Eritrea: Kirche blutet durch Militärdienst und Auswanderung personell aus

Kommunistisches Regime will sogar Priester mit Waffen ausstatten

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KÖNIGSTEIN, 4. Dezember 2012 (ZENIT.org/KIN). ‑  Stimmen aus der katholischen Kirche in Eritrea, die aus Sicherheitsgründen anonym bleiben müssen, haben gegenüber dem internationalen katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“ beklagt, die Kirche in Eritrea blute durch den erzwungenen Militärdienst personell aus. Die Arbeit der Kirche in den Pfarreien und in der Priesterausbildung werde immer schwieriger, weil geeignetes Personal in der Armee festgehalten werde. Die Zeit des Militärdienstes sei nicht zeitlich begrenzt, so dass er oft viele Jahre dauere. Die Kriegsgefahr werde seitens der Regierung übertrieben, was als Vorwand dazu diene, Militärdienstleistende nicht gehen zu lassen. Manche von ihnen seien bereits seit 16 Jahren in der Armee.

Generell führe der Militärdienst dazu, dass es in dem Land einen Mangel an qualifizierten Arbeitskräften gebe. Dazu komme, dass viele Eritreer das Land verlassen. Somit gehe dem Land wertvolles Potential verloren. „Auch Jugendliche, die in Eritrea bleiben, sind im Geiste schon im Ausland“, heißt es aus katholischen Kreisen. Es sei die Mentalität weit verbreitet: „Wer bleibt, ist dumm.“ Bereits eine Million Eritreer lebten im Ausland. Zurzeit leben in dem nordostafrikanischen Land 5,2 Millionen Menschen.

Kritik wird in kirchlichen Kreisen ebenfalls daran geäußert, dass die kommunistische Regierung „sogar Priester mit Waffen ausstatten will“. Alle Einwohner Eritreas – auch Frauen – seien gezwungen, eine Waffe zu besitzen. Die Regierung schaffe „eine Atmosphäre der permanenten Kriegsbedrohung, um die Menschen gefügig zu halten“. Der Kirche sei zudem die karitative Tätigkeit verboten. „Die Regierung will, dass wir uns auf die Kirche und die Sakristei beschränken.“

47,3 Prozent der eritreischen Bevölkerung sind Christen. Die meisten davon sind orthodox. Katholiken bilden lediglich eine kleine Minderheit von 4 Prozent. Muslime machen knapp die Hälfte der Bevölkerung aus. Das Land, das 1993 nach einem dreißigjährigen Krieg wieder unabhängig von Äthiopien wurde, wird kommunistisch regiert. Nach Angaben von „Kirche in Not“ ist die Kirche jedoch trotz großer Schwierigkeiten in seelsorglicher und karitativer Hinsicht sehr aktiv.