Ermordung des kongolesischen Erzbischofs Christophe Munzihirwa weiterhin unklar
Bischöfliche Erklärung: Sein Blut wurde für alle Stimmlosen vergossen
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ROM, 22. Oktober 2008 (ZENIT.org).- Am 29. Oktober werden die Gläubigen in ganz Afrika, aber vor allem in der Demokratischen Republik Kongo und der Erzdiözese Bukavo, des kongolesischen Erzbischofs Christophe Munzihirwa Mwene Ngabo SJ gedenken, der vor zwölft Jahren ermordet wurde. Die Hintergründe des blutigen Verbrechens sind bis heute nicht aufgeklärt.
In Bukavo, wo Erzbischof Munzihirwa wirkte, kommen jährlich Tausende von Gläubigen auf dem nach ihm benannten Platz zusammen. Zum zehnten Jahrestag der Ermordung des Kirchenmanns wurde eine Statue enthüllt, die an den Hirten erinnert. Sie soll das Gedächtnis an den Erzbischof wach halten, „der sein Blut nach dem Vorbild Christi für alle Stimmlosen vergossen hat“, wie es in einer Erklärung der Kommission „Gerechtigkeit und Frieden“ der kongolesischen Bischofskonferenz heißt.
In vielen europäischen Städten werden aus diesem Anlass Gedenkverantaltungen stattfinden. In Madrid wird der Journalist und Missionar P. José Carlos Rodríguez am kommenden 8. November in der afrikanischen Gemeinde San Juan de Ávila über das Leiden der Völker in Uganda, Kongo und Ruanda sprechen. Der spanische Comboni-Missionar hat über 18 Jahre in Uganda gewirkt und den Ausbruch des Bürgerkriegs miterlebt.
Am zehnten Todestag von Erzbischof Christophe hatten die Bischöfe des Landes im Namen der Provinz, des Landes und ganz Afrikas Anspruch darauf erhoben, „etwas über den Täter und die Waffe dieses Mordes zu erfahren“.
Der Erzbischof von Bukavu war Mitglied der Gesellschaft Jesu (SJ). Er wurde 1926 geboren und mit 32 Jahren zum Priester geweiht. Von 1980 bis 1986 wirkte er als Oberer der Jesuitenprovinz Afrika, ehe er zum Koadjutor von Kasongo ernannt wurde. Am 14. März 1995 wurde ihm die Leitung der Erzdiözese Bukavu übertragen. Erzbischof Munzihirwa wurde am 29. Oktober 1996 im Rahmen eines Militärangriffs auf Bukavu an der Grenze zwischen Ruanda und Burundi ermordet.
Der Hirte war sowohl in kirchlichen als auch in politischen und gesellschaftlichen Kreisen bekannt, weil er sich sehr für die ruandischen Flüchtlinge und den Schutz der Menschenrechte einsetzte. Der Demokratisierungsprozess im damaligen Zaire lag ihm ebenfalls besonders am Herzen.
Wenige Tage vor seinem Tod hatte Erzbischof Munzihirwa zum wiederholten Mal auf das Ausmaß der Krise in der Region der großen afrikanischen Seen hingewiesen, die mehr als vier Millionen Menschen das Leben gekostet hat. Insbesondere die Missionare hatte er darum gebeten, Angstgefühlen nicht nachzugeben, sondern bei den ihnen anvertrauten Völkern zu bleiben.
Angesichts des Zerbröckelns der staatlichen Institutionen im Osten des damaligen Zaire hatte Erzbischof Munzihirwa zu einer Versammlung in der erzbischöflichen Residenz in Bukavu eingeladen, an der rund 40 Delegierte sich mit der Situation befassen sollten. „Es war am frühen Dienstagvormittag, den 29. Oktober“, so der heutige Erzbischof der Stadt im Norden der Demokratischen Republik Kongo. Am Nachmittag kam es in der Stadt zu heftigen Gefechten. Der Erzbischof wollte persönlich einige Schwestern abholen, die in ihrer Schule eingeschlossen waren.
Nur mit seinem Bischofskreuz bewaffnet, ging Erzbischof Munzihirwa auf die Soldaten zu, die sein Auto mit Gewehrschüssen aufhalten wollten. Seine beiden Begleiter wurden sofort ermordet. Erzbischof Munzihirwa wurde zunächst nur verletzt, dann aber durch die Patronen eines Gewehrs getötet Erst am darauf folgenden Morgen, dem 30. Oktober, konnten die Xaverianer Missionare die Leiche des Erzbischofs finden.
„Die Straßen waren menschenleer, die Menschen waren in ihren Wohnungen geblieben. An der Beisetzung nahmen nur 71 Personen teil. Der Sarg wurde auf Schulbänke gelegt, das Grab neben der Kathedrale eilig ausgehoben und in wenigen Minuten war auf Anweisung der Soldaten alles zu Ende. Er starb, wie er lebte - im Elend“, so Erzbischof Maroy Rusengo.
„Nach dem Mord an Erzbischof Munzihirwa setzte sein Nachfolger Emmanuel Kataliko dessen Kampf für den Schutz der Menschenrechte und den Erhalt der nationalen Einheit und der Integrität des Landes fort“, schreibt der Erzbischof, der auch daran erinnert, dass auch Erzbischof Kataliko so sehr unter der Verfolgung gelitten habe, dass er „am 4. Oktober 2000 in Rom an den Folgen der Erschöpfung starb“.
Der Nachfolger der beiden verstorbenen Erzbischöfe, Charles Mbogha, setzte das Werk seiner beiden Vorgänger fort, obschon er bereits krank war und starb schließlich 2005.


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