Er hat uns immer ersucht, für ihn zu beten

Schwester Ana Rosa, Angehörige des Ordens der Salesianerinnen und Cousine des Papstes, beschreibt, wie sie die Begleitung ihres berühmten Verwandten an einem so bedeutungsvollen Tag erlebte

Vatikanstadt, (ZENIT.org) Rocío Lancho García | 1004 klicks

Nach der Inthronisierungsmesse von Papst Franziskus führte ZENIT ein Gespräch mit dessen Cousine, der Salesianerin Don Boscos Schwester Ana Rosa von der Vereinigung der Töchter Mariä, Hilfe der Christen. Ihr Vater war ein Cousin von Jorge Mario Bergoglios Mutter.

Die als Missionarin in Thailand tätige Ordensfrau berichtet, dass sie die Nachricht um zwei Uhr früh erhalten habe und überrascht und sehr bewegt gewesen sei.

Schwester Rosa führt aus: „Er hat eine eindrucksvolle Botschaft der Hoffnung ausgesandt und zu einem verstärkten Einsatz für die Armen, für den Dienst der Kirche, aufgerufen. Wer mehr hat und mehr geben kann, soll eine größere Verpflichtung jenen gegenüber eingehen, die das Wichtigste am meisten benötigen.“

Als ein sehr markantes Zeichen bezeichnet die Ordensfrau die Einladung des Papstes an die Anführer der „cartoneros“, jener Menschen, die Kartons und andere Papiererzeugnisse von der Straße auflesen und wiederverwerten, um ein klein wenig Geld zu verdienen.

Als Vertraute des Papstes bietet Ana Rosa im weiteren Verlauf des Gesprächs folgende begeisterte Schilderung ihres Cousins: „Er ist ein sehr bescheidener und enthaltsamer Mensch. Seine Gegenwart vermittelt uns das Gefühl von Familie. Jedes Mal, wenn ich nach Buenos Aires zurückkehre, besuche ich ihn. Heute hatte ich Gelegenheit, mit ihm zu sprechen und ich habe mich neben den Altar gesetzt“.

Nachdem der Papst Schwester Rosa erblickt hatte, habe er zu ihr gesagt: “Was machst du hier? Du bist gekommen!”. Die Ordensfrau erzählte daraufhin von Bergoglios Ernennung zum Kardinal, zu der die ganze Familie aus Argentinien und sie selbst aus Thailand nach Rom angereist sei. Auch zu diesem Anlass habe die Familie ihm in einem für ihn so wichtigen Augenblick nahe sein wollen. So hätten die Schwägerin des Papstes und insgesamt 18 Nichten und Neffen bzw. Großnichten und Großneffen den Weg zu ihm gefunden.

Der Ordensfrau zufolge sei Franziskus der Familie sehr verbunden. In diesem Zusammenhang erzählt sie, dass er ihr bei jedem Treffen folgenden Auftrag erteilt habe: „Ana Rosa, bete für mich, und bitte auch die älteren Schwestern darum, dies zu tun.“ Diese Gebete für ihn, die ihm schon früher so sehr am Herzen gelegen hätten, seien laut Schwester Ana Rosa nun umso notwendiger.

Zwei mit Schwester Ana Rosa bekannte argentinische Frauen betrachten ihre Gegenwart an diesem Ort auf einer lange Zeit zuvor geplanten Reise als günstiges Geschick. Als die Nachricht von Bergoglios Wahl zum neuen Papst zu ihnen vorgedrungen sei, hätten sie sich gegenseitig angerufen, um diesen Moment der Freude miteinander zu teilen. „Ich war zutiefst bewegt und habe geweint. In Wahrheit hätten wir uns diese Ergebnis nicht erwartet.“, gibt eine der beiden Frauen bekannt. Ihre Freundin ergänzt: „Noch berührter war ich, als ich erfuhr, dass er den Namen Franziskus gewählt hat. Auch mein Sohn und mein Vater sind Träger dieses Namens. An diesem Tag habe ich den Himmel mit einem Finger berührt.“ Laut den beiden Frauen habe der Papst in diesen ersten Tagen bereits einen Weg vorgezeichnet. Er sei von großer Bescheidenheit.

Hunderte von Gläubigen begleiteten Papst Franziskus während seiner Inthronisierungsmesse in das Amt Petri am Hochfest des hl. Josef. Schätzungen zufolge füllten zwischen 150.000 und 200.000 Menschen den Petersplatz und die umliegenden Gebiete. Die gesamte Eucharistiefeier fand bei trockenem Wetter und unter strahlendem Sonnenschein statt.

Zu dieser von der inneren Bewegtheit der Anwesenden getragenen Feier voller Symbole und Zeichen erschien der Papst gegen 8.50 Uhr morgens in einem weißen Jeep ohne Panzerglas und begrüßte die versammelten Gläubigen zur Eucharistiefeier. Um seiner Freude Ausdruck zu verleihen, hob der Papst zum Zeichen der Zustimmung und seiner Nähe einige Male den Daumen in die Höhe. Im Rahmen dieses Anlasses wurde ein kleines Kind zu ihm gebracht. Er küsste es zärtlich. Einige Minuten später stieg er aus dem Auto, um einen in der ersten Reihe hinter einer Absperrung befindlichen Kranken zu küssen.

Neben den auf dem Petersplatz versammelten Gläubigen wurde Papst Franziskus auch von den Vertretern der anderen Religionen und christlichen Kirchen sowie von Delegationen aus insgesamt 134 Ländern begleitet. Die Fahnen aller Länder und Banner verschiedener Bewegungen, Pfarren und Gruppen schmückten den Petersplatz.

Ein argentinisches Ehepaar aus Rosario verließ den Petersplatz nach dem Ende der Eucharistiefeier. Auf ihrem Rücken prangte die Fahne ihres Landes. Sie waren nach Rom gereist, um dem Papst während dieser bedeutungsvollen Tage nahe zu sein. Sie gaben an, durch die Nachricht von der Wahl des Kardinals Bergoglio zum neuen Bischof von Rom von einem unbeschreiblichen Gefühl erfüllt worden zu sein. Die Frau fand dazu folgende Worte: „Er ist ein Geschenk für die ganze Welt, nicht nur für die Menschen in Argentinien“. „Diese ersten Tage des neuen Papstes sind wegweisend. Er gibt Hinweise für die Richtung seines Pontifikates, und wir sind überzeugt davon, dass er diesen Weg fortsetzen wird, auch wenn ihm Hindernisse begegnen“, ergänzte ihr Mann zuversichtlich.

Danach begegneten wir einer Gruppe von Ordensfrauen vom argentinischen Institut des fleischgewordenen Wortes. Sie gaben an, in Italien zu leben und aufgrund ihrer Begeisterung vom Papst und ihres Wunsches, ihn zu begleiten, zur Feier der Messe gekommen zu sein. Die Schwestern berichteten von ihrer großen Freude über die Nachricht vom Ergebnis der Papstwahl. Es sei ihnen anfangs schwer gefallen, daran zu glauben. „Wir sind sehr glücklich und beten intensiv für ihn, auf dass er zum Besten der Kirche handle.“, teilten die Ordensfrauen abschließend mit.

Um seine in Rom lebende Tochter zu besuchen, hatte sich Mauro, ebenfalls aus Argentinien, lange auf die Reise vorbereitet. Papst Franziskus charakterisierte er mit folgenden Worten: „Er ist ein außergewöhnlicher Mensch mit einer großen Berufung. Ich habe den Eindruck, dass sich die Menschen durch einen so menschennahen Papst der Kirche mehr zuwenden.“ Die ersten Tage mit dem neuen Papst seien wunderbar gewesen und hätten einen einzigartigen Horizont für die katholische Kirche erkennen lassen. Von diesem Papst gehe so viel „Brüderlichkeit, Freundschaft und Glaube, sehr viel Glaube“ aus. Mauro gab an, die Nachricht mit großer Freude, zunächst aber auch mit Verwunderung aufgenommen zu haben und sehr zufrieden zu sein.

Zwei Studenten aus Spanien, die in Rom einen Erasmusaufenthalt absolvieren, bekannten sich zu ihrer inneren Bewegung durch ihre Teilhabe an diesem historischen Augenblick. Mit großer Spannung und Ergriffenheit hätten sie am Dienstag und am Mittwoch der vergangenen Woche auf dem Peterplatz des aufsteigenden weißen Rauches geharrt. Ihre Meinung zum Papst äußerten sie folgendermaßen: „Er ist offensichtlich ein sehr bescheidener Mensch. Diese Eigenschaft zeigt sich in seinen Gesten. Beispielsweise trägt er immer noch das Kreuz aus seiner Zeit als Kardinal.“