Erklärung der Schweizer Bischöfe zur Initiative gegen den Bau von Minaretten

Keine neuen religiösen Ausnahmeartikel

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FRIBOURG, 10. September 2009 (ZENIT.org).- Die Schweizer Bischofskonferenz lehnt die Initiative gegen den Bau von Minaretten (ZENIT berichtete) ab. Das geht aus einer heute veröffentlichten Erklärung hervor, die die Hirten bei ihrer 285. ordentlichen Vollversammlung vom 6. bis 9. September in Delsberg verabschiedet haben.

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„Die Schweizer Bischofskonferenz lehnt die Initiative gegen den Bau von Minaretten ab. Sie äußert sich zu dieser Initiative, weil es sich um eine politische Frage handelt, welche eine Religion und die korporativen Rechte einer Religionsgemeinschaft betrifft. Wie die Kirchtürme sind auch die Minarette ein Zeichen der öffentlichen Präsenz einer Religion.

Wir sind uns bewusst, dass nicht alle islamischen Länder die Religions- und Kultusfreiheit respektieren. In ihrer religiösen Praxis erfahren die Christen mancherlei Schwierigkeiten, und bei der Errichtung von sakralen Gebäuden sind sie Einschränkungen ausgesetzt. Wir betonen erneut unsere Nähe und Solidarität gegenüber jenen Christen, die bedrängt und verfolgt werden.

Als Bischöfe und Schweizer Bürger freuen wir uns, dass es in der Bundesverfassung keine religiösen Ausnahmeartikel mehr gibt. Es sollen auch keine neuen eingeführt werden. Ein generelles Minarettverbot würde die unabdingbare Anstrengung behindern, um im Dialog und gegenseitigem Respekt einen gemeinsamen Weg der Integration zu gehen.

Angst ist auch in dieser Sache ein schlechter Ratgeber. Der Bau und der Betrieb auch von Minaretten sind zudem bereits durch die Bauvorschriften geregelt.

Wir verkennen nicht die Probleme, die sich aus dem Zusammenleben der Religionen ergeben. Unsere Aufforderung, die Initiative abzulehnen, stützt sich auf unsere christlichen Werte und die demokratischen Prinzipien in unserem Land.

Delsberg, 9. September 2009

Die Schweizer Bischöfe