"Er bewegt alles, er führt uns zum Tempel, zur Kirche"

Predigt von Papst Franziskus zum Welttag des Gottgeweihten Lebens

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 402 klicks

Wir übernehmen im Folgenden die Papstpredigt zum heutigen Welttag des Gottgeweihten Lebens in einer Arbeitsübersetzung von Radio Vatikan. Einige freie gesprochene Einschübe des Heiligen Vaters fehlen im Text.

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Das Fest der Darstellung des Herrn, als Jesus im Tempel vorgestellt wurde, wird allgemein auch als Fest des Zusammentreffens bezeichnet: Das Treffen zwischen Jesus und seinem Volk. Als Maria und Josef ihr Kind zum Tempel in Jerusalem brachten, kam es zum ersten Treffen zwischen Jesus und seinem Volk, was durch die beiden Alten Simeon und Anna dargestellt wird.

Was ein Treffen innerhalb der Geschichte des Volkes war, ist ein Treffen zwischen alten und jungen Menschen: Die Jugendlichen waren Maria und Josef mit ihrem Neugeborenen; und die Alten waren Simeon und Anna, zwei Menschen, die stets den Tempel aufsuchten.

Schauen wir, was uns der Evangelist Lukas über sie sagt, wie er sie beschreibt. Über die Muttergottes und den heiligen Josef wiederholt er viermal, dass sie jenes tun wollten, was das Gesetz des Herrn vorgeschrieben hatte (vgl. Lk 2,22.23.24.27). Man sieht, ja man spürt schon fast, wie die Eltern Jesu die Freude haben, die Gesetze Gottes zu beachten, die Freude den Weg des Gesetzes des Herrn zu befolgen! Sie sind zwei Frischvermählte, sie haben vor kurzem ein Kind bekommen, und sie sind beide davon geprägt, dass sie das tun wollen, was ihnen vorgeschrieben wurde. Das ist nicht eine äußere Angelegenheit, es geht nicht darum, dass sie sich gut fühlen möchten, nein! Es ist ein starker, tiefer Wunsch, der voll Freude ist. Es ist das, was im Psalm geschrieben steht: „Nach deinen Vorschriften zu leben freut mich… deine Weisung macht mich froh.“ (Ps 119,14.77)

Und was sagt der heilige Lukas über die Alten? Er unterstreicht, dass sie vom Heiligen Geist geleitet wurden. Über Simeon schreibt er, dass er ein gerechter und frommer Mann war, der von Israel Trost erwartete, und dass „der Heilige Geist über ihm war“ (Lk 2,25); er fügt hinzu, dass „der Heilige Geist ihm vorausgesagt hatte“, dass er vor seinem Tod noch Christus, den Messias, sehen werde (2,26); und schließlich, dass er zum Tempel ginge, weil „der Geist ihn dazu bewogen hatte“ (2,27). Über Anna sagte er hingegen, dass sie eine „Prophetin“ (2,36) gewesen sei. Diese beiden Alten waren somit voll Leben! Sie sind voll Leben, weil sie vom Heiligen Geist getrieben waren, folgsam waren in dem was sie das taten, in dem, was der Heilige Geist ihnen vorgab und achtsam gegenüber seinen Anordnungen…

Und nun das Treffen zwischen der Heiligen Familie und diesen beiden Vertretern des heiligen Volkes Gottes. Im Mittelpunkt ist Jesus. Er ist es, der alles in Bewegung bringt, der die einen zu den anderen im Tempel führt, dort, wo das Haus seines Vaters steht.

Es ist ein Treffen zwischen Jugendlichen, die voller Freude über die Einhaltung des Gesetzes des Herrn sind, und älteren Menschen, die voll Freude sind über die Handlung des Heiligen Geistes. Es ist ein einzigartiges Treffen zwischen Observanz und Prophetie, bei der die Jugend die der Regel treuen sind und die Alten prophetisch sind! In Wirklichkeit, wenn wir uns das gut überlegen, wird die Observanz des Gesetzes durch denselben Geist berührt, und die Prophetie bewegt sich auf denselben Weg, der durch das Gesetz festgelegt wird. Wer ist denn mehr als Maria vom Heiligen Geist gefüllt? Wer sonst ist gegenüber der Handlung des Geistes gehorsam?

Liebe Brüder und Schwestern, im Lichte dieser Szene aus dem Evangelium blicken wir auf das geweihte Leben als ein Treffen mit Christus: Er ist es, der zu uns kommt, geführt von Maria und Josef, und wir sind jene, die zu ihm gehen, geführt vom Heiligen Geist. Doch im Mittelpunkt ist er. Er bewegt alles, er führt uns zum Tempel, zur Kirche, wo wir ihn treffen, erkennen, aufnehmen und umarmen können.

Jesus kommt uns entgegen in der Zusammenkunft in der Kirche und zwar durch das Charisma des jeweiligen Instituts: Es ist schön, dies sich so vorzustellen, wenn wir an unsere Berufung denken! Unser Treffen mit Christus ist durch das Charisma eines Zeugen und einer Zeugin in der Kirche entstanden. Das erstaunt uns immer wieder und macht uns dankbar.

Und auch im geweihten Leben lebt man dieses Treffen zwischen der Jugend und den Alten, zwischen der Observanz (Treue zur Ordensregel) und der Prophetie. Wir sehen sie nicht als zwei entgegen gesetzte Wirklichkeiten! Lassen wir stattdessen den Heiligen Geist beide Seiten berühren. Das Zeichen hierfür ist die Freude: Die Freude achtsam zu sein, die Freude eine Lebensregel zu befolgen; und es ist die Freude vom Geist geführt zu werden, nie in Starrheit oder Geschlossenheit zu verfallen, dafür immer offen zu bleiben für die Stimme Gottes, der spricht, öffnet und führt…

Es tut den Alten gut, den Jungen die Weisheit weiterzureichen; und es tut den Jungen gut, diesen Reichtum an Erfahrungen und Weisheit aufzunehmen und weiterzutragen, um das Wohl der jeweiligen geistlichen Familien und der gesamten Kirche zu gewährleisten.Die Güte dieses Geheimnisses, das Mysterium des Treffens, erleuchte und ermutige uns auf all unseren Wegen. Amen.

(Quelle: Radio Vatikan, 02.02.2014)