Erlösung - Miterlösung

Impuls zum 2. Sonntag im Jahreskreis

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Von Msgr. Dr. Peter von Steinitz*

MÜNSTER, 13. Januar 2012 (ZENIT.org). - Dass die Weihnachtszeit mit dem vorigen Sonntag (Taufe des Herrn) bereits zu Ende gegangen ist, berührt manch einen schmerzlich. Denn die Krippen stehen noch, oft auch der Weihnachtsbaum. Vielleicht erinnert man sich auch an den Sketch von Heinrich Böll aus den Fünfziger-Jahren „Nicht nur zur Weihnachtszeit“, wo jemand die Weihnachtsstimmung auf das ganze restliche Jahr ausdehnen wollte. Erst später kam er zu der Einsicht, dass dies nicht richtig, zumindest etwas unnatürlich sein würde. Im Rahmen des Kirchenjahres dürfen wir uns aber auf das Fest Darstellung des Herrn (Maria Lichtmess) freuen, wo uns so etwas wie ein Nachklang zu Weihnachten geschenkt wird.

Heute aber spricht das Evangelium von den Aufbrüchen zum öffentlichen Wirken des Herrn, das wir im Ansatz bereits am Fest Erscheinung des Herrn gesehen haben. Vor den drei Weisen aus der Heidenwelt, bei der Taufe im Jordan und bei der Hochzeit zu Kana wurde der menschgewordene Sohn Gottes gewissermaßen vorgestellt. Nun beginnt sein Wirken mit der Berufung der ersten Jünger.

Ob wir es bemerken oder nicht: Hier sind wir bereits alle angesprochen. Jesus beruft Menschen dazu, sein Wirken weiter zu führen. Aber er spricht nicht nur die zwölf Apostel und dann die größere Zahl der Jünger und Jüngerinnen an, sondern letztlich alle Menschen. Denn Gott hat nun einmal den Wunsch, seine Geschöpfe an seinen Werken zu beteiligen. Wir Menschen dürfen und sollen, trotz all unserer Begrenztheit, am Werk der Schöpfung teilnehmen, zum einen dadurch, dass Menschen andere Menschen ins Leben rufen, ohne im eigentlichen Sinne deren Schöpfer zu sein, aber dann auch durch die Arbeit, durch die wir dem Schöpfer bei seinem Schaffen und Wirken gewissermaßen assistieren. Mit der Berufung der ersten Jünger, Andreas und Johannes, werden wir alle eingeladen, auch am zweiten Werk Gottes teilzunehmen, der Erlösung. Wir sollen und dürfen Miterlöser sein. Einmal indem wir, jeder auf seine Weise, das Wort Gottes unter die Leute bringen, dann aber auch indem wir dem Erlöser bei seinem eigentlichen Erlösungswerk assistieren: Erlöst hat er uns ja nicht durch eine große Tat, sondern durch ein großes Leiden. Und jeder, der sein eigenes Leiden (Krankheit, Kummer, Misserfolge, Enttäuschungen etc.) in das Leiden Christi mit einbringt, kann sich Miterlöser nennen. Ich meine, das gibt dem Gläubigen eine viel größere Erfüllung und Freude, wenn er später einmal sagen kann: Bei der Rettung dieses Menschen, vielleicht eines Verwandten oder eines Freundes, habe ich mitwirken dürfen. Erlöst ist er durch Christus, aber der Herr wollte meine Mitarbeit dazu.

Was aber sind die Voraussetzungen dazu, damit wir diese Mitwirkung leisten und zunächst einmal überhaupt wollen? Da können wir uns leicht an den Aposteln orientieren. Sie waren auch keine Übermenschen, sie hatten Fehler und machten Fehler. Aber sie hatten das, was man ein „hörendes Herz“ nennt.

In der Lesung des heutigen 2. Sonntags im Jahreskreis macht der Apostel Paulus auf eine Haltung aufmerksam, die nicht nur im Christentum, sondern in allen Religionen eine wichtige Rolle spielt, und ohne die das religiöse Leben seine Kraft verliert. Er spricht in drastischen Worten von der Tugend der Reinheit: „Der Leib ist nicht für die Unzucht da…Wisst ihr nicht, dass eure Leiber Glieder Christi sind” oder noch deutlicher: „Hütet euch vor der Unzucht! Jede andere Sünde, die der Mensch tut, bleibt außerhalb des Leibes. Wer aber Unzucht treibt, versündigt sich gegen den eigenen Leib” (1 Kor 6,13c-20).

Hier steht die christliche Auffassung wieder einmal quer zum Zeitgeist. Die Mainstream-Ideologie animiert ja im Gegenteil zu einem entsprechenden Sichausleben. Über die Art und Weise, wie in manchen Schulen der sog. Sexualunterricht gehandhabt wird, wäre sicher sehr vieles zu sagen. Statt Aufklärung geht es oft eher um Aufforderung.

Da können uns die Nichtchristen oft geradezu beschämen. In einem Gespräch mit jungen Muslimen, die ihren Glauben sehr ernst nehmen, fragte mich ein junger Syrer („Ich möchte keusch in die Ehe gehen”), ob denn die Sexualmoral der katholischen Kirche sich geändert habe. Als ich ihm sagte, dass sich dort nichts geändert habe, war er sichtlich beruhigt. Da wurde wieder einmal deutlich, dass Angehörige einer anderen Religion, die ihren Glauben ernst nehmen, uns Christen nur dann schätzen, wenn auch wir unseren Glauben ernst nehmen.

Nach zweitausend Jahren Wirken Christi und Mitwirken der Christen ist offensichtlich noch sehr viel zu tun.

Packen wir es an!

*Msgr. Dr. Peter von Steinitz, war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den sel. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt “ und „Leo - Allah mahabba“.