt eine konkrete Form, wenn Orientierungskriterien der moralischen Handlung definiert werden.“

Bestimmte Formulierungen erschienen einem, der in der Lesart der „genetischen Metaphysik“ bewandert sei, besonders vertraut, zum Beispiel wenn er schreibe: „Der Mensch strebt konstitutiv dem 'mehr sein' entgegen“ (vgl. Caritas in veritate, 18). Gernauso wie die Feststellung: „Die Dreifaltigkeit ist völlige Einheit, insofern die drei Göttlichen Personen reine Beziehung sind. Die gegenseitige Transparenz zwischen den Göttlichen Personen ist völlig und die Verbindung untereinander vollkommen, denn sie bilden eine absolute Einheit und Einzigkeit … Eine echte Öffnung bedeutet nicht zentrifugale Zerstreuung, sondern tiefe Durchdringung“ (Ebda., 54).

„Wenn Papst Benedikt XVI. formuliert: ‚Die christliche Offenbarung über die Einheit des Menschengeschlechts setzt eine metaphysische Interpretation des 'humanum' voraus, in dem die Fähigkeit zur Beziehung ein wesentliches Element darstellt' (vgl. Caritas in veritate, 55), dann ist ‚Gott der Garant der wahren Entwicklung des Menschen', denn da er ihn nach seinem Bild geschaffen hat, begründet er auch seine transzendente Würde und nährt sein Grundverlangen, 'mehr zu sein'“ (Ebda., 24).

„Es handelt sich um eine Aufgabe, die nicht von den Sozialwissenschaften allein durchgeführt werden kann, insofern sie den Beitrag von Wissen wie Metaphysik und Theologie verlangt, um die transzendente Würde des Menschen klar zu begreifen“, erklärt Papst Benedikt XVI. in Absatz 53 seiner dritten Enzyklika. „Sein Ansatz geht von einer metaphysischen Vision der Beziehung zwischen Personen aus“, so David G. Murray.

„Papst Paul VI. zitierend, erklärt Benedikt XVI.: ‚Zu begleiten wäre die Entwicklung daher durch weise Menschen mit tiefen Gedanken, die nach einem neuen Humanismus Ausschau halten, der den Menschen von heute sich selbst finden lässt.' Wir denken, dass die intellektuelle Beteiligung aller, Frucht der Großzügigkeit und der Anstrengung im gemeinsamen Studium, das Sandkorn für diesen neuen Humanismus beisteuern wird, das die Wissenschaft und das Wissen zum spirituellen, psychologischen und physischen Wohl des Menschen in seiner persönlichen und sozialen Dimension zur Disposition stellt.“