"Er ist reine Barmherzigkeit! Lasst uns zu Jesus gehen!"

Die Worte des Papstes beim heutigen Angelus-Gebet

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 546 klicks

Heute um 12.00 Uhr zeigte sich der Heilige Vater Franziskus am Fenster seines Arbeitszimmers im Apostolischen Palast des Vatikans, um mit den auf dem Petersplatz versammelten Gläubigen und Pilgern den Angelus zu beten.

Zur Einführung in das Mariengebet sprach der Papst die folgenden Worte, die wir in einer eigenen Übersetzung dokumentieren.

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[Vor dem Angelus]

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Der Monat Juni ist der Tradition nach dem Heiligen Herzen Jesu gewidmet, dem höchsten menschlichen Ausdruck der göttlichen Liebe. Außerdem begingen wir am vergangenen Freitag das Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu, das den Geist des gesamten Monats bestimmt. Unter den zahlreichen von der Volksfrömmigkeit verehrten Symbolen wird jenes des Herzens Jesu als Symbol des Erbarmens Gottes schlechthin besonders betont. Es handelt sich dabei jedoch nicht um ein imaginäres, sondern um ein reales Symbol, das den Mittelpunkt, die Quelle darstellt, aus der das Heil für die ganze Menschheit hervorgeströmt ist.

Das Evangelium enthält verschiedene Stellen, die sich auf das Herz Jesu beziehen. So lesen wir dazu beispielsweise die folgenden Worte Christi: „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen. Nehmt mein Joch auf euch, und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele“ (Mt 11,28-29). Von wesentlicher Bedeutung ist dann die Erzählung vom Tod Christi nach Johannes. Der Evangelist zeichnete auf, was er selbst auf dem Kalvarienberg beobachtet hatte: dass ein Soldat nach dem Tod Jesu mit einer Lanze in dessen Seite stieß und sogleich Blut und Wasser aus der Wunde flossen (vgl. Joh 19,33-34). Johannes erkannte in diesem offenbar zufälligen Zeichen die Erfüllung der Prophezeiung: Aus dem Herzen Jesu, des am Kreuz geopferten Lammes, entspringen für alle Menschen die Vergebung und das Leben.

Das Erbarmen Jesu ist jedoch nicht allein ein Gefühl, sondern eine Kraft, die Leben schenkt, die den Menschen erweckt! Diese Botschaft enthält auch das heutige Evangelium mit der Erzählung von der Auferweckung eines jungen Mannes in Naïn (Lk 7,11-17). Darin kommt Jesus mit seinen Jüngern in das in Galiläa gelegene Dorf Naïn. Zu diesem Zeitpunkt findet das Begräbnis eines jungen Mannes statt, des einzigen Sohnes einer Witwe. Der Blick Jesu richtet sich sofort auf die weinende Mutter. Der Evangelist Lukas hat dazu Folgendes vermerkt: „Als der Herr die Frau sah, hatte er Mitleid mit ihr“ (v. 13). Dieses „Mitleid“ ist die Liebe Gottes zum Menschen, das Erbarmen, die Haltung Gottes, wenn er auf das menschliche Elend, auf unsere Schwäche, auf unser Leiden, auf unsere Angst trifft. Der biblische Ausdruck des „Mitleids“ verweist auf das Innere einer Mutter: Die Mutter verspürt nämlich eine ganz eigene Reaktion angesichts des Schmerzes der Kinder. So liebt uns Gott, sagt die Schrift.

Welche Frucht bringt nun diese Liebe, dieses Erbarmen hervor? Das Leben! Jesus sagt zur Witwe von Naïn: „Weine nicht!“. Dann ruft er den toten jungen Mann und erweckt ihn wie aus dem Schlaf (vgl. vv. 13-15). Besinnen wir uns auf diesen schönen Gedanken: Das Erbarmen Gottes schenkt dem Menschen Leben, es weckt ihn von den Toten auf. Der Herr blickt stets mit Barmherzigkeit auf uns; er wartet auf uns mit Barmherzigkeit. Lasst uns keine Angst haben, uns ihm zu nähern! Er hat ein barmherziges Herz! Wenn wir ihm unsere inneren Wunden zeigen, unsere Sünden, wird er uns immer Vergebung schenken. Er ist reine Barmherzigkeit! Lasst uns zu Jesus gehen!

Wenden wir uns nun an die Jungfrau Maria: Ihr unbeflecktes Herz, das Herz einer Mutter, hat das „Mitleid“ Gottes auf höchster Stufe geteilt, vor allem in der Stunde des Leidens und des Todes Jesu. Möge uns Maria dabei helfen, sanft, demütig und barmherzig mit unseren Brüdern zu sein.

[Nach dem Gebet des Angelus]

Liebe Brüder und Schwestern,

heute findet in Krakau die Seligsprechung zweier polnischer Ordensfrauen statt: Sofia Czeska Maciejowska gründete in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts die Kongregation der Jungfrauen von der Darstellung der seligen Jungfrau Maria. Die zweite Kandidatin ist Margherita Lucia Szewczyk, die im 19. Jahrhundert die Kongregation der Töchter der Seligen Jungfrau der Schmerzen gründete. Gemeinsam mit der Kirche Krakaus danken wir dem Herrn!

Mit Zuneigung begrüße ich alle heute anwesenden Pilger: die Gruppen aus Pfarrgemeinden, Schulklassen, Vereinigungen und Bewegungen. Ich heiße alle willkommen!

Ich begrüße alle Gläubigen aus Mumbai, Indien.

Mein Gruß gilt der römischen Bewegung für die Liebe in der Familie, den Bruderschaften und Freiwilligen des Heiligtums von Mongiovino bei Perugia, der Franziskanischen Jugend Umbriens, der „Casa della Carità“ (Haus der Barmherzigkeit) aus Lecce, den Gläubigen aus der Provinz Modena, die ich zum Wiederaufbau ermutige, und jenen aus Ceprano. Ich begrüße die Pilger aus Ortona, wo die sterblichen Überreste des Apostels Thomas verehrt werden und die somit von „Thomas zu Petrus“ gegangen sind. Danke!

Lasst uns heute nicht die Liebe Gottes, die Liebe Christi, vergessen: Er blickt uns an, liebt uns und wartet auf uns. Er ist Herz und Barmherzigkeit in Fülle. Gehen wir vertrauensvoll zu Jesus, der uns immer vergibt.

Ich wünsche euch einen schönen Sonntag und ein gesegnetes Mittagessen!