Erklärung der polnischen Bischofskonferenz zur Homophobie-Resolution des EU-Parlaments

\"Wir rufen das Europäische Parlament dazu auf, von Tätigkeiten abzusehen, die den Stempel der Diktatur des Relativismus tragen\"

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ROM, 3. Februar 2006 (Zenit.org).- Im Zuge der am 18. Januar im EU-Parlament verabschiedeten Resolution zur Homophobie in Europa veröffentlichte die polnische Bischofskonferenz eine Erklärung, in der vor \"durch und durch negativen Tendenzen\" im Europäischen Parlament gewarnt wird, die die Gültigkeit des Solidaritätsprinzips in Mitleidenschaft ziehen.



Die Bischöfe protestieren gegen die mit großer Mehrheit verabschiedete EU-Resolution, da diese einen Versuch darstelle, \"nicht nur die tiefsten Fundamente des richtigen Funktionierens der EU, sondern sogar das menschliche Leben selbst zu untergraben\".

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Die Europäische Union sucht seit kurzem nach neuen Wegen, um ihr Auftreten auf der internationalen Bühne sowie im Leben der Mitgliedsstaaten zu definieren. Ein diesbezügliches Beispiel kann der Versuch sein, die Position der Europäischen Union zum Konflikt im Mittleren Osten zu bestimmen sowie zur Bedrohung, die vom nuklearen Bestreben bestimmter Staaten ausgeht. Im Bereich der internationalen Politik der EU ist der Kompromiss bemerkenswert, der beim EU-Budget erzielt worden ist.

Wir bedauern, dass im Europäischen Parlament durch und durch negative Tendenzen aufkommen. Diese zeugen von der Geringschätzung eines fundamentalen Kriteriums für das angemessene Funktionieren der Europäischen Union, nämlich des Subsidiaritätsprinzips. Dies wurde durch die Verabschiedung einer Resolution zum Ausdruck gebracht, die – ohne einen verbindlichen Charakter für die einzelnen Mitgliedsstaaten zu haben – dennoch ein Mittel sein kann, um einen moralischen Druck auf EU-Staaten auszuüben, und die vom Verrat an den grundlegenden Werten unserer Zivilisation zeugt.

Die Resolution des EU-Parlaments zur Homophobie, die am 18. Januar 2006 in Straßburg verabschiedet wurde, weist, indem sie Homophobie verurteilt, zu Recht Haltungen wie Diskriminierung, Verhöhnung und Gewalt gegenüber Personen mit homosexueller Neigung zurück. Gleichzeitig verstößt sie aber mit der Mahnung an die Regierungen der Mitgliedsstaaten, ihre Gesetzgebungen hinsichtlich gleichgeschlechtlicher Paare zu überarbeiten, gegen die Normen des gesellschaftlichen Lebens in Europa. Indem sie vom Thema der Diskriminierung von Personen mit homosexuellen Neigungen Gebrauch macht, fördert diese Resolution indirekt die Vorstellung einer gleichen Behandlung von Beziehungen zwischen Mann und Frau und homosexuellen Beziehungen. Auf diese Weise entstellt sie die Wahrheit, die in der Natur des Menschen wurzelt, der als Mann und Frau geschaffen wurde. Somit stellt die verabschiedete Resolution eine ernste Bedrohung für das Ehe- und Familienleben sowie für die gesamte Ordnung des gesellschaftlichen Lebens in Europa dar.

Wir erklären uns mit den anderen europäischen Bischofskonferenzen, christlichen Gemeinschaften sowie allen Menschen guten Willens solidarisch, die mit uns dieselbe anthropologische Wahrheit teilen. Auf diese Weise äußern wir unseren Einwand gegen den Versuch, nicht nur die tiefsten Fundamente des richtigen Funktionierens der EU, sondern sogar das menschliche Leben selbst zu untergraben.

Wir rufen das Europäische Parlament dazu auf, von Tätigkeiten abzusehen, die den Stempel der Diktatur des Relativismus tragen und die Gewissensfreiheit der Bürger der EU-Mitgliedsstaaten gefährden.

Warschau, 31. Januar 2006