Erhör, oh Gott, mein Flehen

Zum 70. Todestag Edith Steins am 9. August 1942

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ROM, 8. August 2012 (ZENIT.org). - Am 7. August 1942 wurde Edith Stein in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau deportiert, wo sie am 9. August in der Gaskammer ermordet wurde.

Papst Johannes Paul II. beschrieb Edith Stein in seiner Ansprache vor dem Zentralrat der Juden am 1. Mai 1987 mit folgenden Worten: „Heute ehrt die Kirche eine Tochter Israels, die während der nationalsozialistischen Verfolgung als Katholikin dem gekreuzigten Herrn, Jesus Christus, und als Jüdin ihrem Volk in Treue und Liebe verbunden geblieben ist. Zusammen mit Millionen von Brüdern und Schwestern hat sie Erniedrigung und Leiden bis zum Letzten, bis zur unmenschlichen Vernichtung, der Shoah, erlitten. Mit heroischem Glaubensmut hat Edith Stein ihr Leben in die Hände Gottes, des Heiligen und Gerechten, zurückgegeben, dessen Geheimnis sie ihr ganzes Leben hindurch besser zu verstehen und zu lieben suchte.“

Edith Stein kam am 12. Oktober 1891 als Tochter jüdischer Eltern in Breslau zur Welt. Ihr Studium der Philosphie bei Edmund Husserl schloß sie mit Promotion ab. Eine weitere Karriere war nicht möglich, da ihr die Habilitation verwehrt war.

Die Lektüre der Biographie Theresa von Avilas hatte nachhaltigen Einfluss auf das weitere Leben Edith Steins. 1922 konvertierte sie zum katholischen Glauben und fasste den Entschluss, ihr Leben Gott zu weihen. Zunächst war sie jedoch lehrend tätig und setzte sich für die Emanzipation der Frauen ein.

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 änderten sich ihre Lebensverhältnisse schlagartig. Ihrer Tätigkeit an der Universität Münster durfte Edith Stein nicht mehr nachgehen. Sie trat wenig später in den Karmeliterorden in Köln ein und trug fortan den Namen Sr. Teresia Benedicta vom Kreuz. 1938 legte Edith Stein ihre Gelübde ab.

Am 1. Januar musste sie vor den Nationalsozialisten nach Holland ins Kloster Echt fliehen, wo ihre Schwester Rosa seit 1936 lebte. Die Nationalsozialisten erfuhren aber von ihrer jüdischen Abstammung. Edith Stein und ihre Schwester wurden deshalb am 2. August 1942 bei einer Polizeiaktion verhaftet.

Sr. Teresia Benedicta vom Kreuz wurde von Papst Johannes Paul II. am 1. Mai 1987 seliggesprochen; am 11. Oktober 1998 erfolgte ihre Heiligsprechung. Papst Johannes Paul II. bezeichnete sie als „Beispiel und Begleiterin“.

Beim Besuch des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau am 28. Mai 2006 bekräftigte Papst Benedikt XVI.: „Es war mir eine innere Pflicht, auch vor dem Gedenkstein in deutscher Sprache besonders innezuhalten. Von dort tritt das Gesicht von Edith Stein, Theresia Benedicta vom heiligen Kreuz, auf uns zu – Jüdin und Deutsche, die zusammen mit ihrer Schwester im Grauen der Nacht des nazideutschen Konzentrationslagers verschwunden ist, die als Christin und als Jüdin mit ihrem Volk und für ihr Volk sterben wollte. Die Deutschen, die damals nach Auschwitz-Birkenau verbracht wurden und hier gestorben sind, wurden als Abschaum der Nation hingestellt. Aber nun erkennen wir sie dankbar als die Zeugen der Wahrheit und des Guten, das auch in unserem Volk nicht untergegangen war. Wir danken diesen Menschen, daß sie sich der Macht des Bösen nicht gebeugt haben und so als Lichter in einer dunklen Nacht vor uns stehen. Wir beugen uns in Ehrfurcht und Dankbarkeit vor all denen, die wie die drei Jünglinge angesichts der Drohung des babylonischen Feuerofens geantwortet haben: ,Wenn jemand, so kann nur unser Gott… uns retten. Tut er es aber nicht, so sollst du, König, wissen: Auch dann verehren wir deine Götter nicht und beten das goldene Standbild nicht an, das du errichtet hastʽ (Dan 3,17f)."

Seit 1999 ist Edith Stein / Sr. Teresia Benedicta vom Kreuz zusammen mit Birgitta von Schweden und Katharina von Siena Schutzheilige Europas. [bd]